Die Berliner Polizei bereitet sich angesichts des Viertelfinal-Spiels Türkei gegen Niederlande und des Besuchs des türkischen Präsidenten Recep Tayyip Erdogan auf einen Großeinsatz vor. Gegen 16 Uhr wollen sich die türkischen Fans zu einem Fanmarsch am Breitscheidplatz versammeln und in Richtung Olympiastadion laufen. Um 17 Uhr treffen sich die niederländischen Fans am Hammarskjöldplatz vor den Berliner Messehallen. Bei beiden Fanmärschen rechnet die Polizei laut der Sprecherin Beate Ostertag mit mehreren tausend Teilnehmern.

Donnerstag
Eiszeit – der Eisbären-Newsletter
Jeden Donnerstag alles Wichtige von den Eisbären Berlin – Highlights, News und spannende Einblicke.
Mit meiner Anmeldung zum Newsletter stimme ich der Werbevereinbarung zu.
Dabei konzentriert sich die Polizei laut Ostertag darauf, die Fanmärsche sicher zum Stadion zu geleiten. Der Wolfsgruß spielt dabei keine Rolle. Dieser, so Osterstag, werde nicht als Straftat gewertet. Daher gibt es auch keine Grundlage, um den Wolfsgruß beispielsweise zu untersagen. Die Handbewegung ist eines der bekanntesten Zeichen der türkischen rechtsextremen Ülkücü-Bewegung, die auch als „Graue Wölfe“ bekannt ist. Anhänger drücken damit Zugehörigkeit aus, nutzen die Geste aber auch, um politische Gegner zu provozieren. Bei den türkischen Wahlen in Berlin im vergangenen Jahr zeigten Anhänger den Gruß in Richtung einer kurdischen Gruppierung. Die Polizei hatte damals Mühe, die beiden Gruppen auseinanderzuhalten. In der Türkei wird der Gruß unter anderem auch von der ultranationalistischen Partei MHP genutzt, die Partner der Regierung von Recep Tayyip Erdogan ist.
Auch interessant
Erdogan in Berlin: Besuch bindet zahlreiche Einsatzkräfte
Der türkischen Fußball-Nationalspieler Merih Demiral hatte den Wolfsgruß bei seinem Torjubel beim 2:0-Sieg der Türkei gegen Österreich gezeigt und damit eine weitreichende Debatte ausgelöst. Hochrangige Politiker in Deutschland kritisierten den Jubel scharf. Bundesinnenministerin Nancy Faeser (SPD) und andere Politiker forderten Sanktionen der UEFA. Inzwischen wurde der Spieler für zwei Spiele gesperrt. Der Berliner CDU reicht das nicht. Die Generalsekretärin der Berliner CDU, Ottilie Klein, forderte auch ein konsequentes Handeln des Rechtsstaats. „Rechtsextreme Organisationen haben keinen Platz in Deutschland und ihre Zeichen genauso wenig. Ich erwarte, dass Nancy Faeser sich nicht nur über diesen Vorfall empört, sondern ihn zum Anlass nimmt, um die Grauen Wölfe und ihre Symbole endlich zu verbieten“, sagte sie der Berliner Morgenpost. Das gelte auch dann, wenn der türkische Staatspräsident nach Deutschland kommt.
Der langjährige Vorsitzende der Türkischen Gemeinde und derzeitige Berliner-Chef der türkischen Oppositionspartei CHP, Kenan Kolat, sprach davon, dass die Geste und die Diskussion die Atmosphäre in Deutschland „vergiftet“ habe. Er sei seit 45 Jahren in Deutschland. Alles, was man mit Hinblick auf die Integration „mühselig“ aufgebaut habe, werde mit einer Aktion „zunichte gemacht“. Dennoch ruft er zur Besonnenheit auf und hat einen Vorschlag: „Faeser oder Scholz sollten das Spiel gemeinsam anschauen, um zu deeskalieren“.
Dazu wird es aber nicht kommen. Einen Staatsempfang wie zuletzt im November wird es für Erdogan nicht geben und auch kein gemeinsames Spiel mit dem Bundeskanzler. Er habe mit Erdogan kein direktes Treffen, sagte Bundeskanzler Olaf Scholz am Rande der Haushalts-Pressekonferenz. Der Bundesminister für besondere Aufgaben und Chef des Bundeskanzleramts, Wolfgang Schmidt (SPD), wird allerdings mit Erdogan das Spiel Türkei gegen Niederlande ansehen und den türkischen Präsident treffen. Das bestätigte ein Regierungssprecher der Berliner Morgenpost.
Spannend abzuwarten wird sein, ob der türkische Präsident den Gruß verwendet und wie die Fans im Stadion reagieren. Im Vorfeld hatte eine Ultra-Gruppierung Anhänger der türkischen Nationalmannschaft aufgefordert, die Geste während der Nationalhymne zu zeigen.
Die Berliner Polizei wertet den Besuch Erdogans ebenfalls als einen Privatbesuch. Dennoch wird das zahlreiche Einsatzkräfte binden. Laut Sprecherin Beate Ostertag werden Sicherheitsmaßnahmen ergriffen, um Erdogan zu schützen. Wie diese Maßnahmen aussehen, wollte sie mit Verweis auf die Sicherheit und einsatztaktischen Gründen nicht sagen.
Türkei gegen Niederlande: Gegenproteste bislang nicht angekündigt
In der Vergangenheit kam es bei Besuchen des türkischen Präsidenten immer wieder zu Gegenprotesten. Unter anderem kurdische Initiativen organisierten Demonstrationen, um gegen Erdogan zu wettern. Bislang ist keine solche Veranstaltung angezeigt. Mit Stand von Freitagmorgen gebe es keinen Gegenprotest, so Ostertag. „Das ist der Stand von heute Morgen. Spontanversammlungen kann es aber geben“, sagte Ostertag. Auch dem Kurdischen Zentrum für Öffentlichkeitsarbeit war auf Nachfrage unserer Redaktion bislang keine Anmeldung von Gegenprotesten bekannt.
Eine thematische Überschneidung hat lediglich eine Kundgebung, die auf der Großen Sternallee Ecke Tiergartenstraße unweit der Fan Zone stattfinden soll. Unter dem Motto „Stoppt die Gewalt gegen syrische Flüchtlinge in der Türkei“ wollen Teilnehmer demonstrieren. In der Türkei kam es zuletzt zu schweren Ausschreitungen gegen syrische Geflüchtete, in Syrien hingegen gab es Proteste, die sich gegen die Türkei richteten. Die Demonstration ist von 16 bis 19 Uhr angemeldet. Gegen Ende der Kundgebung dürften sich bereits erste türkische Fans in der Fan Zone versammeln, um die Übertragung am Brandenburger Tor zu sehen.
Für die Berliner Polizei wird der Abend mit Ende des Spiels nicht vorbei sein. Sollte die Türkei das Viertelfinalspiel gegen die Niederlande gewinnen, rechnet die Polizei mit einem Jubelkorso. Bereits bei anderen Siegen der türkischen Nationalmannschaft kam es zu Autokorsos in der Stadt. Zuletzt feierten die türkischen Fans in der City West auf dem Kurfürstendamm und Tauentzien.






