Beachvolleyball

Zwei Berliner Beachboys holen bei der WM Bronze

Trotz ihrer desaströsen Halbfinalniederlage haben Kay Matysik und Jonathan Erdmann die Weltmeisterschaft in Polen mit einem Erfolg abgeschlossen: Der Sieg im Spiel um Platz drei ist der größte Erfolg ihrer Karriere.

Foto: Tomasz Waszczuk / dpa

Kurz nach der Siegerehrung stand schon die nächste Etappe auf dem Programm: Per Auto traten Kay Matysik und Jonathan Erdmann am Sonntagabend die Reise von Polen nach Deutschland an. Genauer: 575 Kilometer von Stare Jablonski nach Berlin. Zu vermuten ist, dass es eine recht vergnügliche Fahrt wurde. Denn im Gepäck hatte das Beachvolleyball-Duo ein nettes Mitbringsel: Ihr Sieg im Spiel um Platz drei der Weltmeisterschaft gegen die brasilianische Kombination Alison/Emanuel bedeutete Platz drei, die Bronzemedaille, und gleichzeitig den bisher größten Erfolg ihrer Karriere.

„Es ist einfach fantastisch“, sagte Matysik. Kollege Erdmann sprach resümierend von „perfekten Tagen, die unheimlich Spaß gemacht haben“. Für die Berliner Beachboys ist Bronze nach Platz 33 vor vier Jahren und dem neunten Rang 2011 in Rom nicht nur das beste WM-Abschneiden, sondern auch die erste Medaille bei einem weltweiten Turnier.

Land unter gegen die Holländer

Der Sieg war umso wichtiger, als ihre Leistung im Halbfinale unterirdisch gewesen war. Ohne Satzverlust war das Duo in die Runde der besten vier eingezogen, doch nach der laut Erdmann „schlechtesten Leistung“ des Turniers scheiterten sie dort an den Niederländern Alexander Brouwer/Robert Meeuwsen glatt in zwei Sätzen. Diese sicherten sich sogar den Titel durch einen 2:0 (21:18, 21:16)-Erfolg im Endspiel gegen die Brasilianer Ricardo Santos/Alvaro Filho.

„Nach dem Halbfinale waren wir ziemlich geknickt, das steckt man nicht so leicht weg. Wir hatten nur wenig Zeit zwischen den Spielen, aber unser Trainer Danny hat uns gut auf dieses Spiel eingestellt“, sagte Erdmann, und Matysik fügte hinzu: „Unsere Leistung gegen die Holländer war so schlecht, dass wir dem nicht lange nachhängen mussten.“

Wie Brink und Reckermann

Die brasilianischen WM-Titelverteidiger, die 2012 das olympische Finale von London gegen das deutsche Duo Julius Brink/Jonas Reckermann verloren hatten, gingen als Favorit in die Partie. „Ich habe ein bisschen an London gedacht: Wenn Julius und Jonas das geschafft haben, schaffen wir das auch“, berichtete Matysik. Zudem hatte es bereits vor zwei Wochen in der Vorrunde beim World-Tour-Turnier in Rom einen 2:0-Sieg für die Berliner gegeben.

Und so beeindruckte Deutschlands derzeit bestes Duo, das sich seit 2008 gemeinsam durch den Sand wühlt, die Olympia-Zweiten mit einem effektiven Block- und Angriffsspiel. Nach nur 37 Minuten stand das deutliche Resultat von 2:0 (21:17, 21:19) fest. „Sie liegen uns als Gegner ein bisschen, aber es ist nicht so, dass sie die Punkte herschenken. Wir müssen gegen sie immer unser bestes Beachvolleyball abliefern“, sagte Matysik stolz.

Bereits am Montag geht es in die Schweiz, dort steht ab Mittwoch in Gstaad das nächste Turnier auf dem Programm. Auch in die Ende dieses Monats beginnende Europameisterschaft in Klagenfurt/Österreich können die Berliner jetzt mit großem Selbstbewusstsein gehen.

Starke Bilanz für Deutschland

Der Erfolg von Erdmann/Matysik rundete eine aus deutscher Sicht äußerst erfolgreiche Weltmeisterschaft ab. Bereits am Sonnabend hatten Karla Borger und Britta Büthe sensationell Silber geholt. Die Stuttgarterinnen unterlagen dem chinesischen Topduo Xi Zhang/Xue Chen in einem hochdramatischen Finale. „Es ist phantastisch, was unsere Beachvolleyballerinnen und -volleyballer in Stare Jablonki geleistet haben. Der deutsche Beachvolleyballsport ist auch nach dem Olympiagold von Brink/Reckermann absolute Weltklasse“, sagte Thomas Krohne, Präsident des Deutschen Volleyball-Verbandes (DVV).

Lob gab es auch von Volleyball-Bundestrainer Vital Heynen: „Das, was in den letzten anderthalb Jahren passiert, zeigt, dass der deutsche Volleyball in allen Bereichen im internationalen Level mit dabei ist. Erst das Olympiagold der Männer, nun WM-Silber für eine junge deutsche Mannschaft mit Mädchen Anfang 20 Jahre. Die haben Zukunft, Deutschland hat Zukunft. Ein unglaublicher Erfolg.“