Jürgen Klopp hatte Redebedarf. Der Bundestrainer stand am Sonntagabend im Toumba-Stadion von Thessaloniki am Rande seiner Coachingzone immer wieder beim vierten Offiziellen Eric Wattellier. Klopp war nicht immer einverstanden mit der Spielleitung von Schiedsrichter Clement Turpin. Mit der Leistung der deutschen Nationalmannschaft im Nations-League-Rückspiel gegen Griechenland konnte Klopp dagegen durchaus zufrieden sein. Doch eine Woche nach dem 0:1 in Augsburg gelang Deutschland auch im Rückspiel kein Sieg gegen die Griechen. Es endete trotz langer DFB-Überlegenheit mit 0:0.

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Mit dem Hinspiel sieben Tage zuvor hatten beide Mannschaften allerdings nicht mehr viel gemeinsam. Während Klopp im Vergleich zur 0:1-Niederlage eine komplett neue Startelf nominierte, waren es auch bei den Griechen sechs Veränderungen. Trainer Ivan Jovanovic kam entgegen seiner Ankündigung der Bitte von Borussia Dortmund nach und ließ Konstantinos Karetsas zumindest in der ersten Halbzeit auf der Bank.

Rückspiel fast eine Kopie von Augsburg

Das Spiel im alten Toumba-Stadion von 1959, in sich dem in den vergangenen 67 Jahren äußerlich nicht allzu viel verändert hat, wirkte das Geschehen aber phasenweise wie eine Wiederholung von Augsburg. Griechenland verteidigte erneut in einem tiefen Block und die DFB-Auswahl suchte nach Lösungen.

Allerdings machten es die Deutschen deutlich besser als im Hinspiel. Schnellere Ballkontakte, schnellere Kombinationen und vor allem auch ein schneller Derry Scherhant sorgten dafür, dass sich die DFB-Elf in der ersten Halbzeit ein Torschussverhältnis von 13:1 erspielte. Vor allem der Freiburger Linksaußen versuchte es unermüdlich mit seinen Dribblings gegen den überforderten Ex-St.-Paulianer Manolis Saliakas.

Eines dieser Dribblings führte dann auch dazu, dass Deutschlad nach 32 Minuten verdient in Führung ging. Scherhant war links abermals mit Tempo an Saliakas vorbeigezogen und hatte in der Mitte den Fuß von Jonathan Burkardt gefunden. Der Ball war endlich im Netz. Klopp sprang in der Coachingzone jubelnd in die Arme von Nick Woltemade. Doch kurz darauf meldete sich der Video-Schiedsrichter. Tom Bischof war der Ball zuvor in einem Luftdreikampf unfreiwillig an den Arm gesprungen. Weil sich der Münchner dadurch aber vor seinem Pass auf Scherhant einen Vorteil verschaffte, nahm Turpin den Treffer zurück.

Griechenland - Deutschland
Derry Scherhant geht an Alexandros Kyziridis vorbei.© dpa | Charisius

Ein ärgerlicher Moment für Deutschland, denn mit einer Führung hätte es sich für Klopps Mannschaft deutlich leichter gespielt. Es hätten sich Räume ergeben, die die Griechen erneut nur ganz selten anboten.

Und auch für Burkardt war es eine bittere Entscheidung. Eineinhalb Jahre lang hatte der Frankfurter auf seine zweite Startelfchance in der DFB-Auswahl gewartet. Im März 2025 hatte der Stürmer, damals noch bei Mainz 05 unter Vertrag, im Nations-League-Viertelfinale in Italien erstmals für Deutschland begonnen. Seitdem hatten es Julian Nagelsmann und nun auch Klopp mit verschiedenen Stürmern probiert. Tim Kleindienst, Nick Woltemade, Niclas Füllkrug, Deniz Undav, Kai Havertz und zuletzt auch Debütant Younes Ebnoutalib – keiner von ihnen konnte sich im DFB-Team unverzichtbar machen.  

Und auch Burkardt muss nun weiter auf sein erstes Tor für Deutschland warten. Genauso wie Klopp auf das erste Stürmertor seiner Amtszeit. Auch der eingewechselte Woltemade konnte seine Torflaute im Nationalteam nicht stoppen.

Die deutsche Defensive steht erneut stabil

Zumindest konnte sich Klopp darüber freuen, dass seine Defensive diesmal bis zum Ende die Null verteidigte. Die beste Chance der Griechen hatte Bayern-Torwart Jonas Urbig schon nach 70 Sekunden entschärft. Anschließend kam der Gastgeber vor dem lautstarken Publikum nur noch nach Standards zu Möglichkeiten.

Für Klopp gab es erneut einige Erkenntnisse. Der Bundestrainer konnte wieder sehen, dass es einigen Nationalspielern an der individuellen Qualität fehlt, um einen defensiven Gegner wie Griechenland zu bespielen. Vor allem im Sturmzentrum fehlt Deutschland weiterhin ein Spieler mit internationalem Topniveau.

Dafür dürfte Klopp auch am Sonntag mit der Arbeit gegen den Ball zufrieden gewesen sein, wenngleich das Gegenpressing – anders als gegen Serbien – diesmal nicht zu zwingenden Torchancen geführt hat.

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Nach dem Vier-Spiele-Casting hat Klopp nun fünf Wochen Zeit, seine Erkenntnisse zu sortieren und dann wieder einen Kader in normaler Größe für die Spiele in Serbien (13. November) und gegen die Niederlande (16. November) zu nominieren. Dann wird sich entscheiden, ob Deutschland im März seine Chance auf den ersten Titel in der Nations League wahren kann – oder als Gruppendritter womöglich schon in die EM-Qualifikation startet.