Zehn Jahre Zusammenleben wischt niemand einfach so weg. Schon gar nicht, wenn man erst 27 ist, prägende Etappen zum Erwachsenwerden Seite an Seite und weit weg von zu Hause gemeistert, eine spannende und gute Zeit erlebt hat. Trotzdem hat Laura Ludwig die Trennung eine Weile verdrängen können. Ihre Beachvolleyball-Partnerin Sara Goller hatte nach den Olympischen Spielen in London die Karriere beendet, eine Ausbildung beim Privatsender Sky begonnen und sie selbst mit Kira Walkenhorst ein anderes Strand-Projekt gestartet. Jede ging ihren neuen Weg. Bis sie sich im Frühjahr bei einem Turnier in Hamburg wiedertrafen, die Reporterin Goller und die Spielerin Ludwig.

Viele Emotionen bei der Hochzeit der Ex-Partnerin

„Wir haben uns umarmt, ganz lange gequatscht und abends auch zusammen gefeiert“, erinnert sich Laura Ludwig. Da hielten sich die Emotionen noch in Grenzen. Anders als vor gut zwei Wochen bei der Hochzeit der Ex-Partnerin in München, als Sara Goller ihren langjährigen Freund heiratete. Jetzt flossen die Tränen. „Es war eine superschöne Hochzeit, voller Emotionen“, erzählt Ludwig.

Und Erinnerungen. In keiner Rede fehlte der Hinweis, dass Goller und sie bei ihren Reisen um die Welt mehr Zeit miteinander verbracht hatten als Braut und Bräutigam. „Da wurde mir auch noch mal die lange Zeit bewusst“, sagt Laura Ludwig. Zugleich war es so etwas wie ein finaler Schlussstrich unter zehn gemeinsame sportliche Jahre.

Neues Duo harmonierte überraschend schnell überraschend gut

Beide sind mit ihrer Entscheidung im Reinen. Laura Ludwig, obwohl nur zwei Jahre jünger als Goller, hatte nie erwogen, ebenfalls mit dem Sport aufzuhören. „Beachvolleyball ist absolut mein Leben“, sagt sie unverändert. Und das neue Duo mit Kira Walkenhorst, das mit der Zielsetzung Olympische Spiele 2016 in Rio de Janeiro gebildet worden war, funktioniert verblüffend gut.

Natürlich noch nicht so wie die Kombination Goller/Ludwig, die über viele Jahre die Nummer eins in Deutschland, wenn nicht in Europa war. Zwei EM-Titel gewannen die beiden, waren sogar vorübergehend Weltranglistenerste. Bei den Spielen in London endete die gemeinsame Karriere mit Rang fünf. Doch wer gedacht hatte, Laura Ludwig würde sich nun erst einmal hinten anstellen müssen, sieht sich eines Besseren belehrt.

Im ersten Anlauf gleich EM-Bronze gewonnen

Wo sie auch mit der 22-jährigen Walkenhorst antrat, gab es Top-Ten-Platzierungen. Bei der WM in Polen wurden sie Fünfte, jüngst bei der EM in Klagenfurt gewannen sie sogar die Bronzemedaille. Beim Grand Slam in Berlin zählen sie in dieser Woche ebenfalls zu den deutschen Hoffnungsträgern. Dabei hat Ludwig jetzt nicht nur eine neue Partnerin, sondern mit der Agentur Vitesse auch ein neues Management. Und ein komplett neues Trainerteam.

Jürgen Wagner und Hans Voigt führten Julius Brink und Jonas Reckermann zum Olympiasieg in London; seitdem betreuen sie zusammen mit der Hamburger Landestrainerin Helke Claassen nun die beiden jungen Damen. Die gebürtige Berlinerin Ludwig und die gebürtige Essenerin Walkenhorst starten jetzt für den Hamburger SV. Goller/Ludwig waren noch für Hertha BSC angetreten.

Was hat sich noch verändert mit der neuen Partnerin an ihrer Seite? Laura Ludwig mag nicht vergleichen, was besser, was schlechter war. Sie sind auch noch immer dabei, sich kennenzulernen. Die Ältere nennt das die „Honeymoon-Phase: Wir sind noch sehr lieb zueinander“. Aber auf ehrlicher Basis, die Kommunikation im Team klappe sehr gut. Das ist so erstaunlich wie die sportlichen Erfolge. Denn vor ihrer Zusammenarbeit „sind wir quasi aneinander vorbeigelaufen“, sagt Ludwig, „ich war international unterwegs, sie national. Ich kannte Kira nicht. Wir haben zwei- oder dreimal gegeneinander gespielt, zwei- oder dreimal miteinander trainiert.“ Das war‘s.

Walkenhorst ist genauso ehrgeizig wie Goller

Und doch gibt es schon kleine Vergleiche. „Kira ist super ehrgeizig.“ Das war Sara Goller auch. „Beide sind sehr hart arbeitende Menschen.“ Nur ist jetzt Ludwig die Ältere, die Erfahrenere. Das hat sie auch am Verhalten ihrer neuen Partnerin gemerkt. „Kira dachte, sie muss gleich funktionieren.“ Alles gleich richtig machen. Und hat sich dann Woche für Woche besser in ihrer Rolle zurechtgefunden. Wie mit allem. „Ich muss mir immer wieder sagen: Sie ist doch erst 22! Dafür ist sie sehr erwachsen, abgeklärt und professionell. Sie wirkt auf mich erwachsener als ich zu der Zeit.“

Das alles scheint eine gute Basis für das Fernziel Rio zu sein. Aber was kommt danach? Schon mal so weit gedacht? Laura Ludwig lächelt: „Darüber will ich noch gar nicht nachdenken. Mit 30 wäre ich auch noch nicht zu alt weiterzumachen.“ Immerhin hat sie jetzt mit einem Fernstudium angefangen, Medien- und Kommunikationsmanagement nennt sich die Fachrichtung. Das bietet einige Optionen: Journalismus vielleicht, oder Marketing, irgendetwas mit Sport soll es sein. Aber: „Ich warte erst mal Rio ab. Mal sehen, wie dann mein Umfeld ist. Vielleicht will ich ja Kinder?“

Vorfreude auf ein Wiedersehen 2016 in Rio

Sara Goller hat schon bei ihrem Abschied gesagt, wie sie sich das in Rio vorstellt: „Ich hoffe, Laura und Kira nach der olympischen Medaille 2016 vielleicht schon als Journalistin interviewen zu können.“ Das wäre dann für alle drei eine emotionale Geschichte.