Jürgen Klopp hat in den vergangenen Wochen eine neue Leidenschaft entwickelt. Der neue Bundestrainer der deutschen Fußball-Nationalmannschaft will Schriftsteller werden. Zumindest möchte er gerne Bücher schreiben. Über seine Spieler. Das hatte Klopp schon bei seiner ersten Nominierungspressekonferenz angekündigt.

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Nach dem 0:0 in Griechenland am Sonntagabend sagte er nun rückblickend über die ersten vier Spiele seiner Amtszeit: „Ich könnte nach den zwei Wochen über jeden Spieler ein Buch schreiben. Ein geiles Buch“, sagte Klopp und überraschte mit seinen Titelvorschlägen, die irgendwie nicht so wirklich zum Inhalt seines DFB-Starts passten.
Im Toumba-Stadion von Thessaloniki hatte der 59-Jährige ein „unglaubliches Fußballspiel“ von seiner Mannschaft gesehen. Die erste Halbzeit bezeichnete Klopp sogar als „herausragend“ und „außergewöhnlich“. Am Ende des Abends sprach er allerdings über ein 0:0. Zum dritten Mal in seinen ersten vier Spielen blieb Klopp mit Deutschland sieglos. Doch der Bundestrainer war begeistert. „Wenn man mir vor einer Woche gesagt hätte, dass wir so eine Leistung abliefern können, hätte ich das nicht geglaubt“, sagte Klopp.
Klopp konnte ein Problem noch nicht lösen
Dabei hatte die DFB-Auswahl eine Woche nach der 0:1-Niederlage gegen Griechenland in Augsburg ähnliche Probleme offenbart wie im Hinspiel. Deutschland hatte viel Ballbesitz, viele Torabschlüsse, aber wenige Momente, in denen der hohe Aufwand zu klaren Torchancen führte. Den besten Spielzug hatte Jonathan Burkardt zum vermeintlichen 1:0 vollendet, doch der Treffer wurde zurückgenommen.
In der zweiten Halbzeit ließ der deutsche Druck auf die griechische Abwehr dann schnell nach. Der frühere „Bild“-Chef Claus Strunz schrieb bei X von einer „schrecklichen Halbzeit“. Man müsse bei der Wahrheit bleiben. Und die laute: „Ein Sieg aus vier Spielen ist zu wenig“.
Dieser Darstellung konnte auch Klopp nicht widersprechen. Mit fünf Punkten aus den ersten vier Nations-League-Spielen droht Deutschland den Einzug ins Viertelfinale im März zu verpassen. Womöglich startet die DFB-Elf dann schon in die EM-Qualifikation, wenn im November in den letzten beiden Gruppenspielen in Serbien und gegen die Niederlande nicht zwei Siege folgen.

Seine ersten vier Partien als Bundestrainer hatte Klopp nicht mit dem Buchtitel „Gewinnen ist Pflicht“ versehen, sondern mit einem doppelten Kader und 44 Nominierten versucht, möglichst viele Erkenntnisse für verschiedene Kapitel zu sammeln. Und davon gab es in den vergangenen zwei Wochen einige. Die Frage ist bloß: Was macht Klopp mit der „DFB-Festplatte, die jetzt nicht mehr leer“ sei, sondern ganz viele neue Informationen enthalte?
Die Spiele gegen die Niederlande (1:1), Griechenland (0:1), Serbien (2:0) und erneut Griechenland (0:0) lieferten in der Summe mehr Fragen als Antworten. Schriftsteller Klopp aber will in den kommenden Wochen bis zur nächsten Nominierung aus den Fragezeichen ganz viele Ausrufezeichen machen. Der Stil seines Buches steht bereits fest. „Wir werden unseren eigenen Weg finden. Eigentlich haben wir ihn schon, aber wir müssen ihn noch einschlagen“, sagte der neue Bundestrainer, der an seiner Idee des Klopp-Fußballs auch im Nationalteam festhält.
Treu und Scherhant sind zwei Gewinner
Bleibt nur die Frage, mit welchen Protagonisten Klopp den passenden Titel finden will. Der Titel in der Nations League steht dabei jedenfalls nicht auf dem Plan. Der Bundestrainer will den Umbruch weiter vorantreiben. Viele Spieler konnten die erste Testphase nutzen, um im Klopp-System künftig eine wichtige Rolle einzunehmen. Allen voran die beiden Freiburger Philipp Treu rechts hinten und Derry Scherhant links vorne konnten Klopp überzeugen und gehören zu den größten Gewinnern.
Aleksandar Pavlovic hat sich im favorisierten 4-3-3-System einen Vorsprung auf der Sechs erspielt und die Debatte um Kapitän Joshua Kimmich weiter befeuert. Florian Wirtz hat seinen Platz sicher. Bei Spielern wie Jamal Musiala und Kai Havertz, die an guten Tagen immer in die Startelf gehören, entscheidet die Gesundheit darüber, welchen Stellenwert sie unter Klopp künftig haben.

In der Innenverteidigung konnten Waldemar Anton und Malick Thiaw ihre Chance nutzen und machen nun Druck auf die bisherige Stammbesetzung mit Jonathan Tah und Nico Schlotterbeck, der verletzt abreisen musste. Im Tor hat Marc-André ter Stegen zunächst die Nase vorn, doch dahinter drängt Jonas Urbig genau wie beim FC Bayern München auf den Status der Nummer eins.
Im Sturm konnte sich dagegen keiner der Kandidaten nachhaltig aufdrängen. Debütant Younes Ebnoutalib blieb ebenso torlos wie seine Kollegen Nick Woltemade und Jonathan Burkardt, wenngleich Letzterer in Thessaloniki zumindest kurzzeitig über einen Treffer jubeln durfte.
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Solange seine Angreifer aber in der Arbeit gegen den Ball immer die volle Bereitschaft zeigen, wird Klopp sie dafür belohnen. Selbst RTL-Experte Lothar Matthäus bezeichnete die Arbeit im Gegenpressing als „fantastisch“. Ein Stürmertyp wie Deniz Undav wird es daher auch weiterhin schwer haben, an seiner Geschichte im Nationalteam weiterzuschreiben.
Für Chefautor Klopp geht es nun darum, an seiner Wunschüberschrift zu arbeiten. Den Titel „Stotter-Start“, den die „Bild“ wählte, konnte jedenfalls auch der schwärmende Bundestrainer nicht verhindern.








