Das nennt man aufgeräumte Stimmung. Die jungen Frauen hatten gerade ein Fotoshooting hinter sich und sichtbar gute Laune. Jetzt sollten sie etwas über ihre Chancen bei der Volleyball-Europameisterschaft erzählen, deren Finalrunde am 13. und 14. September 2013 in der Max-Schmeling-Halle stattfindet.
Als erster sprach Bundestrainer Giovanni Guidetti aus, was alle dachten: „Wir können und wollen die Goldmedaille gewinnen.“ Zuspielerin Denise Hanke fügte hinzu: „Wir können was Großes leisten. Es ist viel Druck da, aber ich glaube, dass wir dem gewachsen sind.“
Die gebürtige Berlinerin ist 23 Jahre jung und erinnert sich gern an das Endspiel der WM 2002. Damals war sie als Teenager Zuschauerin, als Italien die USA bezwang und in der ausverkauften Schmeling-Halle ein wahres Volleyball-Fest stattfand. „Damals dachte ich: So etwas möchtest du auch mal erleben.“ Nun kann sich der Traum erfüllen. Vorausgesetzt, das deutsche Team übersteht die Vorrunde mit den Gegnern Türkei, Spanien und Niederlande und schafft danach den Einzug ins Halbfinale. Nur die entscheidenden Spiele finden in Berlin statt. Aber das trauen sich die deutschen Volleyballerinnen zu.
Und warum ausgerechnet Berlin, wo Frauen-Volleyball nicht ständig im Fokus steht? Für Jürgen Lamberti, EM-Exekutivdirektor, keine Frage: „Berlin ist für mich die Sportstadt überhaupt.“ Und inzwischen auch die Volleyball-Metropole, immer wieder vergibt der Verband Großereignisse hierher. Wie im vergangenen Jahr die Olympia-Qualifikation der Männer, als der Sprung nach London gelang.
Nirgends ist derzeit die Begeisterung größer als in Berlin
Oder die Männer-EM 2003, die Beachvolleyball-WM 2005. Auch in diesem Jahr findet vom 6. bis 11. August mit dem Grand Slam in der Waldbühne wieder ein Beach-Event erster Güte in Berlin statt. Dazu kommt die gewachsene Dominanz der BR Volleys in der Männer-Bundesliga. Nirgends ist derzeit die Begeisterung für die Sportart größer.
Für die EM-Finalrunde sind bereits 6000 der 17.000 zur Verfügung stehenden Tickets (vor allem die teuersten) vergriffen – obwohl noch gar nicht feststeht, ob die Gastgeberinnen dabei sein werden. Auch in Halle/Westfalen, wo das deutsche Team seine Vorrunde bestreitet sowie Achtel- und Viertelfinale stattfinden, ist die Nachfrage sehr groß. Mit jedem Weiterkommen von Guidettis Schützlingen, so viel dürfte klar sein, wird sie noch größer.
Markenzeichen ist der außergewöhnliche Teamgeist
Der Optimismus ist groß nach dem jüngsten Gewinn der Europaliga. Vor dem EM-Start am 6. September versucht das Team, beim World Grand Prix mit Turnieren in Italien, Polen und Thailand und im Erfolgsfall auch noch beim Finalturnier in Japan Matchhärte zu erlangen. Ein straffes Programm, aber Mittelblockerin Christiane Fürst, mit fünf EM-Teilnahmen die Erfahrenste in der deutschen Mannschaft, bereitet das keine Sorgen: „Diese Mädels sind etwas Besonderes, sie haben einen ganz außergewöhnlichen Teamgeist. Das zeichnet Mannschaften aus, die erfolgreich sein wollen.“ Und gute Laune natürlich.




