Stadionsicherheit

„Familien können in Deutschland unbesorgt ins Stadion gehen“

Helmut Spahn war für den DFB für das Sicherheitskonzept der WM 2006 in Deutschland verantwortlich. Mit der Morgenpost sprach er auf dem Fankongress in Berlin über die Sicherheit im Fußball.

Foto: Peter Kneffel / dpa

Berliner Morgenpost: Wie beurteilen Sie die Diskussion zur Sicherheit im deutschen Fußball?

Helmut Spahn: Aus der Entfernung betrachtet muss man ganz klar sagen, dass sich die Situation deutlich entspannt hat. Der DFB hat auch große Schritte unternommen, um den Dialog wieder aufzunehmen. Die Aufgeregtheit hat nachgelassen. Deswegen finde ich es positiv, dass beim Fankongress nicht die populistischen Themen wie beispielsweise Pyrotechnik auf der Tagesordnung stehen.

Wie werden deutsche Fußballstadien im Ausland wahrgenommen?

Wenn ich international unterwegs bin und berichte, dass ich aus Deutschland komme, zaubere ich ein Lächeln in die Gesichter meiner Gesprächspartner. Die hätten gerne die Probleme, die wir hier in Deutschland haben.

Trotzdem wurde in Deutschland heftig darüber diskutiert.

Von den Bildern, die medial transportiert wurden, hätte man schon den Eindruck bekommen können, dass die Arenen in Deutschland gefährlich sind. Aber wer genau hinschaut, weiß, dass es keine sicherere Großveranstaltung gibt und die ganze Familie unbesorgt ins Stadion gehen kann. Man muss das alles im Verhältnis sehen.

Wie sieht ein optimales Sicherheitskonzept aus?

Ein gutes Sicherheitskonzept ist auf alle Eventualitäten ausgerichtet. Natürlich darf man sich nicht von Eskalation überraschen lassen. Das wäre fatal. Aber man muss den Aspekt Sicherheit als Service für den Besucher sehen. So viel Sicherheit wie möglich und dabei so wenig Einschränkungen wie nötig. Natürlich kann man einen großen Personalaufwand betreiben mit vielen Polizisten. Aber man kann das vielleicht auch anders lösen.

Warum funktioniert der Dialog zwischen Fans und Polizei nicht?

Die Zusammenarbeit mit dem DFB und der DFL klappt besser, weil es einen einheitlichen Ansprechpartner gibt. Fans oder Polizei haben diese zentralen Vertreter so nicht. Deshalb ist der Dialog da auf Bundesebene schwierig. Denn dafür ist entscheidend, dass die Kommunikation belastbar ist. Aber auf lokaler Ebene gibt es Möglichkeiten, die schon im Nationalen Konzept Sport und Sicherheit Anfang der 90er Jahre festgeschrieben wurden. Man muss diese Instrumente vielleicht wieder mit Leben füllen oder an die heutigen Zeiten anpassen.