Fußballfans

Sig Zelt - „Das Verhältnis zur Polizei ist katastrophal“

Auf dem Fankongress in Berlin wollen sich Anhänger für mehr Fanrechte stark machen. Vor allem das Verhältnis zur Polizei gilt als schwierig, sagt der Sprecher der Vereinigung „Pro Fans“, Sig Zelt.

Foto: Jörg Carstensen / dpa

Berliner Morgenpost: Wie würden Sie die Beziehung zwischen Fans und Polizei charakterisieren?

Sig Zelt: Das Verhältnis ist aus meiner Sicht katastrophal. Die Dialogbereitschaft von Fans mit der Polizei nimmt ab. Und das Schlimme ist, dass ich das nachvollziehen kann.

Wieso?

Von Seiten der Polizei oder den Verantwortlichen hat man das Gefühl, dass es nicht um Fußballfans, sondern um Terrorismus ginge, sowohl von der Rhetorik als auch vom Handeln her. Das betrifft nicht alle Fans, sondern vor allem diejenigen, die zu Auswärtsspielen fahren.

In dieser Saison sorgte ein von Union heftig kritisierter Polizeieinsatz beim Auswärtsspiel in Kaiserslautern für Aufsehen.

Das Kuriose ist, dass wir als Union-Anhänger Kaiserslautern vor drei Jahren mit dem Pokal für die besten Gastgeber der Zweiten Liga ausgezeichnet haben. Dabei haben wir damals ausnahmsweise auch die Polizei mit eingeschlossen, die mit ihrer Zurückhaltung dafür sorgte, dass wir alle einen schönen Nachmittag verleben durften. Es gab nie eine Vorgeschichte mit Kaiserslautern und dann wird aus meiner Sicht wegen Nichtigkeiten ein vollkommen überzogener Einsatz durchgeführt.

Gibt es irgendeine Form von Dialog mit der Polizei?

Die Vereine sind mit der Polizei vor Ort im Gespräch. Und je nach Organisation des Klubs sind dann auch irgendwie Fans eingebunden. In Berlin hatten wir im vergangenen Sommer so etwas wie einen kleinen Fankongress, bei dem auch Polizeibeamte und auch Vertreter der Ultragruppen anwesend waren. Auf Bundesebene gibt es so etwas nicht.

Häufig wird dafür als Begründung genannt, dass die Fans keine bundesweiten Ansprechpartner haben.

Das kann man so sehen. Ich bin nicht dieser Meinung. Wir haben mit „Pro Fans“ und „Unsere Kurve“ zwei Fanorganisationen, die sich auch zusammentun könnten. Aber das ist nicht das Problem. Fußballfans sind eben eine schwer zu fassende Materie. Aber de facto vertreten die zwei Gruppen die aktiven Fans.

Warum klappt es dann trotzdem nicht mit einem Dialog?

Bei der Polizei wird der Dialog anders verstanden. Dort wird gedacht, dass wir wie in einer Befehlskette auf alle Fans wirken würden und Maßnahmen durchsetzen könnten. Das ist nicht so. Aber wir haben Einfluss und mit einem Dialog könnten moderate Fans gestärkt werden. Zudem haben wir das Gefühl in Gesprächen mit der Polizei, dass diese gar keinen Verhandlungsspielraum hat. Da bleibt uns nur, eine Stufe höher zu den Innenpolitikern zu gehen oder medial aktiv zu werden.