DFB-Pokal

Der FC Viktoria 1889 Berlin träumt von der Pokalsensation

Viktoria 1889 empfängt am Sonnabend im Jahn-Sportpark den Bundesligisten Eintracht Frankfurt. Der Berliner Viertligist träumt dabei von einer Sensation - wie vor zwei Jahren der Berliner AK.

Foto: Oliver Mehlis / pa / dpa

Der Chef holt den „Kicker“ raus. Christoph Schulte-Kaubrügger hat die Fußball-Fibel extra mitgebracht. Für die Spieler, sagt er. Damit die mal sehen, dass „wir jetzt da drin stehen“. Kommt ja nicht oft vor beim FC Viktoria 1889. Für Viertliga-Fußball interessieren sich die Leute halt kaum. Und selbst dort mischen die Berliner ja erst seit einer Saison wieder mit. Davor war es lange sehr ruhig um den Klub. Mit dem DFB-Pokal ändert sich das jetzt. „Wir sind nach 61 Jahren wieder mal in diesem Wettbewerb vertreten“, sagt der Präsident. Am Sonnabend empfängt Viktoria den Bundesligisten Eintracht Frankfurt (20.30 Uhr, Jahn-Sportpark).

Für Schulte-Kaubrügger hätte es kaum besser kommen können. „Wenn, dann richtig“, sagt er, hätten sie sich damals bei der Auslosung gedacht. Bayern, Dortmund, Schalke – das ganz große Los wollten sie nach so vielen Jahren so weit weg vom großen Fußball. Mit Frankfurt fühlt er sich großartig bedient. „Ich bin von Geburt an Eintracht-Fan“, erzählt der 51-Jährige. Wegen Hölzenbein, wegen Grabowski. Jetzt fühlt er Europapokal-Luft mit der Eintracht durch seinen Klub wehen.

Selbst bei DFB-TV läuft gerade ein Clip mit einem Vereinsporträt. „Wir versprechen uns einiges vom Pokal“, sagt Schulte-Kaubrügger bezüglich der Wahrnehmung des Klubs. Der war sogar schon zweimal Deutscher Meister und damit erfolgreicher als der Gegner, doch die Titel liegen über 100 Jahre zurück. Vergangene Saison schaffte Viktoria in der Regionalliga Nordost als Aufsteiger Rang acht. Respektabel nach sechs Jahren zielgerichteter Arbeit, zweimal ist man eine Liga höher geklettert.

Mit dem Pokal folgt der nächste Schritt. „Für die Entwicklung des Vereins ist das toll. Dort wollte der Verein immer hin, im Kicker stehen, im Fernsehen spielen“, sagt Kapitän Ümit Ergirdi. Ihn selbst und viele Kollegen regt das weit weniger auf als den Klub als Ganzes. Ergirdi spielte schon dreimal mit Babelsberg im DFB-Pokal, fast die gesamte Startelf verfügt über Dritt- und sogar Zweitliga-Erfahrung. Das wirkt sich auch auf die Herangehensweise an das Spiel gegen Frankfurt aus. Natürlich bleibt Viktoria der große Außenseiter, aber einer, dem nicht vor Respekt die Knie zittern. „Wir sind eine gestandene Mannschaft und gehen nicht in das Spiel und denken, dass wir gar keine Chance haben“, sagt der Kapitän.

Die Amateure sind eingespielt, der Favorit ist es nicht

Und überhaupt. „Vor zwei Jahren hat es eine Berliner Mannschaft vorgemacht, jetzt können wir vielleicht für Furore sorgen“, sagt Ergirdi. Der Berliner AK, auch Viertligist, schmiss den Bundesligisten 1899 Hoffenheim mit 4:0 aus der ersten Runde. Frankfurt kommt jetzt mit vielen neuen Spielern und neuem Trainer, dem langjährigen Bremer Coach Thomas Schaaf. „Vielleicht hauen die Automatismen noch nicht hin, weil sie noch nicht eingespielt sind“, so der Kapitän. Außerdem kommt Frankfurt anders als Viktoria, das schon zwei Punktspiele bestritten hat, aus der Vorbereitung.

Im Gegensatz zu Hoffenheim bringt Eintracht viele Fans mit, der Jahnsportpark soll mit über 10.000 Besuchern gefüllt sein. Die Atmosphäre entschädigt dann dafür, dass es kein echtes Heimspiel ist. Daheim ist Viktoria in Lichterfelde, der Präsident ist auch „nicht glücklich mit dem Stadion“. Doch aufgrund der DFB-Auflagen führte kein Weg daran vorbei. Der Trainer sieht es pragmatisch. „Wir haben unseren Pokalerfolg im Jahnsportpark gefeiert und können den Platz von daher mit einem guten Gewissen wieder betreten“, sagt Thomas Herbst in Erinnerung an das 2:1 im Landespokalfinale gegen Tasmania. Er kann seinen Spielern einiges mit auf den Weg geben, Herbst spielte selbst mal in der Bundesliga, sogar für die Bayern. Wie sollte ein Viertligist also besser vorbereitet sein? Vielleicht kann der Präsident bald den nächsten „Kicker“ herzeigen.