Eisschnelllaufen

Pechstein in Topform – doch der „Gold-Express“ versagt

Im Verfolgungsrennen gab es für die deutschen Eisschnellläuferinnen bei Olympia 2006 und 2010 Gold. Doch 2014 werden sie wohl nicht an den Start gehen. Beim Weltcup in den USA patzte das Team.

Foto: MATTHEW STOCKMAN / AFP

Sie will es mit fast 42 Jahren noch einmal allen zeigen, doch jetzt haben Claudia Pechsteins Medaillenambitionen für die Olympischen Winterspiele (7. bis 23. Februar) in Sotschi einen ersten Dämpfer erhalten. Die Berlinerin verpasste mit dem deutschen Team in der Nacht zu Montag beim Weltcup in Salt Lake City/USA so gut wie sicher das Ticket für die olympischen Verfolgungsrennen – nur ein Eis-Wunder auf Pechsteins Heimbahn kann jetzt noch helfen.

„Das ist schon traurig, dass wir wohl nicht dabei sind“, sagte Präsident Gerd Heinze von der Deutschen Eisschnelllauf-Gemeinschaft (DESG). „Wir hatten in Sotschi nicht mit Gold gerechnet, aber um eine Medaille wollten wir in der Team-Verfolgung schon mitlaufen“, sagte Heinze.

„Ich habe mitgezittert, doch am Ende blieb die Erkenntnis, dass unser Team eine halbe Sekunde pro Runde zu langsam ist. Das haben wir auf keinen Fall erwartet“, sagte DESG-Sportdirektor Günter Schumacher. Ob die Medaillen-Prognose des Verbandes von zwei bis dreimal Edelmetall nach unten korrigiert werden muss, ließ Schumacher offen. „Damit warten wir noch ab.“

„Ich fürchte, dass es das war“

Dennoch saß der Frust nach dem Fiasko von Salt Lake City tief. Das deutsche Trio um Claudia Pechstein kam in der wichtigen Ausscheidung nur auf den elften Rang. Der Abstand zur Weltspitze war riesig. Die Siegerinnen aus den Niederlanden waren um fast fünf Sekunden schneller. „Es sieht sehr schlecht aus. Ich fürchte, dass es das war“, sagte Teamleiter Helge Jasch.

Im Gesamtweltcup liegt die deutsche Mannschaft vor dem letzten Qualifikations-Weltcup in Berlin (6. bis 8. Dezember) abgeschlagen mit 42 Punkten auf dem elften Rang. Nur die ersten sechs Teams erhalten ein Startrecht für die Spiele in rund drei Monaten. Auf dem sechsten Platz rangiert Russland (95 Punkte). Zudem werden zwei Plätze über ein Zeit-Ranking vergeben, das für das DESG-Trio aber außer Reichweite ist, weil die Bahn in Berlin deutlich langsamer ist als die schnellen Ovale in Übersee.

Das deutsche Team ließ zumindest personell nichts unversucht. Nach dem schwachen Auftritt in der Vorwoche in Calgary war die Berlinerin Monique Angermüller durch Jennifer Bay ersetzt worden. Doch der Wechsel zeigte kaum Wirkung. Nach einer soliden Anfangsphase hatten Bente Kraus und Bay in den letzten beiden Runden zunehmend Probleme, dem Tempo der formstarken Pechstein zu folgen. Die fünfmalige Olympiasiegerin schaute sich teilweise sogar nach ihren Kolleginnen um. Am Ende blieb die Enttäuschung.

Stephanie Beckert in der Krise

Damit muss Pechstein eine Chance auf Edelmetall bei ihren sechsten Olympischen Spielen abschreiben. Angesichts ihrer starken Form auf den Einzelstrecken dürfte sie das Aus jedoch nicht so hart treffen. Über 3000 Meter verpasste die Berlinerin nur hauchdünn den Sieg. „Der Teamwettbewerb hat sich enorm entwickelt. Top-Platzierungen sind nur noch dann möglich, wenn dafür hart trainiert wird. Und zwar gemeinsam, im Team. Die Weltcups in Übersee haben gezeigt, dass wir in Deutschland da offensichtlich erheblichen Nachholbedarf haben“, sagte Pechsteins Manager Ralf Grengel.

Keine Hilfe für das Team ist derzeit Stephanie Beckert, 2010 in Vancouver noch Mitglied im Gold-Express. Die Erfurterin befindet sich in der wohl größten Krise ihrer Laufbahn, muss sogar um ihr Olympia-Ticket zittern. Über die Gründe des Leistungsabfalls wird weiter spekuliert. Dass der anhaltende Zoff mit Pechstein die 25-Jährige blockiert, glaubt zumindest Heinze nicht: „Wie mir berichtet wurde, stimmte zwischen den beiden zuletzt die Kommunikation wieder.“