Saisonstart

Auch Berlins Basketball-Frauen wollen erstklassig sein

Wie das Frauen-Team der Handball-Füchse, die sich gerade eine Nationalmannschaft für den Bundesliga-Aufstieg verpflichteten, soll auch Alba bald ein weibliches Pendant im Oberhaus bekommen.

Foto: DBB

Erfolg und Misserfolg lagen Anfang März 2013 in der O2 World nah beieinander. Während Alba Berlin unten auf dem Parkett in der Euroleague-Zwischenrunde eine weitere Niederlage gegen Istanbul kassierte, wurde oben auf der Tribüne eine Vereinbarung getroffen, die den Berliner Frauenbasketball zurück in die erste Liga führen soll.

Lutz Randolph, der Vorstand von TuS Lichterfelde, unterhielt sich an diesem Abend in der Arena mit dem Vorsitzenden des ASV Moabit, Roman Godau. Die Moabiterinnen kämpften zu diesem Zeitpunkt noch um den Aufstieg ins Oberhaus, doch schon damals war klar, dass der Verein finanziell überhaupt nicht in der Lage sein würde, die erste Liga zu finanzieren.

Selbst ein Verbleib in der zweithöchsten Spielklasse war äußerst fraglich, denn mit einem Etat von lediglich 25.000 Euro, der teilweise nur durch private Spenden des Vorstandes gedeckt wurde, gehörte der ASV selbst in der zweiten Liga zu den Schlusslichtern.

Viele gute Spielerinnen verließen die Stadt

In dieser Notlage kam der TuS Lichterfelde ins Spiel. Der Klub ist bekannt für seine hervorragende Nachwuchsarbeit. „TuSLi“ stellt aktuell sechs Junioren-Nationalspielerinnen, die weibliche U15 erreicht regelmäßig die Endrunde um die deutsche Meisterschaft. Allerdings existierte bis dato kein Frauenteam, in das die Jüngeren hineinwachsen konnten. Viele gute Spielerinnen verließen deshalb die Stadt, um anderswo den Sprung in die Bundesliga zu schaffen. Nun bot sich die Möglichkeit, die Moabiter Mannschaft samt Trainer Timur Topal zu übernehmen und so den Talentschwund zu stoppen.

Lutz Rudolph geht es jedoch um mehr. Wie das Frauen-Team der Handball-Füchse (Spreefüxxe), die sich mit Christine Beier gerade sogar eine Nationalmannschaft für den Bundesliga-Aufstieg verpflichteten, soll auch Alba bald ein weibliches Pendant im Oberhaus bekommen. „In spätestens zwei Jahren wollen wir in der ersten Liga spielen“, sagt Rudolph. Der notwendige Etat von mindestens 100.000 Euro sei im gut situierten Südwesten Berlins leichter zusammenzubekommen als in Moabit.

Bamberg stellt die Erstligisten bei Männern und Frauen

Damit würde sein Verein in die Fußstapfen von City Basket und Wemex Berlin treten, die in den Neunzigern ebenfalls ganz oben mitmischten. Das mit zahlreichen Nationalspielerinnen gespickte Wemex-Team schaffte es einst sogar bis ins Finale um die deutsche Meisterschaft und in den Europapokal, ehe der Klub nach dem Rückzug des Hauptsponsors bankrott ging. Derzeit ist Bamberg die einzige deutsche Stadt, die sowohl bei den Männern als auch bei den Frauen einen Erstligisten im Basketball stellt.

Ob Berlin bald mit den Franken gleichziehen kann, hängt zu großen Stücken von Noémie Rouault ab. Die Halbfranzösin ist trotz ihrer erst 18 Jahre schon jetzt die Leistungsträgerin des TuS Lichterfelde. „Sie ist ein Wunder der Natur“, findet Trainer Timur Topal. Denn obwohl Rouault weder besonders kräftig noch technisch besonders begabt sei, gehört sie für ihn zu den größten deutschen Nachwuchshoffnungen – weil sie das, was sie kann, herausragend umsetzt. „Sie ist eine sehr smarte Spielerin und extrem stark beim Rebound unter dem Korb. Sie gibt in jedem Spiel 110 Prozent“, sagt er. Noémie Rouault ist ein Rohdiamant, auf den schon jetzt viele Klubs der ersten Liga und sogar amerikanische Universitäten ein Auge geworfen haben. Sie blieb jedoch vorerst in Berlin, um die Schule abzuschließen.

Erstes Heimspiel am 6. Oktober

„Jeder Verein wäre glücklich sie zu haben“, meint Topal. Erst recht nach ihrem starken Auftritt bei der B-Europameisterschaft im Sommer, wo Rouault von den Trainern ins All-Star-Team gewählt wurde – obwohl die deutsche Mannschaft lediglich auf Platz neun landete.

Auf die Abiturientin wird es auch zum Saisonauftakt ankommen. Am Sonnabend trifft Lichterfelde auswärts auf Wolfenbüttel, das 2012 noch Deutscher Meister wurde, sich im März aber aus der Bundesliga zurückzog. Es ist eine erste Bewährungsprobe für das junge TuSLi- Team, das anders als der Gegner auf amerikanische Importspielerinnen verzichtet. Das erste Heimspiel steigt dann am 6. Oktober gegen Neuss (14 Uhr, Carl-Schumann-Halle, Osdorfer Straße).

Verein kooperiert mit dem DBV Charlottenburg

Einen Tag vorher feiern auch die „TuS Li“-Herren ihre Heimpremiere in der Regionalliga. Dort kooperiert der Verein jetzt mit dem DBV Charlottenburg. Rudolph hofft, dass so schon bald der Sprung in die zweite Bundesliga gelingt. „Hinter Alba Berlin ist in der Stadt auf jeden Fall Platz für eine zweite starke Mannschaft“, sagt er.

In den Neunzigern spielte der Klub schon einmal im Basketball-Unterhaus, damals lernten spätere Nationalspieler wie Marko Pesic, Heiko Schaffartzik oder Mithat Demirel das Basketball-ABC in Lichterfelde. Letztgenannten waren an jenem März-Abend, an dem Rudolph den Deal mit den Moabitern einfädelte, auch in der O2 World – als Spieler beziehungsweise Sportdirektor der Albatrosse.