Beachvolleyball

Das Risiko hat sich für Beachboy Kay Matysik ausgezahlt

Der Berliner Beachvolleyballer Kay Matysik spricht über das Leben als Sportprofi, die Arbeit mit seinem Partner Jonathan Erdmann und neue Ziele nach der WM-Bronzemedaille.

Foto: Adam Nurkiewicz / Getty Images

Gleich nach der Siegerehrung bei der Beach-Weltmeisterschaft in Stare Jablonki hatte sich der WM-Dritte Kay Matysik mit seinem Partner Jonathan Erdmann mit dem Auto auf den Weg zurück in die Heimat Berlin gemacht. Bevor er heute zum nächsten Welttour-Turnier nach Gstaad in die Schweiz aufbricht, sprach der 33-Jährige mit Morgenpost-Redakteur Raik Hannemann über den Erfolg.

Berliner Morgenpost: Gratulation zu WM-Bronze, Herr Matysik. War das der schönste Moment Ihrer Karriere?

Kay Matysik: Auf jeden Fall. Den Satzball im kleinen Finale werde ich wohl mein Leben lang nicht vergessen. Zwischen Annahme und Angriff zog mein halbes Leben an mir vorbei. Was mir da alles durch den Kopf ging, war der reine Wahnsinn. Der erste Gedanke war, ich werde mir mein Leben Vorwürfe machen, wenn ich diese Chance jetzt nicht nutze. Aber dann wurde schnell mir klar, dass ich froh sein kann, alles in der eigenen Hand zu haben. Aber erst am Montagfrüh habe ich dann zu Hause auf Video gesehen, wie knapp das dann letztlich alles war.

Viel Zeit zu Feiern blieb also nicht durch die fünfstündige Autofahrt?

Die Feier wurde ins Auto verlegt. Bei Musik von Kalkbrenner haben wir die letzte Woche Revue passieren lassen und konnten unser Grinsen nicht abstellen. Daheim habe ich mich dann gleich an den Computer gesetzt und bei allen bedankt, die uns das ermöglicht haben.

Warum das?

Wir hatten dieses Jahr unser finanzielles Risiko deutlich erhöht und uns einen Vollzeittrainer zugelegt, den Spanier Danny Wood. Dazu kommen seine Reisekosten, das alles wäre ohne Partner wie Volkswagen, PostCon oder Cellagon nicht zu bewältigen. Ohne Danny hätten wir diese Medaille definitiv nicht gewonnen, aber das Risiko hat sich nun ausgezahlt. Es ist aber auch so schwer genug, gegen große Nationen zu bestehen.

Weil Brasilianer, Chinesen oder Russen mit zentralen Fördersystemen arbeiten, die deutschen Teams dagegen autark, haben Sie einen spanischen Trainer eingekauft?

Genau, wie die Vize-Weltmeisterinnen Karla Borger/Britta Büthe auch. Wir haben viel auf Teneriffa trainiert, das hat spielerisch was gebracht, und mental sind wir durch die intensive Teamarbeit auch besser geworden. Das hat man nach unserem enttäuschenden Halbfinale gesehen, danach hat der Trainer sofort wieder Ruhe in unser Chaos gebracht. Was da passiert war, habe ich bis jetzt nicht verstanden. Wenn wir öfter 35.000 Euro Prämie gewinnen würden, könnten wir auch einen Physiotherapeuten mit auf die Tour nehmen. Bei der WM war einer da für alle 16 Athleten, da bleibt für den Einzelnen nicht viel Zeit.

Was macht Danny Wood denn konkret anders als bisher?

Als Spanier mit amerikanischen Wurzeln ist er locker und kommunikativ, aber auch sehr akribisch. Er hat geschafft, dass ich mit 33 Jahren noch mal komplett neu Abwehr lerne. Und er stachelt uns ungemein an, auch als Vorbild. Er zeigt im Training viel selbst. Dann sagt er beispielsweise zu Joni: „Wenn ich das mit 37 Jahren und mit nur 1,79 Meter Körpergröße schaffe, kannst du 1,94 Meter großer Jungspund erst recht.“ Und dann funktioniert das auch.

Nach dem Olympiasieg von Julius Brink und Jonas Reckermann sorgen Sie nun wahrscheinlich dafür, dass der Beachvolleyball-Boom sich hierzulande fortsetzt.

Mich hat Frank Mackerodt, der Organisator der deutschen Tour, am Montag sofort angerufen und sich bedankt, weil das für ihn und Fernsehpartner Sky viel bedeutet. Auch der neue Verbandschef Krohne hat sich persönlich gemeldet. Bei beiden Geschlechtern Medaillen zu gewinnen, nun auch mit neuen Namen vermarkten zu können, ist das Beste, was passieren konnte. Zumal es durch Reckermanns Rücktritt und Brinks Verletzung zuletzt ja Probleme gab, weil es immer hieß: In Abwesenheit von…

Brink kehrt nach Oberschenkelverletzung in Gstaad diese Woche wieder auf die Tour zurück, muss mit seinem neuen Partner Sebastian Fuchs nun aber sogar durch die Qualifikation. Er sagte aber, dass er Ihnen diesen Erfolg zugetraut hatte.

Es ist doch gut für die Wettbewerbssituation, wenn du weißt, dass es schon was wert ist, wenn du dich national durchsetzt.

Der Brasilianer Emanuel spielte noch mit 40 Jahren gegen Sie um Bronze. Wie sind Ihre Pläne?

Meine Perspektive steht bis Rio 2016. Wenn wir noch neue Unterstützer finden, müssen wir vielleicht ja nicht mehr Campen oder auf der Weltserie in billigere Hotels umziehen, das fällt einem auch als Betriebswirt nicht immer leicht mit 33. Aber solange ich besser spiele als im jeweiligen Vorjahr, mache ich das mit. Im Winter halte ich mich dann solange mit Trainerstunden bei meinem Berliner Angebot „learn2beach“ über Wasser.