Als Maurice Jüngling noch ein Junge war, konnte er sich nicht so recht entscheiden. Tennis, Fußball, Schwimmen oder Wasserball – alles machte ihm viel Spaß. Und alles beherrschte er auch ganz gut. Da kam ein Angebot von Hertha BSC, das ihn als Torwart für eine seiner Nachwuchsmannschaften haben wollte. Alles ging nicht, er musste jetzt eine Wahl treffen. Und Jüngling tat etwas, das vermutlich nicht viele deutsche Jungs mit elf oder zwölf Jahren tun würden: Er entschied sich gegen Fußball. Seitdem spielt er nur noch Wasserball.

Bereut hat er es nie. „Wasserball spielt man aus Spaß, nicht um reich zu werden“, sagt der mittlerweile 22-Jährige, der es bei den Wasserfreunden Spandau zum Nationalspieler gebracht hat, „wir sind wie eine Familie.“ Zwar ist das Training sicher härter als bei den Kickern, es findet sogar täglich zweimal statt. Gearbeitet wird mit professionellem Anspruch. Allerdings sind die Rahmenbedingungen andere. Wenn es zum Beispiel auswärts einmal wie am vergangenen Mittwoch im Play-off-Halbfinale um die Deutsche Meisterschaft gegen Esslingen geht, dann wird natürlich nicht geflogen, sondern mit dem Bus gereist. Und nach dem Spiel geht es gleich noch einmal siebeneinhalb Stunden zurück.

Das zehrt, fast so wie die Kämpfe im Wasser. Umso motivierter sind Jüngling und seine Kollegen, nach dem 14:4-Erfolg in Schwaben am Sonnabend (18 Uhr) und Sonntag (13 Uhr, jeweils Schwimmhalle Schöneberg) die Halbfinalserie mit zwei weiteren Siegen schnell abzuschließen, um sich neue Strapazen zu ersparen.

Seine Gegenspieler sind meistens größer und schwerer als er

Anstrengungen ist der Sohn eines Senegalesen und einer Deutschen auch aus dem Schwimmbecken gewohnt. In der Defensive hat Jüngling den härtesten Job. Er ist Centerverteidiger, das heißt, er hat es mit den übelsten Kanten des Gegners zu tun, die gern mal zwei Meter groß und weit über 100 Kilogramm schwer sind. Dabei hat der Modellathlet Jüngling ganz unpassende Maße. Er ist nur 1,84 Meter groß und 88 Kilo leicht. Aber der einzige dunkelhäutige Bundesligaprofi ist extrem schnell für seine Position, beweglicher, schwimmt an seinen Gegnern einfach mal seitlich vorbei.

Das nervt, wenn er ihnen die Bälle klaut. Und bei harten Zweikämpfen werden seine Kontrahenten häufig mit Offensivfouls bestraft. Sie sind so flinke Verteidiger nicht gewohnt. „Er hat sich sehr gut entwickelt“, lobt Bundestrainer Nebojsa Novoselac den jungen Mann, „vor allem gefällt mir: Maurice hat Respekt, aber er kennt keine Angst.“

Auch als Torschütze eine Stütze im Spandauer Team

Jüngling ist vielseitig, kann fast jede Position spielen („außer Torwart!“) und ist als Torschütze ebenfalls eine Stütze im Spandauer Team. In Esslingen gelangen ihm zwei Treffer. Präsident Hagen Stamm lobt das „gute Beispiel für unsere erfolgreiche Nachwuchsarbeit“ dazu als intelligenten Spieler. Der Sportsoldat mit Abitur hat klare Ziele: „Olympische Spiele – wie jeder Sportler“, sagt er. In der Champions League haben die Wasserfreunde diese Saison das Final Six verpasst, aber am 3. Mai in Oradea/Rumänien wollen sie den Wettbewerb mit einem Sieg ordentlich abschließen „und dann im nächsten Jahr beim Finalturnier dabei sein“. Außerdem gibt es da noch zwei Scharten auszuwetzen. „Wir wollen beide Titel zurückholen, Pokal und Meisterschaft, die wir an den ASC Duisburg verloren haben“, sagt Jüngling.

Wer solche Ziele hat, der hat mit dem Wasserball vermutlich wirklich eine gute Wahl getroffen. Denn auf einen Titel warten sie bei den Herthanern schon seit 1931.

diw