Berlin-Sport

Wasserfreunde werden jünger – Umbruch nach der Niederlage

Die Meisterschaft ist verloren, erstmals seit 1968 holten sich die Wasserballer des ASC Duisburg den Titel. Doch die Wasserfreunde Spandau bereiten sich schon auf neue Erfolge vor. Dafür wird das Team stark verjüngt.

Foto: Jens Wolf / pa/ZB

Die wichtigste Personalie vorweg: Nein, Alexander Tchigir wird keine weitere Saison bei den Wasserfreunden Spandau dranhängen. Einer der weltbesten Wasserball-Torhüter hört mit 44 Jahren auf, „zu hundert Prozent“, wie er sagt. Das vierte Finalspiel um die Deutsche Meisterschaft am Mittwoch beim ASC Duisburg war sein letztes mit Badehose. Tchigir hätte sich einen anderen Abschied gewünscht als das 7:9, mit dem der ASC seinen ersten Meistertitel seit 1968 sicherte. Aber, sagt der gebürtige Moskauer zum Ende der außergewöhnlichen Berliner Erfolgsserie: „Das ist kein Abonnement. Das ist Sport.“

Kein Sturz ins Bodenlose

So sieht es auch Spandaus Präsident Hagen Stamm. „In anderen Sportarten würde man jetzt nicht vom Sturz ins Bodenlose sprechen. Wir sind Zweiter im Pokal und in der Meisterschaft.“ Andere Vereine sind aber auch in 34 Jahren nicht 32-mal Meister geworden und 27-mal Pokalsieger. In jedem Fall wollen er und seine Mitstreiter dafür sorgen, dass die Mannschaft schnell wieder neu aufgebaut wird.

Was nicht leicht ist. Es wird neben Tchigirs Ausstieg weitere Veränderungen geben. Nebojsa Novoselac trainiert künftig ausschließlich das Nationalteam. Erik Bukowski wechselt nach Hannover, Marc Politze und Fabian Schrödter, allesamt Nationalspieler, denken an ihr Karriereende. Die Mannschaft wird jünger, unerfahrener. „Aber die Jungen sind heiß und motiviert“, sagt der Präsident. „Sie wollen den Duisburgern zeigen, dass sie besser sind, dass dieses Jahr ein Betriebsunfall war.“

Spandauer hoffen auf Rückkehr von Moritz Oeler

Die ersten Weichen sind gestellt. Mit dem 45-jährigen Ungarn Andras Gyöngyösi wurde ein starker Novoselac-Nachfolger verpflichtet. Gut möglich, dass Nationalspieler Moritz Oeler („Ich kann dazu noch nichts sagen, außer: Ich mag Berlin!“) nach einem Jahr bei Vasas Budapest zurückkehrt. Das wäre ein Signal, ein Torgarant wie er hat in dieser Saison gefehlt. Stamm deutet an, dass wenigstens zwei weitere junge Verstärkungen gesucht werden.

Die Wasserfreunde haben mit Andreas Schlotterbeck, Marko Stamm, Hannes Schulz, Maurice Jüngling, Erik Miers und David Kleine ohnehin weitere Akteure in ihren Reihen, die mindestens zum erweiterten Kader der Nationalmannschaft gehören. Dazu kommt, dass laut Novoselac Tim Donner (20) und Vincent Hebisch (18) in der so enttäuschend zu Ende gegangenen Saison gleichwohl „große Fortschritte gemacht haben“. Das alles lässt auf eine bessere Zukunft hoffen.

„Mehr Pfeffer“ durch neuen Trainer aus Ungarn?

Die Königspersonalie allerdings heißt Gyöngyösi. Vielleicht ist er am ehesten zu vergleichen mit Alfred Balen, der als Erfolgscoach die Ära Spandau mitbegründete. „Andras ist ein Verrückter. Der brennt“, sagt Stamm. Er hofft auf einen neuen Elan, den seine Mannschaft zuletzt vermissen ließ, auf eine neue Philosophie, auf „mehr Pfeffer. Wir hatten ja schon früher solche Jahre. Aber wir wollen wieder angreifen.“

Bei aller aktuellen Enttäuschung hält es auch Kapitän Politze für falsch, jetzt in Depression zu versinken. „Der Anspruch besteht nach wie vor, sehr guten Wasserball zu spielen.“ Dann fügt er die Worte hinzu, die gern in solchen Situationen gewählt werden: „Jetzt erst recht.“ Vielleicht wird dieses Gefühl ja auch ihn bewegen, eine Saison dranzuhängen. Schließlich ist er noch neun Jahre jünger als Tchigir.