Es lief erst die 67. Spielminute, als am Donnerstagabend plötzlich die „La Ola“-Welle durch die Allianz Arena schwappte. Die Fans der deutschen Nationalmannschaft waren nicht weniger als begeistert vom Auftritt ihres Teams, auch Bundestrainer Jürgen Klopp ließ in den letzten Minuten des 2:0 (1:0)-Siegs gegen Serbien für einen kurzen Moment seinen Blick durch das Stadion schweifen.

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Deutschland verhinderte mit dem Befreiungsschlag einen historischen Negativ-Startrekord. Nach dem 1:1 in Holland sowie der 0:1-Niederlage gegen Griechenland hatten dem DFB-Team zum ersten Mal unter einem neuen Bundestrainer drei Spiele ohne Sieg gedroht. Klopp verhinderte dies – und feierte wie einst Sepp Herberger und später Helmut Schön beim dritten Spiel den ersten Erfolg. Wer es bislang nicht wusste: Sowohl Herberger als auch Schön wurden später Weltmeister.
Deutschland gegen Serbien: Starker Auftritt des zweiten DFB-Kaders
Klopp steht derweil noch immer ganz am Anfang seiner Zeit als Bundestrainer, die Partie in München war die erste für den zweiten Teil des XXL-Kaders. Im Gegensatz zur ersten Gruppe, die vor dem Auftritt in Amsterdam kaum mehr Zeit als für das Abschlusstraining hatte, konnte die zweite zumindest viermal gemeinsam trainieren. „Wenn sie auftreten, wie sie trainiert haben, wird es sehr lebendig“, kündigte Klopp vor der Partie an.
Und das taten sie. Von Beginn an. Ohne Ball lief das DFB-Team sehr mutig an, setzte Serbien schon im Aufbauspiel unter Druck. Ein geordneter Spielaufbau der Gäste war schlicht nicht existent, die deutsche Hälfte fast während der gesamten ersten Halbzeit verwaist.
Serbien war defensiv über weite Strecken überfordert
Deutschland dagegen benötigte die eigene Hälfte nicht mal. Dauerdruck, Gegenpressing, Gier – all das führte immer wieder zu Ballgewinnen im Mittelfeld oder noch weiter vorne. Für Serbien ging alles zu schnell. Die Übersteiger von Debütant Derry Scherhant, der in der Anfangsphase dauerpräsent war. Die Doppelpässe der Bayern-Sechser Aleksandar Pavlovic und Tom Bischof. Oder die Fußgelenk-Steckbälle von Florian Wirtz.
Das deutsche Spiel war wie eine WhatsApp-Sprachnachricht, die Serbien versehentlich mit zweifacher Geschwindigkeit abspielte und nicht verstand. Fast minütlich kam die DFB-Elf zu Gelegenheiten, die besten hatten Pavlovic aus dem Rückraum (8. Minute), Serge Gnabry aus vollem Lauf (18.), Wirtz per Kopf (18.) und noch mal Gnabry (30.), der eine traumhafte Kombination mit einem Querpass auf Nick Woltemade hätte vergolden können.
Schlotterbecks Ausfall wurde gut kompensiert
Die neuformierte deutsche Abwehr, der BVB-Star Nico Schlotterbeck (Sprunggelenk) kurzfristig verletzt weggebrochen war, musste in der ersten Halbzeit nur eine haarige Situation überstehen, als Filip Kostic der hochaufgerückten DFB-Defensive entwischte, den Querpass aber nicht anbrachte.
Ansonsten spielte nur Deutschland. Von den Problemen gegen einen tiefen Block, die sich gegen Griechenland noch offenbart hatten, war nichts zu sehen. Das Einzige, was dem deutschen Spiel fehlte, war ein Tor. Doch als Wirtz seinen serbischen Gegenspieler auf kleinstem Raum aussteigen ließ, mit der linken Pike den Pfosten traf und Bischof nur noch abstauben musste, war die hochverdiente Führung endlich da (41.).
Woltemade vergibt die 2:0-Führung zunächst
Der einzige Vorwurf, den sich die DFB-Elf machen musste, war, dass es zur Pause nicht 4:0 oder 5:0 stand. Und auch die Spieler selbst schien dieser Umstand zu stören. Nach dem Seitenwechsel, Said El Mala hatte gerade Gnabry ersetzt, machte das Klopp-Team dort weiter, wo es aufgehört hatte.
Debütant El Mala zog von links in den Strafraum, verpasste mit seinem abgefälschten Schlenzer nur knapp das 2:0 (57.). Zwei Minuten später hätte dieses dann Woltemade erzielen müssen, als er eine Flanke von Philipp Treu aus zwei Metern über die Querlatte setzte.
Wirtz mit Weltklasse-Ballannahme vor dem 2:0
Aber es ging ja in diesem Zwei-Minuten-Rhythmus weiter. Pass von Maximilian Mittelstädt, in der Mitte lässt Wirtz seinen Gegenspieler mit einem Weltklassekontakt aussteigen – und schickt Djordje Petrović lässig in die falsche Ecke (61.). Klopp-Jubelfaust, die zweite – und die mit 68.121 Fans nicht ganz ausverkaufte Allianz Arena feierte.
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Deutschland verteidigte nun auch zum ersten Mal etwas tiefer in der eigenen Hälfte, sodass auch mal die Gäste vorne auftauchten. Mihajlo Cvetković verpasste allerdings einen tiefen Ball in den Strafraum knapp (72.) und Urbig parierte einen unangenehmen Kostic-Volley (76.).
Die besseren Chancen hatte aber nach wie vor die DFB-Elf, ein Thiaw-Kopfball nach starker Treu-Flanke wurde in höchster Not geklärt (81.), auch El Mala versuchte es noch mal aus der Distanz (88.). An Klopps Befreiungsschlag als Bundestrainer änderte dies aber nichts mehr.






