Fußball-WM in Brasilien

Die Alte Försterei wird Berlins größtes WM-Wohnzimmer

Beim Public Viewing im Stadion des 1. FC Union können Fans die Spiele der WM auf dem eigenen Sofa verfolgen. Anders als auf der Fanmeile am Brandenburger Tor soll dabei der Fußball im Vordergrund stehen.

Foto: 1. FC Union / Promo

Es gibt wohl kaum etwas Schöneres, als während der Fußball-WM die Spiele mit Familie und Freunden zu verfolgen. Im Wohnzimmer, auf dem heimischen Sofa. Draußen wird gegrillt, ein kühles Getränk steht bereit, man kennt das. Der einzige Haken an der Sache: Man muss sein Sofa mitbringen, um in Berlins größtem WM-Wohnzimmer mitfiebern zu können.

Das Stadion an der Alten Försterei, Spielstätte des Fußball-Zweitligisten 1. FC Union, wird während der WM in Brasilien (12. Juni bis 13. Juli) zweckentfremdet. Wobei das nur zum Teil stimmt. „Die Fans sagen doch immer, dass es ihr Wohnzimmer ist“, sagte Gerald Ponesky, der das Public Viewing organisiert. Warum also nicht auch die WM dort gemeinsam genießen?

Das Vorhaben klingt irrwitzig. Und genau deshalb kommt es auch bei den Fans des Köpenicker Klubs, die so gern als positiv verrückt bezeichnet werden, so gut an. Bereits über 700 Anmeldungen sind bei den Veranstaltern eingegangen, einige sogar aus England. „Wer noch dabei sein will, der muss sich beeilen“, sagte Ponesky. Die Aktion auf dem Rasen des Stadions ist für 750 Sofas ausgelegt. Wer keinen Platz mehr bekommt, kann das „normale“ Public Viewing nutzen, auf der Tribüne. Bis zu 10.000 Besucher werden auf den Rängen Platz finden, dazu kommen rund 2000 Fans, die es sich auf ihren Sofas bequem machen.

Zutritt nur mit einem gültigen Wohnberechtigungsschein

Um dabei sein zu können, muss im Internet auf www.wm-wohnzimmer.berlin ein Antrag auf einen Wohnberechtigungsschein ausgefüllt werden. Die zugewiesene Parzelle gilt dann für die gesamte WM. Das Sofa darf nicht größer als drei mal einen Meter sein, auch darf es nicht ums Eck gehen. Die Anlieferung des Möbelstücks muss jedoch privat erfolgen. Wobei auch schon Umzugsunternehmen ihre Mithilfe signalisiert haben.

„Mit Union ist eine Marke entstanden, bei der die Leute Lust haben, dabei zu sein“, sagte Ponesky. Und er muss es wissen. Schließlich war er mit seinem Team von 2006 bis 2012 für die Organisation der Fanmeile am Brandenburger Tor verantwortlich. „Das hier ist jedoch etwas völlig anderes“, sieht er keine Konkurrenz zur Veranstaltung auf der Straße des 17. Juni: „Dort geht es mehr um die Party, außerdem muss man stehen.“

In der Alten Försterei soll der Fußball im Vordergrund stehen. An jedem der 25 Spieltage soll ein Spiel auf dem 700 Zoll großen Bildschirm (ca. 130 Quadratmeter), der schon bei den Winterspielen in Sotschi zum Einsatz kam, gezeigt werden. Ob auch die Spiele nachts gezeigt werden, ist offen. Man ist mit den Behörden noch in Verhandlungen.

Union-Profis müssen zum Trainingsauftakt ausweichen

Sicherheitsbedenken gibt es keine. Es gilt die Stadionordnung, Pyrotechnik oder ähnliches ist somit verboten. Sollte es regnen, werden die Sofas mit Planen abgedeckt. Auch an Fluchtwege auf dem Rasen, der im übrigen nicht abgedeckt wird, ist gedacht. Ansonsten ist der Sicherheitsdienst aktiv, der ohnehin schon für den Schutz des Stadions während der Saison zuständig ist. „Wir können auf ein bestehendes Sicherheitskonzept aufsetzen“, sagte Ponesky.

Finanziert wird die geschätzt 400.000 Euro teure Veranstaltung ausschließlich von Sponsoren. Eintritt wird von den Sofa-Eignern nicht verlangt. Von ihnen erhofft sich Union über das Catering Einnahmen. So wie bei jedem normalen Fußballspiel in der Alten Försterei auch.

Dass die Umgestaltung des Stadions zum WM-Wohnzimmer auch Auswirkungen auf die Arbeit der Profiabteilung hat, dürfte klar sein. So wird der Trainingsauftakt dieses Jahr nicht wie üblich im Stadion stattfinden. Ein Ausweichort für die erste Trainingseinheit unter dem neuen Trainer Norbert Düwel am 25. Juni steht noch nicht fest. Und dass es nach der WM einen neuen Rollrasen geben wird, versteht sich auch von selbst.