Sportliche Berliner

Bei Familie Apostel dreht sich alles nur um Wasserball

Alle drei fanden nicht auf Anhieb zum Wasserball, doch nun ist für sie nun ein Leben ohne diesen Sport kaum denkbar. Michael, Matthias und Melanie Apostel sind fast unverzichtbar für die SG Neukölln.

Foto: JOERG KRAUTHOEFER

Matthias Apostel erinnert sich noch gut an den Tag, an dem sein Cousin Geburtstag hatte. Die Verwandtschaft hatte sich extra in Schale geschmissen, mit gebügeltem Hemd und frisch geputzten Schuhen. Matthias Apostel aber war in Sportklamotten erschienen, genau wie seine Schwester Melanie. Für beide stand schließlich am selben Nachmittag noch ein Auftritt für die SG Neukölln in der Wasserball-Bundesliga auf dem Programm. Sie gratulierten kurz, dann machten sie sich gemeinsam mit Vater Michael auf in die Halle.

Melanie wechselte vom Kunstturnen ins Wasser

„Der Sport hat unser Leben schon immer sehr geprägt“, sagt Matthias Apostel. Seit er zu Hause ausgezogen ist, sehe er seine Familie häufiger in der Schwimmhalle als privat, so der 27-Jährige. Er ist der Spielmacher der Neuköllner Männermannschaft, die am Sonnabend zum Saisonauftakt die Wasserfreunde Spandau zum Berlin-Derby in der Schwimmhalle Schöneberg empfing und erwartungsgemäß 4:17 (0:5, 0:4, 3:5, 1:3) verlor. Sein weibliches Pendant ist seine Schwester Melanie, die bei den Frauen der SGN Regie führt.

Sie war es auch, die Mitte der 1990er-Jahre die Wasserball-Begeisterung der Apostels begründete. Einst war sie Kunstturnerin gewesen, doch mit zwölf Jahren hatte sie genug von diesem Sport und suchte nach einer Alternative. „Ich wollte entweder einen Ballsport machen oder schwimmen“, erinnert sie sich. Sie entschied sich für die Schnittmenge aus beidem. Beim Wasserball, so die 29-Jährige, sei sie ein anderer Mensch. „Eigentlich bin ich lieb und zurückhaltend, aber im Wasser werde ich zum Biest!“

Als Kind war Matthias nie ein guter Schwimmer gewesen

Auch Matthias Apostel kam als Quereinsteiger zum Wasserball. Nachdem der frühere Fußballer zunächst nur beim Training zugeschaut hatte, rief man ihm eines Tages aus dem Becken zu, er solle doch einfach mal mitmachen. Aber aller Anfang war schwer: Matthias Apostel war als Kind nie ein besonders guter Schwimmer gewesen. Seinen Seepferdchen-Kurs musste er sogar wiederholen. „Bei den ersten Trainingseinheiten ging es deshalb vor allem darum, sich über Wasser zu halten“, erinnert er sich. Den Ball benutzte er als Boje, um nicht unterzugehen.

Von der Tribüne aus beobachtete Vater Michael Apostel, wie seine Kinder in ihrer neuen Sportart aufblühten und sich im Fall von Melanie Apostel sogar bis in die Jugend-Nationalmannschaft spielten. Er klatschte bei Siegen, tröstete bei Niederlagen und half tatkräftig am Kuchenstand aus. Es dauerte nicht lange, da gehörte der 59-Jährige selbst zum Inventar.

Zuständig für die Bundesliga-Frauen und den Nachwuchs

„Irgendwann hat man sich darauf verlassen, dass ich da bin und mit anpacke“, sagt er. Heute betreut er, neben seiner Tätigkeit im öffentlichen Dienst, die Bundesliga-Frauen und den Nachwuchs. Er ist zugleich Fahrer und Organisator, kümmert sich auf Auswärtsfahrten um die Unterkunft und sitzt bei Heimspielen mit im Kampfgericht.

Auch seine Frau Martina spielt eine wichtige Rolle im apostolischen Wasserballkosmos. Die 51-Jährige arbeitet in einem Jugendheim und hat schon viele der dortigen Kinder ermuntert, sich bei der SG Neukölln sportlich auszuprobieren. Michael Apostel will sein Ehrenamt auch dann weiterführen, wenn sein Sohn und seine Tochter einmal aufgehört haben, Wasserball zu spielen. „Ich mache das mittlerweile für den Verein und nicht mehr für die Kinder“, sagt er.

Nur die SG Neukölln hat auch Frauen-Teams

Doch es ist ohnehin kaum vorstellbar, dass Melanie und Matthias Apostel allzu bald aus dem Becken steigen werden. Mittlerweile sind beide fest verwurzelt im Wasserball. Ihr Engagement geht weit über die erste Mannschaft hinaus. Melanie Apostel etwa trainiert nebenbei den weiblichen Nachwuchs im Alter von zwölf bis 19 Jahren. Die SG Neukölln ist Berlins größter Schwimmverein und zugleich der einzige Klub der Stadt, der auch Mannschaften für Mädchen und Frauen anbietet.

„Der nächstgelegene Verein, der das auch noch macht, ist in Chemnitz“, sagt Melanie Apostel. Einige der von ihr geförderten jungen Talente haben mittlerweile sogar den Sprung ins Bundesliga-Team geschafft und spielen nun Seite an Seite mit ihrer Trainerin im deutschen Oberhaus. „Da muss ich schon manchmal aufpassen, wie ich mich verhalte, schließlich habe ich als Coach eine Vorbildfunktion“, meint Melanie Apostel. „Ich kann meinen Mädels ja nicht vorschreiben sich warmzumachen und es dann selbst nicht machen.“

Mit der D-Jugend Deutscher Meister geworden

Ihr Bruder Matthias war bis vor zwei Jahren ebenfalls als Trainer tätig und führte die Neuköllner D-Jugend bis zum deutschen Meistertitel, ehe er wegen des Berufs kürzer treten musste. „Wenn ich wieder mehr Zeit habe, würde ich aber gerne wieder einsteigen. Das ist meine Art, dem Verein Danke zu sagen.“ Schließlich sei es für die Jugendlichen eine besondere Motivation, von einem Bundesligaspieler trainiert zu werden, sagt Matthias Apostel und schmunzelt: „Zwei von meinen Jungs haben in der Schule sogar schon einmal ein Referat über mich gehalten.“