Eisschnelllauf

Beckerts Hoffnung auf das Happy End beim Weltcup in Berlin

Die Erfurterin Stephanie Beckert plagt in der ersten Saisonphase ein Formtief. Beim Wettkampf in Berlin kann sie aber wieder entspannt antreten, denn die Olympiaqualifikation hat sie geschafft.

Foto: Soeren Stache / pa / dpa

Die Zuständigkeit für die Erfolgsmeldungen im Hause Beckert ist im Prinzip klar geregelt und obliegt der großen Schwester Stephanie, 25. Sie hat schon viele Medaillen gewonnen im Eisschnelllauf, darunter Gold und Silber bei Olympia. Vergangene Woche beim Weltcup in Astana/Kasachstan aber stand Bruder Patrick, 23, auf dem Podium, zum ersten Mal in seiner Karriere, als Dritter über 10.000 Meter.

Ein kleines Heldenstück für die nach Erfolgen dürstende Männerabteilung in der Deutschen Eisschnelllauf-Gemeinschaft (DESG), bei der erstmals seit sieben Jahren ein Langstreckler eine Medaille abräumte. Stephanie erfüllte in Astana die Olympianorm für die Spiele in Sotschi im Februar 2014. Eigentlich nicht der Rede wert bei einer wie ihr, zumindest nicht unter normalen Umständen.

Qualifikationsdruck ist weg

Diese Saison verlief bislang allerdings eher katastrophal. Und auch in Astana wurde die Olympiaqualifikation über 5000 Meter erst nach langer Rechnerei gewiss. „Mir ist richtig ein Stein vom Herzen gefallen, nach den beschissenen Läufen, die ich hatte“, sagt die Erfurterin vor dem vierten Weltcup von Freitag bis Sonntag in Berlin (Sportforum, ab 9 Uhr).

Der Qualifikationsdruck ist also erst einmal weg. Wie er überhaupt hatte entstehen können, „da sind wir alle noch nicht so richtig dahintergekommen“, sagt DESG-Teamleiter Helge Jasch. Beckerts Sommer war problemlos, der Rücken machte anders als sonst alles mit, sie hat hart trainiert, so wie immer. Als die Weltcups kamen, war die Form jedoch fort.

„Es war nicht leicht für mich, nach jedem Rennen sehen zu müssen, dass es absolut nicht reicht“, sagt sie. Sogar in die B-Gruppe der langsameren Läuferinnen musste sie absteigen. „Das ist eine neue Situation für mich, ich versuche, damit umzugehen“, so Beckert.

Hintergründe bleiben rätselhaft

Erklärungen, die Ansätze liefern, ihren enttäuschenden Saisonbeginn zu verstehen, fehlen weitgehend. Alles erscheint etwas nebulös. „Es lief einfach nicht auf dem Eis, ich möchte das abhaken und nicht immer wieder neu aufwühlen. Es war wirklich eine schwere Zeit, die ganzen Weltcups jetzt“, sagt Beckert zu den Ursachen, die wohl in einer Mischung aus körperlichen und psychischen Probleme liegen und sich gegenseitig auch bedingen.

Der andauernde Zwist mit Teamkollegin Claudia Pechstein nehme sie sehr mit, wie Stephanie Beckert kürzlich einräumte.

Vielleicht hilft es der Erfurterin, sich trotz widriger Umstände den Olympiastart erkämpft zu haben, eventuell macht es sie mental etwas stärker. Bis zu den Spielen in Sotschi bleiben zwei Monate Zeit, die Form früherer Tage zu erwerben. „Ich will jetzt nach vorn schauen. Nach Berlin kommt noch einmal eine Aufbauphase, und ich hoffe, dass im Februar dann alles sitzt“, sagt Beckert, deren Erfolgsmeldungen der Verband dringender denn je braucht.