Thomas Herbst

Über die Bayern und Mönchengladbach zum FC Viktoria 89

Thomas Herbst erlebte als Spieler sehr viel, blieb als Trainer aber stets der Hauptstadt treu. Am Mittwoch will er mit seinem Viertligateam den Berliner Pokal gegen Tasmania gewinnen.

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Gelassenheit. Wenn einem etwas als erstes auffällt an Thomas Herbst, dann ist es seine unglaubliche Gelassenheit. Vielleicht liegt es daran, dass er schon so einiges erlebt hat als Trainer im Berliner Fußball. Hertha 03 Zehlendorf, Türkiyemspor, BAK 07, Tennis Borussia – das sind Stationen, die sich in der Hauptstadt schon sehen lassen können. Seit vier Jahren hat der 51-Jährige beim FC Viktoria 89 das sportliche Sagen. Bei jenem Regionalligisten, mit dem er am Mittwoch (19 Uhr, Jahn-Sportpark) gegen den Berlin-Ligisten SV Tasmania im Berliner Pokalfinale den Titel holen möchte.

Erlebt hat Herbst aber noch viel mehr. Und nicht in Berlin. Sondern beim FC Bayern, oder bei Borussia Mönchengladbach, für die er insgesamt 84 Spiele absolvierte und vier Tore schoss, damals, in den 1980ern. Im DFB-Pokalfinale stand er 1982 mit den Bayern (4:2 gegen Nürnberg), ja sogar das Endspiel um den Europapokal der Landesmeister hat er mit den Münchnern im selben Jahr bestritten (0:1 gegen Aston Villa). Jener Blondschopf, der aus der Zehlendorfer Talentschmiede in die Fußball-Welt zog, als Junioren-Welt- und Europameister von 1981.

Jener Thomas Herbst steht nun da und sagt in seiner so typischen Gelassenheit: „Ich freue mich, hier in Berlin einen Verein gefunden zu haben, der ruhig und strukturiert gut arbeitet.“ Wo andere hochtrabende Pläne schmieden, hält er seiner Heimatstadt die Treue. Ganz nach dem Motto, das einst US-Präsident John F. Kennedy so berühmt gemacht hat: Ich bin ein Berliner.

Dritte Kraft soll der Klub werden

Gab es keine Anfragen von alten Weggefährten, die ihn als Trainer zu ihren Klubs locken wollten? Keine Pläne von Erst- oder Zweitligisten, dem Ex-Stürmer die sportliche Leitung zu übertragen? „Angebote gab es in der Richtung schon“, erzählt Herbst: „Aber da ich als Spieler sehr viel erleben durfte, reizt es mich nicht mehr so, mich da oben präsentieren zu wollen oder zu dürfen. Ich habe ja in fast allen Stadien und vor ausverkauften Häusern gespielt mit Gladbach und Bayern. Ich habe diesen Abschnitt sehr gut gelebt und damit abgeschlossen.“

Der Amateurverein freut sich, jemanden mit solch einer Erfahrung in seinen Reihen zu wissen. Thomas Herbst und Viktoria – das passt nun schon seit 2010. Damals hieß der Klub noch BFC Viktoria 89 und war in Tempelhof zu Hause. Berliner Meister und Oberliga-Aufstieg 2011, Oberliga-Meister und Regionalliga-Aufstieg 2013, dazu die Fusion mit Oberliga-Absteiger Lichterfelder FC im gleichen Jahr, die dem neuen FC Viktoria 89 mit dem Stadion Lichterfelde auch die Viertliga-taugliche Spielstätte lieferte – das darf man schon als Erfolgsgeschichte bezeichnen. Das Ziel ist klar: Viktoria will die dritte Berliner Kraft hinter Bundesligist Hertha BSC und Zweitligist 1. FC Union werden.

„Unsere Philosophie ist es, dass man die Berliner Fußballer einsammelt, die zum Beispiel außerhalb gescheitert sind und zurückkommen oder auch hier studieren. Weniger die, die sich woanders etabliert haben und meinen: Jetzt werde ich in Berlin mal mein Geld verdienen und nebenbei noch ein bisschen Spaß haben“, erklärt Herbst. Taktische Disziplin ist ihm sehr wichtig, „man hat ja als Spieler in der Bundesliga gelernt, dass man seine Position einhalten muss“, so Herbst. Statt sich episch mit den Stärken und Schwächen des Gegners zu beschäftigen, bringt er die Dinge im Training lieber kurz und bündig auf den Punkt. Der Erfolg der vergangenen Jahre gibt ihm Recht.

Bundesligist Eintracht Frankfurt ist der Gegner des Siegers

Ein Pokalsieg gegen Tasmania, verbunden mit dem Sprung in die erste DFB-Pokalrunde und Bundesligist Eintracht Frankfurt als Gegner, dürfte die Entwicklung beflügeln. Denn im Grunde seines Herzens schlummert in Herbst doch noch der kleine Wunsch, es vielleicht doch einmal weiter als bis Liga vier zu schaffen.

„Wenn es als Trainer mit Viktoria nach oben gehen sollte, würde ich mich natürlich freuen. Aber es ist nicht so, dass ich meine Heimatstadt und meine Familie verlasse, um nach Erfurt oder Jena zu gehen. Die Ausbildung der Spieler, die Freude daran, etwas zu bewegen, das ist für mich wichtiger als das Haifischbecken Profifußball, wo doch ein enormer Druck herrscht. Hier ist es so, dass man sich freut, wenn der Berliner Fußball Fortschritte macht. Dafür bin ich dann doch zu sehr Berliner“, sagt Thomas Herbst. Ganz gelassen.