Achim Achilles

Warum Spaß der einzige sinnvolle Motivator für Sport ist

Wieder mal keine Lust auf Sport? Wie treiben wir uns trotzdem an? Druck? Rituale? Hilft alles nur kurz. Achim Achilles hat die schlechtesten Motivationstipps gesammelt und weiß, was funktioniert.

Foto: Britta Pedersen / dpa

Mein Lieblingsdialog auf irgendeiner Party beginnt mit einer unbekannten Hand auf meiner altersuntypisch straffen Schulter. Fremder: „Wow, bist Du nicht dieser Steffny, ääh, Strunz, nee, dingens, Herkules?“ Ich: „Fast...“ Fremder: „Super, dass ich Dich treffe, ich hab´ zufällig hier eine Serviette gefunden. Kannst Du mir nicht was Supermotivierendes drauf schreiben, was mich jeden Morgen zum Laufen bewegt? Ich will wieder mehr Sport machen, aber hab meistens keine Lust.“

Ich: „Warum lässt Du´s dann nicht einfach?“ Fremder: „Naja, ich dachte, das soll gesund sein und meine Frau sagt...“ Ich: „Ach, und weil ich jetzt was schreibe wie: `Jeder ist ein Sieger` oder `Quäl´ Dich, Du Sau!´ stehst Du plötzlich jeden Morgen gutgelaunt um halb sechs auf und rennst los?“ Fremder: „Ja, ganz bestimmt. Das ist doch Motivation.“ Ich: kritzele „Gib alles!“, wünsche Erfolg und hoffe, dass der arme Kerl eines Tages einen Sport entdeckt, der ihm einfach nur Spaß macht.

Motivation als geheimnisvolle Kraft

Schon merkwürdig, was der Mensch unter Motivation versteht; offenbar eine geheimnisvolle Kraft von außen, ein Schalter, der Unwillige in Kampfmaschinen verwandelt. Tschakka auf Serviette – und schwupps, macht er freiwillig Stabilisierungsgymnastik und liebt nasse Socken im Eisregen, bevorzugt um 21.32 Uhr.

Die Forschung ist da weiter: Ob Belohnen oder Drohen oder Ermuntern – was immer von außen kommt, wirkt weder stark noch lange. Dass diese Fremdmotivation nicht hilft, ergab jüngst eine Studie mit bayerischen Schulkindern im Hassfach Mathematik. Weder der Kampf um Noten, noch Druck der Eltern, nicht mal übermäßige Intelligenz führten dauerhaft zu guten Leistungen, sondern etwas viel Einfacheres: Spaß an dem, was man treibt.

Was lernt der Freizeitsportler daraus: Ob EKG, die Peitsche der Gattin oder die Waage der Geliebten – nichts verschafft nachhaltig Energie fürs Aufraffen. Nein, Spaß muss her, Freude, Erfüllung, schlicht weg Bock auf das, was man tut. Wer sich auf nette Leute freut, auf frische Luft und eine Stunde offline, der motiviert sich selbst, der findet immer Zeit. Wer lieber auf dem Sofa liegt, hat seinen Spaßsport noch nicht gefunden. Oder ist vielleicht kein Bewegungstyp. Soll es geben. Auch gut.

Die schlechtesten Motivationstipps aller Zeiten

Motivationssprüche helfen gegen Unlust jedenfalls nicht. Der Mensch ist ja nicht doof. Es ist wie beim Zaubern: Ein Trick funktioniert, wenn der Ausgetrickste nicht kapiert, was ihm geschieht. Kennt man den Zauber, wirkt er nicht mehr. Hier eine Auswahl der schlechtesten Motivationstipps aller Zeiten, die wir in Zukunft ganz gelassen überlesen dürfen:

Spruch: You can win if you want. Verfechter: Modern Talking, Carsten Maschmeyer, Barack Obama. Idee: Jeder kann es schaffen. Realität: Nur ich nicht. Motto: Lebe Deinen Traum.Verfechter: Angela Merkel, Homer Simpson, Pur. Idee: Ich mach mir die Welt, wie sie mir gefällt. Realität: Die blöde Welt will einfach nicht gehorchen.

Realität blendet sich immer ein

Spruch: Träume Dein Leben. Verfechter: Peer Steinbrück, Sylvie van der Vaart, Harald Glööckler. Idee: Realität einfach ausblenden, Realität einfach ausblenden, Realität... Realität: blendet sich immer wieder ein. Spruch: Niemals aufgeben. Verfechter; Lothar Matthäus, Lance Armstrong, Sarah Knappig.

Idee: Ich bin super, aber die Drecksäcke da draußen wollen mich fertig machen. Realität: Die Drecksäcke machen mich fertig. Spruch: Rituale schaffen. Verfechter: Timo Bracht, Papst, grüßende Murmeltiere. Idee: Stoisches Wiederholen führt zu neuen Gewohnheiten. Realität: Stoisches Wiederholen ist saulangweilig. Spruch: Schreibe alle Deine faulen Ausreden auf. Verfechter: Lebenshilfe-Literatur Idee: Ausflüchte lesen, verächtlich schnauben, losrennen. Realität: Konnte leider nicht los, weil ich so lange an der Liste saß.

Spruch: Melde Dich für einen Wettbewerb an. Verfechter: Achim Achilles. Idee: Scheiterpanik treibt zum Training. Realität: Die Online-Anmeldung für den Marathon hat nicht funktioniert. Spruch: Suche einen Sportpartner. Verfechter: Single-Börsen. Idee: Der Partner wird mich antreiben. Realität: Einer wartet auf den anderen. Spruch: Belohne Dich. Verfechter: Walker. Idee: Für jeden Kilometer eine Salami-Pizza. Realität: Das Bonus-Prinzip ist schon bei der Finanzkrise gescheitert.