DFB-Pokal

Hertha und die ewige Sehnsucht nach dem DFB-Pokalfinale

Seit 1985, seit dem das DFB-Pokalfinale im Olympiastadion stattfindet, haben die Profis von Hertha das Endspiel nicht mehr erreicht. In der ersten Runde wartet Viertligist Viktoria Köln.

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Am liebsten würden die Verantwortlichen bei Hertha vor dem Start der ersten Runde im DFB-Pokal gar nichts sagen. Angesichts der langen Reihe an Misserfolgen im nationalen Cup-Wettbewerb wäre jede selbstbewusste Aussage nach erneutem Scheitern Ziel von Spott und Häme. Deshalb haben sich Trainer Jos Luhukay und Manager Michael Preetz vor der Partie bei Viertligist Viktoria Köln (Sonnabend, 15.30 Uhr) für Demut entschieden. Dabei tragen auch sie die Sehnsucht aller Hertha-Anhänger nach einer erfolgreichen Pokalsaison in sich.

„Wir wissen, dass wir am Sonnabend Vollgas geben müssen“, sagte Luhukay vor der Partie in Köln. „Wir hatten vor zwei Jahren das Desaster und uns auch in der letzten Saison schwer getan. Aber wir sind verpflichtet weiterzukommen.“ Jos Luhukay hat in zwei Jahren bei Hertha insgesamt 71 Pflichtspiele als Trainer absolviert. Davon fanden nur drei Partien im Pokal statt. Und doch haben diese jeweils ein größeres Echo hervorgerufen als fast jede Partie in der Liga.

Luhukay und das Aus in Lautern

Die erste Erfahrung war gleich das Ausscheiden in Runde eins bei Regionalligist Wormatia Worms (1:2). In der vergangenen Spielzeit benötigten die Berliner im ersten Spiel beim VfR Neumünster die Verlängerung (3:2) und schieden dann bei Zweitligist 1. FC Kaiserslautern aus (1:3). Nach dem Scheitern bei den Pfälzern wehte Luhukay ein eisiger Wind entgegen. Ihm wurde vorgehalten, mit einer vermeintlichen B-Elf das Pokal-Aus billigend in Kauf genommen zu haben.

Spätestens seitdem hat der Trainer verstanden, dass ein Pokalspiel bei Hertha nicht nur einfach ein nächstes Pflichtspiel ist. Der Wettbewerb ist für die Blau-Weißen eine Herzensangelegenheit. Seit das Pokalfinale 1985 fest nach Berlin vergeben wurde, haben es die Hertha-Profis nicht einmal geschafft, sich für das Endspiel zu qualifizieren. Lediglich zwei Berliner Amateurmannschaften ist das gelungen, dem 1. FC Union 2001 und der Ausbildungsmannschaft von Hertha 1993.

Alljährlicher Höhepunkt in Herthas Wohnzimmer

Jedes Jahr im Mai findet das Endspiel im Olympiastadion statt, der Heimstätte von Hertha. Ein merkwürdiges Gefühl für die Fans und Verantwortlichen der Blau-Weißen, ständig andere im eigenen „Wohnzimmer“ den Fußball-Höhepunkt des Jahres feiern zu lassen – und stets nur Zuschauer zu sein. Seit der Einführung des Pokals 1935 haben die Herthaner ihn nicht einmal gewonnen. Lediglich 1977 und 1979 erreichten sie das Finale. Auch das erzählt etwas über die Sehnsucht.

Überhaupt liegt der letzte große Erfolg schon etwas zurück. 1931 ging mit dem Gewinn der zweiten Deutschen Meisterschaft Herthas goldene Zeit zu Ende. Seitdem sind 83 titellose Jahre vergangen. Angesichts der weit enteilten Konkurrenz in der Bundesligaspitze ist zeitnah weder mit der Meisterschaft noch mit einer Teilnahme am Europapokal ernsthaft zu rechnen.

Preetz: Wir sind die Letzten, die gelassen sind

Hertha will sich etablieren, und die Fans gehen diesen Weg mit. Und doch gibt es die Möglichkeit, einer Saison etwas Glanz zu verleihen, selbst wenn die Liga auf einem Rang jenseits von Gut und Böse beendet wird. Der DFB-Pokal bietet Klubs wie Hertha mit etwas Losglück und wenigen Siegen die Chance, aus einer normalen Spielzeit eine besondere Saison zu machen. Mit Flutlichtspielen vor ausverkauftem Haus, die im frei empfangbaren Fernsehen live übertragen werden. Mit Pokalhelden, die spannenden Partien die entscheidende Wendung gegeben haben.

Um so weit zu kommen, muss in der ersten Runde ein Amateurklub überwunden werden. Woanders ist das eine Pflichtaufgabe. Für Hertha allerdings ist das in Anbetracht der Vorgeschichte eine ernste Angelegenheit. Manager Michael Preetz sagt vorsichtig: „Mit Blick auf unsere Historie sind wir die Letzten, die gelassen in eine solche Partie gehen.“

Hegeler warnt vor Viktoria Köln

Viktoria Köln, nach dem FC und Fortuna die dritte Kraft in der Rheinmetropole, hat tatsächlich das Potenzial für einen ernsthaften Stolperstein. „Das ist die mit Abstand am besten besetzte Mannschaft in der Regionalliga West“, sagte Zugang Jens Hegeler, dessen Eltern nur zehn Minuten von der Sportanlage Höhenberg, dem Stadion von Viktoria, entfernt wohnen. „Aber wir sind der Bundesligist. Unser Anspruch ist es weiterzukommen.“

Das von Claus-Dieter Wollitz trainierte Team mit zahlreichen Ex-Profis ist mit zwei Siegen gut in die Saison gestartet. „Die Qualität von Viktorias Mannschaft ist definitiv höher als die der Regionalliga“, ist sich Jos Luhukay sicher.

Wer mit Jens Hegeler über die Pokalhistorie von Hertha spricht, wird ihn nicht in ein stundenlanges Gespräch verwickeln. Dafür ist der Mittelfeldspieler noch zu neu in Berlin, weiß aber: „Ich habe gehört, dass sie nicht besonders erfolgreich war.“ Am Sonnabend hat er die Chance, das mit der Mannschaft zu ändern.