Wasserball

Emporkömmlinge aus Hannover fordern Rekordmeister Spandau

An diesem Sonnabend wollen Erik Bukowski und vier weitere ehemalige Spandauer Wasserfreunde die Hierarchie im Wasserball ins Wanken bringen. Waspo Hannover kommt als Tabellenführer nach Berlin.

Foto: imago sportfotodienst / Eibner

Was sich geändert hat seit seinem Umzug? Erik Bukowski fällt eine ganze Menge ein. „Ich bin Berliner durch und durch“, sagt der Wasserball-Nationalspieler, „deshalb fehlt mir jetzt generell das Großstadtleben. Die Anlaufpunkte für Kultur, für Sport. Die Cafés.“ Es gibt andererseits eine praktische Seite: „Hier sind alle Wege kürzer.“ Seit seinem Wechsel von den Wasserfreunden Spandau zu Waspo Hannover ist er auch nicht mehr Spielmacher, sondern auf die linke Seite beordert worden – und wurde vergangene Saison prompt Bundesliga-Torschützenkönig. „Das hätte vorher nie jemand gedacht!“, sagt er lachend. Vor allem aber genießt der 28-Jährige die neue Rolle: „Es macht sehr viel Spaß, vom Gejagten zum Jäger zu werden.“

Neue Verhältnisse

So ganz stimmt das nicht. Bukowski kommt als Tabellenführer in seine Heimat, wo er an diesem Sonnabend (16 Uhr, Schwimmhalle Schöneberg) zu Gast beim Tabellendritten Spandau ist. Natürlich hat er trotzdem recht. Die Wasserfreunde sind der deutsche Wasserball-Klub schlechthin, Rekordmeister, Stammgast in der Champions League und außerdem Titelverteidiger. Aber die Verhältnisse haben sich etwas verschoben. Die Berliner, der ASC Duisburg und Waspo streiten um Rang eins, die Niedersachsen sind dabei die aufstrebende Macht. Nicht zuletzt, weil mit Bukowski, Andreas Schlotterbeck, Roger Kong, David Kleine und Marko Bolovic fünf Berliner in Hannover gelandet sind.

„Die Entwicklung der Mannschaft wird in den nächsten Jahren noch voranschreiten“, ist Bukowski überzeugt. Irgendwann möchte Hannover auch in der Champions League spielen, „das ist Waspo-Anspruch“. Das ist vor allem Karsten Seehafers Anspruch. Er ist seit 2003 Trainer des Teams und zugleich der Hauptförderer des Vereins. In seinem wachsenden Metall-Unternehmen, einer Lohnhärterei, sind inzwischen rund 500 Mitarbeiter beschäftigt. Auch einige Wasserballer. Auch Erik Bukowski.

Parallel Nationalspieler und Manager in einem Unternehmen

Er unterschrieb 2013 einen Drei-Jahres-Vertrag, als Seehafer ihm anbot, als Wirtschaftsingenieur bei ihm einzusteigen. Sein ganzes Wasserball-Leben war er Spandauer gewesen, schon sein Vater Piotr war eine Klub-Legende. Aber mit einer Veränderung hatte er sowieso geliebäugelt. Inzwischen hat Bukowski das Energie- und Umweltmanagement des Unternehmens übernommen. „Unser Sport braucht so Wahnsinnige wie Karsten Seehafer oder Hagen Stamm in Berlin (Wasserfreunde-Präsident und -Sponsor, d.Red.)“, sagt er. Für ihn passt alles.

Übel genommen habe man ihm seinen Wechsel in Spandau nicht, er habe an seine Zukunft denken müssen. „Und Bedingungen wie hier in Hannover, Beruf und Sport zu kombinieren, hatte ich in Berlin nicht.“ Nun fehlt ihm nur noch eins zum Glück: „Ich will Meister und Pokalsieger werden.“ So wie früher, als Wasserfreund. Alles hat sich eben nicht geändert seit seinem Umzug.