Das ganze Drumherum soll eine Ahnung davon vermitteln, was noch alles kommen kann. Zahlreiche Besucher, so um die 10.000, Fernsehen, großes Stadion. „Wir werden am Sonntag für ein Umfeld sorgen, das nicht Fünfte Liga ist. Das zeigt, welches Potenzial dahinter steckt, wenn der Verein Erfolg hat“, sagt Volkan Uluc.

Der jüngste Erfolg war für den BFC Dynamo der Gewinn des Berliner Landespokals. Es ist die Eintrittskarte in eine andere Welt, am Sonntag spielt der fünfklassige Fußballklub aus Hohenschönhausen nun in der ersten Runde des DFB-Pokals gegen den Bundesligisten VfB Stuttgart (16 Uhr, Jahn-Sportpark).

Albtraum gegen Kaiserslautern

Ein besseres Los, sagen sie im Klub, hätte es gar nicht geben können. Im Prenzlauer Berg steht das Stadion, dort wohnen viele Schwaben. Alle sehnen sich nach einem Fußballfest. Doch die Vorfreude erfährt immer wieder Einschränkungen. „Wir hoffen, alles Menschenmögliche getan zu haben, dass es ruhig bleibt“, sagt Klubsprecher Martin Richter. Als der BFC zuletzt von einem großen Fest träumte, erlebte der Klub einen heftigen Albtraum.

Zwei Jahre sind seither vergangen. Damals unterlag der BFC in der ersten Runde dem 1. FC Kaiserslautern (0:3). Kurz nach Spielschluss stürmten BFC-Fans den Lauterer Block und prügelten auf alles ein. Das düstere Bild, das der Klub über Jahre mit sich herumschleppte, lebte wieder auf. Dynamo als das Böse, der Klub mit den Problemfans, den Hooligans. Alle Klischees bestätigt.

Im normalen Alltag gibt es keine Probleme mehr

Davor, dass nun Ähnliches passiert, graut ihnen. „Das ist definitiv die größte Sorge, die kann uns keiner nehmen“, erzählt Richter. Schließlich dachten damals auch alle, diese Zeiten wären vorbei. Es war ja lange nichts passiert. Im Verein liefen die Prozesse, das Klientel zu befrieden. Im normalen Alltag funktionierte auch alles. Nur die große Bühne mit zehnmal so vielen Zuschauern im Stadion war eben etwas anderes.

An den Ernstfall will niemand denken. „Ich glaube, wir haben unsere Lektion gelernt und die Hausaufgaben gemacht“, sagt Richter. Damals versagte der Sicherheitsdienst, er ließ ein Tor offen. Der Klub trennte sich von dem Anbieter. Auch die Polizei hinterließ keinen guten Eindruck, war zwischenzeitlich abgerückt. 27 Festnahmen gab es letztlich, viele der Schläger sind durch eine enge Kooperation mit den Behörden identifiziert worden, über 30 bundesweite Stadionverbote wurden ausgesprochen.

Der Verein hat Angst vor Krawalltouristen

Am Sicherheitskonzept für das Spiel am Sonntag wurde viel gefeilt. Anders als damals dürfen Leute, die außerhalb Berlins wohnen, im Vorverkauf keine Karten erwerben, falls sie keinem Fanklub angehören. „Wir wollen keine Krawalltouristen“, so Richter. Etwa 80 Prozent der Gewalttäter von 2011 sollen keine BFC-Fans gewesen sein, sondern Leute, die nur eine Bühne suchten und auf die der Klub keinen Einfluss hatte. Es wird jetzt viel mehr Pufferblöcke geben als vor zwei Jahren und auch deutlich mehr Ordnungskräfte.

Die Bemühungen des Klubs finden beim Berliner Fußball-Verband (BFV) hohe Anerkennung. „Es läuft alles in großem Einvernehmen ab“, sagt BFV-Präsident Bernd Schultz. Seit eineinhalb Jahren sind Klub, Verband, Senatsverwaltung und Polizei in ständigen Gesprächen, alles wurde enger verknüpft, die Vorurteile auf beiden Seiten abgebaut. Die Zusammenarbeit laufe besser als je zuvor. Auch schreitet der Selbstreinigungsprozess unter den Fans voran. „Wer neben der Spur ist, wird nicht mehr akzeptiert“, sagt Sven Radicke, Schatzmeister des Klubs und in Sicherheitsfragen eng eingebunden.

Stuttgart ist eine neue Chance, das gute Potenzial zu zeigen

Welchen Wert der ganze Aufwand hat, wird der Sonntag erweisen. Beteuerungen, dass sich viel verändert hat, gab es oft beim BFC. Doch das Image ist das alte geblieben, vielleicht sogar noch stärker verankert in den Köpfen durch die Vorfälle gegen Kaiserslautern. Obwohl der Klub keine Alleinschuld daran trägt. Aber danach fragt am Ende niemand.

Stuttgart ist eine neue Chance, eine, von der alle hoffen, dass sie endlich das gute Potenzial des BFC Dynamo zeigt.