Der Mann ist eine Wasserball-Legende. Peter Röhle hat über 400 Länderspiele bestritten, Olympia- und WM-Bronze mit dem Nationalteam gewonnen.
Vor allem war der 57-Jährige aber immer eines: ein Spandauer Wasserfreund. An allen 32 Meisterschaften, jetzt 28 Pokalsiegen, vier Europacup-Triumphen, die der Rekord-Titelträger gewann, war er beteiligt – als Spieler, Trainer oder sportlicher Leiter.
Zuletzt hatte Röhle bei Spandau 04 als Manager und Torwarttrainer an der Seite von Cheftrainer Andras Gyöngyösi fungiert. Als der Ungar vor zwei Wochen entlassen wurde, sprang er als Interimstrainer ein.
Und hat gleich Erfolg, gewann das Pokalfinale gegen Gastgeber Waspo Hannover mit 10:9 (2:2, 2:1, 4:3, 2:3).
Berliner Morgenpost: Herr Röhle, mussten Sie überredet werden einzuspringen oder haben Sie es gern gemacht?
Peter Röhle: Natürlich gern! Obwohl man sagen muss, es ist keine leichte Aufgabe so kurz vor dem Saisonende.
Was lief schief mit Ihrem Vorgänger?
Ich möchte jetzt nicht bösartig nachtreten. Sagen wir es mal so: Er ist sicher ein absoluter Wasserball-Fachmann. Aber das pädagogische und didaktische Geschick fehlte, sein ungarisches Temperament passte nicht zu unserem Verein.
Es heißt, die Spieler hätten sich nach einer Mannschaftssitzung schlicht geweigert, unter ihm weiterzuarbeiten.
Ja, das stimmt, es gab diese Sitzung. Es war schon vorher klar, dass Gyöngyösis Vertrag nicht verlängert wird. Und die Mannschaft fühlte sich in der entscheidenden Saisonphase nicht mehr von ihm motiviert.
Und dann sollten Sie wieder einspringen. Oder wird es ein Engagement über diese Saison hinaus?
Das ist mit meiner beruflichen Situation nicht vereinbar. Das ist jetzt eine Erste-Hilfe-Maßnahme, eine Feuerwehraktion. Außerdem wollte es die Mannschaft so. Das war meine Bedingung, sonst hätte ich es nicht gemacht.
Und wie ist diese Übergangszeit mit Ihrem Beruf vereinbar?
Die sportliche Leitung und das Training bei den Wasserfreunden zu übernehmen plus meiner Arbeit bei der Polizei als Einsatztrainer und Sportlehrer – das wäre nicht gegangen. Ich habe mit meiner Dienststelle gesprochen und durfte spontan Urlaub nehmen.
Sie nehmen einiges auf sich für die Wasserfreunde. Warum?
Ach, wissen Sie, ich habe 1974 meine ersten Bundesligaspiele für Spandau gemacht. Ich bin so geworden, wie ich jetzt bin, durch Wasserball. Man muss auch etwas zurückgeben. Für mich war das eine Frage der Ehre.
Ist es nicht bitter für Sie, dass es gerade um Wasserball geht?
Wieso? Verstehe ich nicht!
Wasserball wird in der Öffentlichkeit ja nicht so sehr wahrgenommen.
Stimmt doch nicht – wir reden ja gerade darüber (lacht). Nein, ich weiß schon, was Sie meinen: Gerade in Berlin gibt es so viele starke Mannschaften, da ist es super schwer. Man muss Visionen haben.
Was gibt Ihnen denn Zuversicht?
Wir haben dieses Jahr ganz viel geschafft. Das liegt auch an Hagen Stamm, unserem Präsidenten. Seit er nicht mehr Bundestrainer ist, hat er viel mehr Zeit für den Verein. TV Berlin hat alle unsere Champions-League-Heimspiele übertragen. Die Halle war voll, die Leute sind schon interessiert. Wir haben uns international gut geschlagen. Und man kann alles noch verbessern.
Und Sie schaffen es, einen Saisonetat von 400.000 Euro auf die Beine zu stellen, nicht wenig für eine Randsportart.
Ja, nicht schlecht, oder? Ich stelle mir gern vor, wir verdoppeln diese Summe. Da könnte man noch ganz andere Dinge bewegen. Warum soll uns das eigentlich nicht gelingen? Das Gute am Wasserball ist ja, dass internationaler Erfolg viel leichter finanzierbar ist als beispielsweise im Fußball.
Aber müssen Sie nicht zunächst einmal national wieder Erfolg haben? Vergangene Saison hat Ihnen der ASC Duisburg in Pokal und Meisterschaft ein Schnippchen geschlagen.
Ich habe ja angekündigt, dass wir beide Titel zurückholen wollen. Ich bin mit Silber nicht zufrieden, das passt nicht zu mir. Wir haben die beste Mannschaft in Deutschland. Es ist interessanter geworden dadurch, dass Duisburg gleich beide Titel gewonnen hatte. Aber einen haben wir uns jetzt ja schon zurückgeholt.




