Irina Mikitenko hat ein ehrgeiziges Ziel: den Marathon-Weltrekord. Zugegeben, die zweifache Mutter will nicht die globale Bestmarke der Frauen unterbieten, die 2003 von der Britin Paula Radcliffe aufgestellt wurde, und derzeit bei 2:15:25 Stunden liegt. Nein, Mikitenko will in der sogenannten Masters-Kategorie ganz nach vorne laufen: bei den über 40-Jährigen. Dort liegt bei den Frauen der Weltrekord bei 2:25:43 Stunden, gelaufen im Jahr 2008 von der Russin Ludmilla Petrowa. „Wenn man in meinem Alter ist, muss man gute Ziele haben, sonst wird es schwer“, sagt Mikitenko über ihren ambitionierten Plan.
Dass Mikitenko, die trotz ihrer 41 Jahre noch immer Deutschlands Beste über die 42,195 Kilometer ist, solch eine herausragende Zeit auf der schnellen Berliner Strecke laufen könnte, das deutete sie zuletzt Anfang des Jahres in Tokio an, wo sie nach 2:26:41 Stunden die Ziellinie überquerte. Um sich noch einmal um 60 Sekunden zu steigern, feilte Mikitenko zuletzt eher am Tempo denn an der Ausdauer. Zweimal pro Woche ging sie auf die 400-Meter-Bahn. Schnelle Einheiten für eine schnelle Zeit.
Mikitenko trainierte in der Schweiz für den Berlin-Marathon
Zur Vorbereitung auf den Berlin Marathon verbrachte sie den Sommer in der Schweiz: Höhentrainingslager. Mikitenko, die über 3000 Meter und 5000 Meter auf der Bahn sowie 10000 Meter auf der Straße und über die Marathondistanz deutschen Rekord lief und die Rekorde bis heute hält, könnte aber mit der Zeit von Tokio nicht nur in der Altersklasse 40 plus, sondern auch im gesamten Wettbewerb sehr weit vorne landen.
Apropos Tokio: Dem schnellsten Berliner Läufer sowie der schnellsten Läuferin winken ein ganz besonderer Preis. Sie dürfen im Februar 2014 beim Marathon in Tokio starten.
„Die Preise gehen an die schnellste Frau und den schnellsten Mann, die entweder für einen Berliner Verein starten oder in Berlin wohnen“, sagte Thomas Steffens, Sprecher des Berlin Marathons. Tokio ist Partnerstadt von Berlin, und auch deren Marathon gehört neben Boston, London, Chicago und New York zur kleinen Gruppe der World Marathon Majors (WMM).
Favoritin Kiplagat will sich gegen starke Landsfrauen durchsetzen
Derlei Zusatzmotivation braucht Florence Kiplagat vermutlich nicht. Ruhm und die – nicht unwesentlichen – 60.000 US-Dollar Preisgeld (umgerechnet knapp 45.000 Euro) für die Erstplatzierte dürften Ansporn genug sein. Kiplagat ist eine der Favoritinnen beim Marathon in Berlin. 2011 gewann die Kenianerin hier in 2:19:42 Stunden. Erwehren muss sie sich auf der langen Strecke vor allem der Konkurrenz aus dem eigenen Land: Georgina Rono zum Beispiel oder Sharon Cherop, die 2010 in Hamburg und Toronto sowie 2012 in Boston gewann.
Dahinter wird man die 30 Jahre alte Amerikanerin Desiree Davila im Auge behalten müssen, der 2009 bei der Leichtathletik-WM in Berlin mit einer Zeit von 2:27:53 Stunden der Durchbruch in die Marathon-Spitzengruppe gelang. Dort will sich auch Irina Mikitenko am Sonntag wieder behaupten. Ein paar Jahre will Deutschlands schnellste Marathonläuferin noch vorne mithalten, „aber der Weltrekord in der Altersklasse ab 45 Jahren wird sicher kein Ziel mehr sein für mich“, sagt sie.





