Es liegt schon 15 Jahre zurück, dass Jürgen Klopp mit einem einzigen Wort den deutschen Fußball revolutionierte. Der damalige Trainer von Borussia Dortmund war mit einer Art Heavy-Metal-Fußball zwei Spieltage vor Schluss Deutscher Meister geworden. Das Geheimnis dieses Erfolgs hatte Klopp mit einem Wort erklärt, dass seitdem die Fußballsprache beherrscht: Gegenpressing. Ein Jahr später prägte Klopp nach der zweiten Meisterschaft mit dem BVB den Satz: „Der beste Spielmacher der Welt ist das Gegenpressing.“

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Der ehemalige Dortmunder Meistermacher ist mittlerweile 59 Jahre alt und seit drei Spielen Bundestrainer der deutschen Nationalmannschaft. Dass sich Klopp in den vergangenen 15 Jahren zwar verändert hat, seiner Idee vom Fußball aber treu geblieben ist, ließ er nach dem 2:0 (1:0)-Sieg gegen Serbien in München schon nach einem Satz im ZDF-Interview nach dem Spiel durchblicken. „Ich habe noch nie erlebt, dass ein Spiel schlecht war, wenn das Gegenpressing durch die Decke geht. Und das ist heute durch die Decke gegangen“, sagte Klopp und grinste dabei so breit wie das Spiel der DFB-Auswahl über die funktionierenden Flügel um Debüt-Kapitän Serge Gnabry und Debüt-Nationalspieler Derry Scherhant.

Jürgen Klopp erklärt seine Spielidee

Dass das Spiel der DFB-Auswahl in der dritten Begegnung des neuen Bundestrainers zum ersten Mal richtig gut funktionierte, lag laut Klopp aber weniger an der Breite, der Tiefe oder der längeren Vorbereitungszeit für den zweiten Teil des XXL-Kaders, sondern an der Arbeit gegen den Ball. „Es ist einfach so: Wir können uns alle Freiheiten, Frechheiten und Risiken leisten, wenn wir gemeinsam die Kugel zurückerobern“, sagte Klopp und beschrieb damit für Fußballanfänger noch einmal das, was er unter Gegenpressing versteht: Die schnelle Rückeroberung des Balles nach einem Ballverlust.

Klopp war nach seinem ersten Sieg als Bundestrainer fast schon beseelt vor Glück über die Umsetzung seiner Spielidee. Dabei funktionierte gegen Serbien mit dem Gegenpressing nicht nur sein liebster Spielmacher, sondern auch der richtige Spielmacher: Florian Wirtz. Der deutsche Topstar vom FC Liverpool hat Klopp als Trainer an der Anfield Road um ein Jahr verpasst.

Deutschland - Serbien
Jürgen Klopp herzt Florian Wirtz.© Tom Weller/dpa | Tom Weller

Im DFB-Team zeigte Wirtz nun mal wieder, zu welchen Frech- und Feinheiten der Freigeist in der Lage ist. „Flo ist in Liverpool als Kreativspieler im schlimmsten Moment in eine Mannschaft gekommen, in der Fußball nicht die oberste Priorität hatte. Aber Flo ist ein unglaublicher Spieler und das wird auch wieder kommen. Er hat ein tolles Spiel gemacht“, sagte Klopp über Wirtz, der das 1:0 durch Tom Bischof mit einer starken Bewegung auf engem Raum vorbereitet und das 2:0 nach einer noch stärkeren Bewegung auf noch engerem Raum selbst erzielt hatte.

„Es hat richtig viel Spaß gemacht heute. Jeder einzelne hat alles gegeben. Wir sind einfach dem Matchplan nachgegangen“, sagte Wirtz und nutzte dafür das Wort, das zwar Thomas Tuchel erfunden, Klopp aber mitgeprägt hat. Der Bundestrainer machte deutlich, dass er zwar immer einen Matchplan habe, dieser sich unter seiner Führung aber nicht sonderlich groß verändern werde.

Auch in der Nationalelf will Klopp bei seiner Grundidee bleiben. „Wir können in unterschiedlichsten Konstellationen eine bestimmte Art von Fußball spielen. Der Fußball muss konstant bleiben, die Aufstellung kann es nicht“, sagte Klopp und antizipierte mit dieser Aussage die Frage eines Reporters, ob Kapitän Joshua Kimmich in dieser funktionierenden Mannschaft noch einen Platz im Mittelfeld habe.

Klopp beantwortet mögliche Kimmich-Debatte

Medienprofi Klopp versuchte damit ein Thema im Keim zu ersticken, machte es damit aber selbst zu einem. Gleichzeitig gab er direkt die Antwort auf eine mögliche Kimmich-Debatte. „Es hat heute in dieser Konstellation sehr gut funktioniert.“ Soll heißen: Kimmichs Vereinskollegene Aleksandar Pavlovic und Tom Bischof machten es super und ließen Wirtz durch ihre Balleroberungen glänzen. Doch das könnte künftig auch wieder Kimmich tun – sofern das Gegenpressing passt.

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Am Sonntag wird Kimmich im vierten Nations-League-Spiel gegen Griechenland in Thessaloniki (20.45 Uhr/RTL) aber erneut fehlen. Im Rückspiel gegen die Griechen, gegen die Klopp am vergangenen Sonntag seine erste Niederlage erlebt hatte, kann Deutschland mit einem Sieg nun wieder die Chance auf den Gruppensieg aufrecht erhalten. Klopp dürfte an seiner funktionierenden Startelf diesmal nicht allzu viel ändern. In jedem Fall weiß die Mannschaft nun, wie sie Griechenland bespielen muss. „Die Offensivaktionen mit diesem Gegenpressing sind gegen jeden Gegner möglich“, sagte Klopp.

Das hatte er nach dem Sieg gegen Serbien in der Kabine auch zur Mannschaft gesagt. „Ich habe den Jungs gesagt: Das muss unsere Benchmark sein.“ Geht das Gegenpressing auch in Griencheland durch die Decke, wird Deutschland am Sonntagabend wieder einen sehr glücklichen Bundestrainer erleben.