Das Rennen, so Sechstagechef Heinz Seesing, stehe wie ein Fels in der Brandung. Recht markige Worte für einen hanseatischen Kaufmann. Denn es ist nicht selbstverständlich, dass am Donnerstag der ehemalige Radprofi und Vorjahressieger Erik Zabel den Startschuss zum 99. Berliner Sechstagerennen geben konnte. Dortmund und Stuttgart mussten passen, München hat im Dezember 2009 das letzte Mal veranstaltet. Das Geld ist knapp – und die Konzepte einiger Veranstalter scheinen nicht mehr zugkräftig.
Für die älteste deutsche Sportveranstaltung gelten die gleichen marktwirtschaftlichen Gesetze, aber vielleicht eine andere Zielsetzung als bei den Mitbewerbern. „Es gibt in Berlin eine Konstante. Die ist das Publikum“, sagt Heinz Seesing. „Wir wollen und müssen unseren Zuschauern ein Stück Lebensqualität bieten. Alles andere verfehlt seinen Zweck. Wer zum Berliner Sechstagerennen kommt, hat ein Recht sich zu amüsieren, die Alltagssorgen vor der Tür zu lassen. Das bedeutet für das sportafine Berliner Publikum eine gute Show auf der Bahn, eine gute Show im Unterhaltungssegment und ein gutes Catering“, so der Chef. Das klingt nach heiler Welt.
Nur Superstar Bruno Risi fehlt
Das stimmt so aber nicht. Erstmals seit 1997, als im damals neuen Velodrom und nach sieben Jahren Zwangspause wieder die Räder rollten, sind „nur“ 17 statt 18 Paare am Start. Die Fahrergagen wurden „der wirtschaftlichen Lage angepasst“ – sagen die Veranstalter. „Ziemlich heftig gekürzt“, sagen einige Aktive. Doch bis auf Superstar Bruno Risi werden die erwarteten über 70.000 Zuschauer, bei konstanten Eintrittspreisen, keinen Athleten vermissen. Das Programm der Steher und Sprinter bleibt ebenfalls unverändert.
Der Berliner Optimismus was die Besucherzahl angeht, speist sich auch aus der Annahme, dass sich die intensive Werbung, die in den Regionen um Dortmund, Stuttgart und München gemacht wurde, auszahlt. Im vergangenen Jahr seien etwa 20 Prozent der Besucher nicht aus der Hauptstadt gekommen. Diese Zahl werde steigen, so Seesing. Berlin sei prädestiniert dafür, dass viele Gäste des Sechstagerennens einen geschäftlichen Aufenthalt in der Stadt mit einem verlängerten Wochenende verbinden. Fast 1500 ausländische Gäste hätte man 2009 begrüßen könne. Die meisten internationalen Besucher reisten in den vergangenen Jahren aus Norwegen, Italien und den Niederlanden an.
Lokalmadator Robert Bartko in der Favoritenrolle
Unabhängig davon wollen sich die Berliner Veranstalter nicht in anderen Städten engagieren, es sei denn, es ergibt sich eine Kooperation mit Leipzig. In der Messestadt scheiterten alle Versuche am Terminkalender. „Jetzt, wo der Termin von München frei wird, darf man sicher neue Überlegungen anstellen“ sagt Heinz Seesing.
Dass vor dem 100. Berliner Sechstagerennen 2011 diesbezüglich Nägel mit Köpfen gemacht werden, ist jedoch keinesfalls sicher. Sicher ist dagegen die Teilnahme von neuen „ausländischen Gästen“ im Starterfeld. Ziemlich exakt zwanzig Jahre sind vergangen, als zuletzt russische Fahrer, 1990 noch in der Deutschlandhalle, ins Geschehen eingegriffen haben. Damals verpflichtete der Sportliche Leiter Otto Ziege drei Fahrer aus dem Land, das bei den Amateuren fast immer unter den Besten der Welt zu finden war.
Die Bilanz der erst seit jener Saison im Profigeschäft startenden Gäste: Marat Satybaldijew landete mit dem Tschechen Martin Penc (sie waren die amtierenden Weltmeister im Punktefahren) auf Rang fünf und die Kombination Konstantin Krabzow/Uldis Ansons wurde auf Platz 12 notiert. Ab Donnerstag kommen die beiden Moskauer Jungen Alexej Shmidt und Sergej Kolesnikow zum Zuge. Die Favoritenbürde tragen sie nicht.
Diese Rolle dürften sich Lokalmatador Robert Bartko und sein Partner Roger Kluge mit den Dänen Alex Rasmussen/Michael Mörkov, den Holländern Danny Stam/Peter Schep und den Schweizern Alexander Aeschbach/Franco Marvulli teilen.





