Pokalfinale in Berlin

Tasmania und Dynamo hoffen auf ein versöhnliches Saisonende

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Michael Färber

Foto: Jan Kuppert/SVEN SIMON / pa/Sven Simon

Sowohl für den Sechstligisten SV Tasmania als auch für den zwei Klassen höher spielenden BFC Dynamo war in dieser Saison mehr möglich. Im Berliner Pokalfinale geht es für beide Teams nun um viel Geld.

Seine Demission steht schon länger fest. „Wir hätten gern mit ihm weiter gemacht“, sagte Detlef Wilde, der Vorsitzende des SV Tasmania: „Doch mit den Klubs aus dem Umland können wir finanziell natürlich nicht mithalten.“ Die Sponsorenlage bei einem Oberligisten wie dem SV Altlüdersdorf ist um einiges besser als beim Traditionsverein aus Neukölln.

Somit wird das Berliner Pokalfinale gegen den BFC Dynamo am Mittwoch die einzige Chance für Trainer Miroslav Jagatic bleiben, mit Tasmania in dieser Spielzeit einen Titel zu holen. Nach einer Saison, die „sehr durchwachsen“ gewesen ist, wie der Coach feststellte.

Damit hat Jagatic etwas gemein mit seinem Gegenüber. Auch BFC-Coach Thomas Stratos dürfte nicht vollends zufrieden sein, auch wenn er vor dem Pokal-Duell anmerkt, dass es seit seiner Amtsübernahme im November vergangenen Jahres „sehr gut gelaufen“ sei und sein Team sich „fußballerisch weiterentwickelt“ habe. Fakt bleibt jedoch: Sowohl der BFC als auch Tasmania haben ihre Aufstiegshoffnungen längst begraben müssen. Insofern wird das Pokalfinale schon ein wenig zu einem Duell der Enttäuschten.

Der BFC gewann den Pokal schon dreimal

Dass der BFC als Regionalliga-Neuling nicht zu den Top-Favoriten um den Aufstieg in die Dritte Liga zählen würde, liegt in der Natur der Sache. Dennoch lag man nach einem Saisondrittel in Schlagdistanz zum Aufstiegsplatz. Und auch die vergangenen elf Liga-Spiele ohne Niederlage belegen, dass der DDR-Rekordmeister durchaus mithalten kann.

Der Herbst mit sechs Partien ohne Sieg hat jedoch frühzeitig alle Träume zunichte gemacht. Der Pokalsieg kann nun eine Saison, in der ohne Zweifel mehr möglich gewesen ist, zu einem versöhnlichen Abschluss bringen.

„Da wir höherklassig spielen, sind wir automatisch Favorit. Wir werden aber nicht überheblich in die Partie gehen“, sagte Stratos. Für den BFC wäre es der vierte Erfolg nach 1999, 2011 und 2013.

Tasmania steht wie bereits 2014 im Finale

Bei Tasmania kann man von solchen Erfolgen bislang nur träumen. Immerhin steht der Sechstligist aus der Berlin-Liga, dessen Vorgängerverein Tasmania 1900 immer noch Schlusslicht in der ewigen Bundesligatabelle ist, wie schon 2014 im Finale. Vor Jahresfrist verlor Tasmania 1:2 gegen den FC Viktoria 1889. „Damals hatten die Jungs über eine Stunde lang zu viel Respekt“, erinnert sich Klubchef Wilde. Und hofft, dass die Spieler daraus gelernt haben.

Tas-Kapitän Zvonimir Penava ließ jedenfalls wissen: „Wir wollen das Ding nicht wieder einfach so hergeben.“ Sein Coach weiß jedoch um die Schwere der Aufgabe. „Der BFC ist sehr geordnet und technisch super. Da spürt man eine gewisse Professionalität“, sagte Jagatic.

Dass er überhaupt die Chance hat, um den Berliner Pokal und den Sprung in die erste DFB-Pokalrunde (inklusive 140.000 Euro Prämie) zu spielen, war vor wenigen Wochen noch nicht vorherzusehen. Erst das Zerwürfnis zwischen Trainer Abu Njie und Wilde – ein Grund soll Mobbing gegen eine Mitarbeiterin des Vereins gewesen sein – bescherte Jagatic Anfang März einen Vertrag, jedoch nur bis Saisonende. „Wir konnten ja nicht die Katze im Sack kaufen“, erklärte Wilde.

Mario Reichel wird neuer Trainer

Doch der Trainer überzeugte mit seiner Arbeit, auch wenn der Traum von der Meisterschaft seit dem 0:2 gegen Tennis Borussia Anfang Mai ausgeträumt ist. Zu diesem Zeitpunkt war bereits klar, dass Jagatic nach Altlüdersdorf wechseln würde, das ihn bereits im Januar kontaktiert hatte. Die Enttäuschung über das doppelte Trainer-Aus konnten die Neuköllner inzwischen mildern.

Denn mit Mario Reichel kehrt aus Fürstenwalde ein Tasmane früherer Jahre zurück. Reichel trainierte von 2003 bis 2006 Tasmanias A-Junioren in der Bundesliga. Das schafft Identifikation im Umfeld, zumal Reichel einige Spieler aus der damaligen Zeit mitbringen wird, wie Wilde sagte.

Der Pokalsieg wäre das ideale Einstandsgeschenk für den neuen Coach.