Die Temperaturen in Midtjylland sind zur Wochenmitte viel milder geworden. Das Tauwetter hat sich den Schnee gekrallt und in der Mitte Dänemarks die weiße Winterlandschaft in einen vernebelten Matsch verwandelt. Andreas Wolff war schon vorher heißgelaufen mit seinen Aussagen über die Spielweise der österreichischen Handballer. Als der Torhüter der deutschen Nationalmannschaft am Donnerstagabend das Feld der Jyske Bank Boxen von Herning betrat, wollte im Austria-Lager nach den Sticheleien verständlicherweise niemand so richtig warm werden mit dem 34-Jährigen. Handshake hier, ein ernster Blick tief in die Augen da. Dazu gängiges Gepose nach einem gehaltenen Wurf und anerkennende Klapser am Ende. Es ging sich aus, am Ende doch kein Grund für eine Staatskrise.

Handball-EM: Nur acht Gegentore zur Pause sind eine Ansage

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Deutschlands Riese im Tor bescherte der DHB-Auswahl mit zehn Paraden einen glänzenden Einstieg ins EM-Turnier. Am Ende hieß es 30:27 (12:8) für die Mannschaft von Bundestrainer Alfred Gislason – enger als nötig, zugegeben. Aber am Samstag (20.30 Uhr/ARD) kann gegen Serbien schon der Einzug in die Hauptrunde fixgemacht werden. Die Einschätzung, „wir sind deutlich schwerer auszurechnen“, schlug sich auch in der Torschützenliste nieder, die acht deutsche Namen aufführte. Am treffsichersten waren für den zweimaligen Europameister (2004 und 2016) am Ende Johannes Golla (7), Lukas Zerbe (6/davon 3 Siebenmeter) Miro Schluroff und Renars Uscins (je 4).

Deutschland - Österreich
Sieben Treffer und Deutschlands bester Torschütze: Johannes Golla (links).© dpa | Schuldt

Auch wenn Österreich der vermeintlich leichteste Gegner dieser EM gewesen sein dürfte: Gislasons Auswahl unterstrich eindrucksvoll, sich die qualitative Ausgeglichenheit nicht bloß eingeredet zu haben. Der 66 Jahre alte Isländer wechselte munter durch, sah, wie Tom Kiesler in der Deckung gegen Schwergewichts-Kreisläufer Tobias Wagner zugriff, Marko Grgic aber noch Zielwasser trinken sollte für seine Würfe, EM-Debütant Schluroff eine Rakete nach der anderen aus dem Arm feuerte, Juri Knorr sein Team vor allem im zweiten Durchgang anführte. Schade nur, dass gerade mal 5820 Zuschauer in der Jyske Bank Boxen das deutsche Abwehrbollwerk miterlebten. Lediglich acht Gegentore zur Pause sind schon eine Ansage. Auch wenn die Gegentorquote später nicht gehalten werden konnte.

DHB-Torwart poltert, aber Österreich spielt gar nicht wie befürchtet

Die Dissonanzen, für die Wolff im Vorfeld des EM-Auftakts gesorgt hatte, waren den Nachbarn allenfalls in handelsüblicher Zweikampfhärte anzumerken. Der deutsche Torwart hatte Österreichs Spielstil als „hässlichen Anti-Handball“ bezeichnet, weil sie im Positionsangriff oft als den Tormann zugunsten eines siebten Feldspielers herausnehmen. Bei der Frotzelei monierte der in Lemgo beschäftigte ÖHB-Torwart Constantin Möstl, einer von sechs Bundesliga-Legionären, eine „unpassende Wortwahl“ – er hätte Wolff noch Sachunkenntnis vorwerfen können, denn an diesem Abend praktizierte das Team von Iker Romero gar nicht besagtes Defensivsystem. Viel Getöse um nichts also.

Deutschland - Österreich
Immer auf dem Posten: Nationaltorhüter Andreas Wolff.© dpa | Schuldt

Dabei wussten die Mannen um Kapitän Golla auch so zu gut, was sie erwarten würde. Schließlich ist seit 2020 keine EM vergangen, an der beide Teams sich nicht auf der Platte gegenübergestanden hätten. Was beim Gislason-Team aber lange Zeit unterbunden wurde, war das Spiel über die Außen. Lukas Mertens und Lukas Zerbe schlossen erst spät ab. Immerhin: Team Austria verzögerte kaum das Spiel, sondern kam gegen die bärige deutsche Deckung nur schwerlich zum Abschluss. Und wenn doch, war da ja noch Andreas Wolff – bis auf in einer sechsminütigen Auszeit (41. bis 47.), als Sebastian Frimmel den Kieler mit einem Gesichtstreffer kurzzeitig ausgeknockt hatte.

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Die personelle Flexibilität soll sich schon am Samstag als Trumpf gegen die Serben erweisen, die beim 27:29 gegen Spanien keinen furchterregenden Eindruck hinterließen. „Jetzt haben wir den Luxus, Spielzeit verteilen und Kräfte schonen zu können“, so Golla. „Bei unserem Programm ist es nahezu unmöglich, dass man das ganze Turnier durchspielt.“ Die deutschen Handballer haben noch viel vor in den nächsten Tagen in Herning.

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