Fankongress in Berlin

Fußballanhänger beklagen Niedergang der Fankultur

Rund 700 Fans tagen im Berliner Kino Kosmos. Die Organisation „Pro Fans“ kritisiert bei dem Kongress die einseitige Fokussierung auf die Sicherheit in Stadien. Es drohe der Verlust einer Kultur.

Foto: Arne Dedert / dpa

Auf dem bundesweiten Fankongress hat die Organisation „Pro Fans“ von den Fußballverbänden DFB und DFL mehr Zusammenarbeit gefordert. Die Veranstaltung mit über 700 Fans aus ganz Deutschland findet an diesem Wochenende zum zweiten Mal in Berlin im Kino Kosmos statt.

Vor allem die Dominanz der Sicherheitsdiskussion in den letzten zwei Jahren stößt den Anhängern auf. „Wir fragen uns auf dem Fankongress nicht, wie die Stadien noch sicherer werden können. Denn das sind sie ja schon“, sagte Jakob Falk, Hertha-Fan und Mitglied von „Pro Fans“ zu Beginn der Veranstaltung. „Wir fragen uns, wie die Arenen fanfreundlicher werden können.“

Den Hardlinern die Stimme nehmen

Deshalb forderte er DFB und DFL auf, wieder mehr auf die Fans zuzugehen: „Nehmen Sie die Ideen von diesem Kongress mit! Eine fehlende Zusammenarbeit wie beim Sicherheitspaket vor zwei Jahren darf es nicht mehr geben.“ Auch von der Politik forderte er mehr Augenmaß bei der Diskussion um die Sicherheit im Fußball.

Helmut Spahn, Direktor des Internationalen Zentrums für Sicherheit im Sport und Verantwortlicher für das Sicherheitskonzept der WM 2006 in Deutschland, forderte im Gegenzug auch von den Fans mehr Kooperationsbereitschaft. Dazu müsste vor allem den Hardlinern die Stimme genommen werden: „Wir müssen die Spitze des Eisberges abschleifen. Es gibt nicht die Fans oder die Funktionäre oder die Polizisten.“

Diskussion um die vielen Anstoßzeiten pro Spieltag

Ein Anliegen für ein fanfreundlicheres Stadionerlebnis sind auf dem Fankongress unter anderem die Anstoßzeiten in den oberen Ligen. Die Spieltage sind für die exklusive Fernsehvermarktung über mehrere Tage aufgesplittet. Außerdem geht es auf der Veranstaltung um das Thema der Beteiligung von Investoren in Klubs, dem Dialog zwischen Vereinen und Fans und auch dem Verhältnis zu den Medien. Häufig wird aus Anhängerkreisen der Vorwurf erhoben, Journalisten würden lediglich Meldungen der Polizei unkritisch wiederzugeben.

„Niedergang der Fankultur“ in den Nachbarländern

Das Verhältnis zwischen Fans und Polizei ist eines der Hauptthemen des Tages. Dazu sind erstmals auch Beamte eingeladen. Auch der Sicherheitsbeauftragte des DFB, Hendrik Große Lefert, wie auch DFL-Geschäftsführer Andreas Rettig besuchen den Kongress.

„Wir wollen als Fans agieren und nicht reagieren“, so Falk weiter über die Impulse, die er sich vom Kongress erwartet. „Der Niedergang der Fankultur in den Nachbarländern zeigt, wie schnell das passieren kann, wenn sich niemand regt.“