Berliner Pokalfinale

David gegen Goliath – Tasmania bläst zum Angriff auf Viktoria

Die Rollen im Berliner Pokalfinale sind klar verteilt. Regionalligist Viktoria 89 ist der Favorit, Berlin-Ligist SV Tasmania der Außenseiter. Doch die Neuköllner sehen sich bei weitem nicht chancenlos.

Foto: Soeren Stache / pa/dpa

Die Kontrahenten sind sich einig. „Wir sind der Außenseiter, und in dieser Rolle fühlen wir uns auch wohl“, sagte Abdou-Rahman Njie, Trainer des Berlin-Ligisten SV Tasmania, mit Blick auf das Berliner Pokalfinale am Mittwoch im Jahn-Sportpark (19 Uhr). Thomas Herbst, Coach des zwei Klassen höher in der Regionalliga spielenden Gegners FC Viktoria 89, meinte: „Wir sind der Favorit, damit können wir gut leben.“

So weit, so gut. Dass Tasmania die Rolle nur auf dem Papier verstanden wissen will, dürfte auch klar sein. Keinesfalls wolle man sich vor den erwarteten 2000 Zuschauern verstecken. „Wir haben eine unheimliche Wucht nach vorne“, sagte Njie über sein Team, das seit Jahresbeginn auf einer Erfolgswelle schwimmt. Die Neuköllner sind noch ohne Niederlage in diesem Jahr und können deshalb sogar vom Aufstieg in die Oberliga träumen. Seit Wochen trennt sie nur ein Zähler von Spitzenreiter Hertha 03 Zehlendorf. Und noch sind zwei Spiele zu absolvieren. Die Chance, nach einem Pokalsieg auch noch Meister zu werden, ist riesengroß.

Weil die Tasmanen noch im Spielrhythmus sind, glauben sie einen „Riesenvorteil“, so Njie, auf ihrer Seite zu haben. Der Trainer versprach: „Wir werden mit viel Freude, viel Herz und viel Leidenschaft spielen.“ Um darüber hinaus auch Erfolg zu haben, wurde der Gegner in den vergangenen Wochen vor Ort und per Video ausgiebig studiert. „Das Trainerteam hat sich gut vorbereitet, also werden wir es auch sein“, sagte Tasmania-Kapitän Zvonimir Penava.

Viktoria vor krönendem Saisonabschluss

Auch für Viktoria hat das Pokalendspiel „einen großen Stellenwert“, wie Trainer Herbst verdeutlichte: „Nach der Fusion mit Lichterfelde und unserem Aufstieg könnte der Pokalsieg der krönende Abschluss des Jahres werden.“ Tatsächlich spielte der Klub aus Lichterfelde eine Saison, in der man sich schnell aller Abstiegssorgen entledigte. Viktoria schloss das Spieljahr am vorvergangenen Wochenende auf Platz acht ab.

Seitdem steht nur noch der Pokal im Blickpunkt. „Wir hatten das Glück, uns schon früh auf das Finale fokussieren zu können“, erklärte Ümit Ergirdi, Viktorias Spielführer: „Dass die Aufregung vielleicht ein wenig größer ist als vor einem Ligaspiel, ist klar. Schließlich steht man als Spieler nicht oft in einem Pokalfinale.“ Ergirdi selbst weiß, wie sich ein Cup-Erfolg anfühlt, zählte er doch 2008 zu jener Mannschaft, die Tennis Borussia den bislang letzten Pokalsieg beschert hat. Auch Trainer Herbst ist sich sicher, dass „uns die zehn Tage Pause seit Saisonende gut getan haben“.

Der Ansporn, den Cup zu gewinnen, dürfte sich jedenfalls durch die Auslosung der ersten DFB-Pokalrunde am Sonntag vergrößert haben. Denn den Sieger erwarten nicht nur 100.000 Euro Antrittsprämie, sondern mit Eintracht Frankfurt zudem ein Bundesligist als attraktiver Gegner. Doch von der Chance, Mitte August möglicherweise auch national für Furore sorgen zu können, wollen die Akteure noch nichts wissen. „Wir sollten uns nicht mit einem Spiel beschäftigen, dass es noch gar nicht gibt“, sagte Herbst. Tasmanias Njie wollte sich da nur „den Worten meines Vorredners anschließen.“ Man ist sich einig.