Die Musik, die den Anrufer auf Marko Stamms Handy empfängt, passt perfekt zu seiner Gefühlslage. „Happy“ erklingt da als Begrüßungsmelodie, ehe sich der Wasserball-Nationalspieler persönlich meldet. Seine Stimme hört sich so positiv an wie das fröhliche Liedchen, mit dem Pharrell Williams die Charts stürmte. „Für mich läuft’s sehr gut im Moment“, sagt der 25-Jährige, „ich bin so fit wie noch nie und zufrieden mit mir und der Mannschaft.“
Die Mannschaft, das sind die Wasserfreunde Spandau, die von diesem Mittwoch an gegen Titelverteidiger ASC Duisburg in der Finalserie nach dem Modus „Best of five“ um die deutsche Wasserball-Meisterschaft kämpfen. Zunächst treten sie an der Wedau an, am Sonnabend und Sonntag (jeweils 16 Uhr) in der Schwimmhalle Schöneberg.
Am vergangenen Wochenende haben die Berliner sich schon den Titel des Pokalsiegers von den Westdeutschen zurückgeholt, „jetzt hoffe ich auch auf die Meisterschaft. Wir sind auf einem guten Weg“. Das liegt auch an ihm. „Marko hat sich in diesem Jahr besonders stark entwickelt“, lobt Interimstrainer Peter Röhle, „er ist aktuell der kreativste deutsche Wasserballer.“
Früher wurde gegen den Stamm-Sprössling gestichelt
Die Sticheleien der Neider sind verstummt. „Er ist inzwischen Marko Stamm und nicht mehr der Sohn von Hagen Stamm“, umschreibt sein Vater stolz die Karriere seines Sprösslings, der aus dem Schatten der Wasserball-Legende herausgeschwommen ist. Hagen Stamm berief den Filius als damaliger Bundestrainer 2008 für die Olympischen Spiele in Peking. Da wurde getuschelt: vom Stamm-Platz der ganz besonderen Art. Das ist kein Thema mehr. In Spandau wie im Nationalteam hat sich Marko Stamm Respekt verdient, ist anerkannt als einer der Besten.
Einfach sei es anfangs nicht gewesen, gibt der Sportsoldat zu. Man kennt das ja aus anderen Disziplinen. Svetislav und Marko Pesic im Basketball, Carsten und Andreas Keller im Hockey – oft schwang der Verdacht mit, da werde der Name aufgestellt, nicht die Leistung. So ungerecht das sein mag, denn eher müssen die Kinder mehr leisten, um ihren Platz zu finden. „Im Nachhinein“, sagt Marko Stamm, „kann ich darüber lachen. Für mich war es vielleicht gar nicht schlecht, denn ich habe mich noch mehr angestrengt. Und jetzt führt kein Weg mehr an mir vorbei.“
Selbstbewusst und dickköpfig – genau wie sein Vater
Selbstbewusst war er schon immer, und dickköpfig – ganz der Vater. Zwei typische Berliner: große Schnauze, aber auch großes Herz. Und beide haben oder hatten ein Gespür dafür, das Richtige zu tun im Wasser. „Marko macht verrückte Sachen“, sagt Hagen Stamm, „aber Verrückte entscheiden knappe Spiele.“ Sein Sohn ignoriert gern mal das taktische Konzept, wenn es ihm sinnvoll erscheint - im Dienste des Teams. Positiv gesehen, übernimmt er Verantwortung, hat einen Schuss Genialität. „Man muss ihn gewähren lassen“, weiß Röhle.
Zumal jetzt, wo das kleine Bäuchlein am stämmigen jungen Mann durch hartes Training fast verschwunden ist. „Davor habe ich vor allem mit Köpfchen gespielt“, sagt der gute Schwimmer lachend, „aber jetzt trainiere ich viel mehr als früher. Ich bin unheimlich motiviert.“ Einfach happy.





