Interview

„Unser Ziel muss es sein, die Champions League zu gewinnen“

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Dietmar Wenck

Trainer Petar Kovacevic über die Probleme der Wasserballer und Spandaus verlorene Dominanz

Im August trat Petar Kovacevic, 38, seinen Job als Trainer der Wasserfreunde Spandau an. Der gebürtige Montenegriner arbeitete zuvor in seiner Heimat, sechs Jahre in Frankreich und zuletzt bei Galatasaray Istanbul. Vor dem Pokal-Viertelfinale am Sonntag (15 Uhr, Schwimmhalle Schöneberg) gegen Erzrivale ASC Duisburg überrascht der Trainer mit seiner Zielsetzung: Er möchte mit Spandau an glorreiche Champions-League-Zeiten anknüpfen.

Berliner Morgenpost:

Herr Kovacevic, wie waren Ihre ersten Monate in Berlin?

Petar Kovacevic:

Die Zeit ist schnell vergangen, das zeigt, es läuft gut. Meine Kinder sind in der Schule, alles funktioniert. Es ist leicht, sich in Berlin wohl zu fühlen. Ich mag die vielen Parks, die Natur. Die Menschen sind sehr hilfsbereit. Außerdem leben hier rund 30.000 Menschen aus dem ehemaligen Jugoslawien, da hatte ich schnell Kontakt.

Auch zu Alba-Trainer Sasa Obradovic?

(lacht) Ja, wir haben uns schon ein paar Mal getroffen, zuletzt am Mittwoch beim Weihnachtsfest der Orthodoxen. Wir haben gemeinsame Freunde.

Sie haben sich also schnell eingelebt. Dann wissen Sie jetzt auch, wie wichtig der ASC Duisburg für die Wasserfreunde ist – spätestens seit der Niederlage in der Bundesliga ...

Ich kannte Duisburg, wir haben im Europapokal mit Marseille gegen sie gespielt. Aber ich weiß: Der ASC ist ein besonderer Gegner. Auch Waspo Hannover. Es gibt einen Dreikampf um den Titel.

Die Spandauer Dominanz im deutschen Wasserball ist nicht mehr so groß wie früher. Woran liegt das?

Manche der routinierten Spieler haben aufgehört, andere sind gewechselt. Ein Grund ist, dass Hannover Geld für ausländische Spieler ausgibt und auch ehemalige Berliner verpflichtet. Duisburg ist ja schon länger ein Herausforderer. Die größere Konkurrenz tut dem Wasserball in Deutschland gut. Wir wollen natürlich die Angriffe abwehren und uns steigern. Das müssen wir, denn wir haben Zwei-Tore-Führungen gegen diese beiden Konkurrenten und auch in der Champions League gegen Jug Dubrovnik vergeben und zwei dieser Spiele verloren. Das ist mehr ein psychisches als ein physisches Problem.

Ihr Präsident Hagen Stamm spricht gern vom Erreichen des Finalturniers in der Champions League. Ist das machbar?

Es ist richtig, sich so hohe Ziele zu setzen. Sicher sind wir im Moment noch nicht bereit dafür, aber Spandaus Ziel muss es sogar sein, die Champions League zu gewinnen. Warum nimmt man sonst teil? Ich bin glücklich, dass der Klub so denkt. Es wird natürlich Arbeit kosten und viele Jahre brauchen, das auch zu erreichen.

Es klingt trotzdem unrealistisch.

Ich nenne Ihnen ein Beispiel. Der FC Barcelona hat es zwanzig Jahre nicht geschafft, das Final Four oder Final Six zu erreichen. Aber sie sind bei ihrem Ziel geblieben. Sie haben die Mehrheit der spanischen Nationalspieler an sich gebunden, junge Spieler. Sie haben viel in diese Generation investiert. 2013 schließlich kamen sie ins Final Four, 2014 haben sie die Champions League gewonnen. Das kann ein Beispiel für Spandau sein. Es hört sich in diesem Moment vielleicht lustig an. Aber so müssen wir die Sache angehen.

Was fehlt in diesem Moment?

Klubs und Nationalteam müssen besser zusammenarbeiten. Es fehlt an einer guten Ausbildung der jungen Spieler. Deutsche Junioren haben sich ewig nicht für eine WM qualifizieren können, da läuft etwas falsch. Die Arbeit muss in den Klubs beginnen. Überall muss mehr in die Jugend investiert werden. Und sie brauchen Vorbilder, müssen sehen, dass man mit Wasserball etwas erreichen kann. Ohne Motivation ist es schwer, sich zu quälen. Dazu kommt: Einen Fußball kann man einem Kind geben, es läuft los und schießt aufs Tor. Bevor ein Kind Wasserball spielen kann, muss es erst einmal schwimmen können, sich in aufrechter Lage im Wasser halten. Es dauert Jahre, um ein Spiel spielen zu können.

Dazu kommen Probleme mit der Nationalmannschaft. Die hat gerade ihren Bundestrainer abgesägt...

Es ist ein sehr schlechter Zeitpunkt für solch ein Problem. Trainerteam, Spieler und Management müssen gemeinsam den Job machen. Jeder hat dabei Rechte und Pflichten. Versagt ein Teil, gibt es keinen Erfolg. Rio de Janeiro ist in eineinhalb Jahren. Für den deutschen Wasserball wäre es sehr schlecht, sich zum zweiten Mal in Folge nicht für Olympische Spiele zu qualifizieren. Ich fürchte, wir können nicht sehr optimistisch sein.