2023 begann für Amanal Petros mit dem Wechsel zum SCC Berlin. Nun endet sein erstes Jahr in der Hauptstadt mit der Auszeichnung als Berlins Sportler des Jahres. Im erfolgreichsten Jahr seiner Karriere gab es einen herausragenden Höhepunkt: Der deutsche Rekord beim Berlin-Marathon im September mit einer Zeit von 2:04:58 Stunden. Petros gewann die Wahl vor Kanu-Weltmeister Tim Hecker (SC Berlin-Grünau) und Hockey-Weltmeister Martin Zwicker (Berliner Hockey-Club).

„Das ist wie ein Traum für mich“, sagt Petros zur Auszeichnung. „Alleine die Nominierung war für mich schon eine Ehre. Ich stand noch nie auf so einer großen Bühne.“ Deutscher Rekordhalter war der 28-Jährige schon vorher, aber 2023 stieß er endgültig in die Weltspitze vor. Der Berlin-Marathon gilt als schnellster Marathon der Welt, Petros war bester Deutscher und in der Gesamtabrechnung Neunter. „Es ist eine riesengroße Ehre für mich, da unter die Top Ten zu kommen“, erklärt Petros.

„Der Marathon ist gemein“, sagt Amanal Petros

Er wurde 1995 in Eritrea geboren, seine Mutter flüchtete mit ihm und seiner Schwester zwei Jahre später nach Äthopien. Als 16-Jähriger kam Petros 2012 allein nach Deutschland. Die Betreuer in seiner Flüchtlingsunterkunft erkannten sein Talent und schickten ihn nach einer kurzen Stippvisite beim Fußball in einen Leichtathletik-Verein. Petros etablierte sich über starke Leistungen bei Jugendmeisterschaften in der nationalen Spitze und wurde 2015 deutscher Staatsbürger. 2020 brach er beim Valencia-Marathon erstmals den deutschen Rekord, 2021 startete er bei den Olympischen Spielen in Tokio.

Als Marathonläufer ist es der 28-Jährige gewohnt, nur wenige Chancen zu haben, sein Können zu zeigen. Anders als Mannschaftssportler kann er nicht gleich am nächsten Wochenende wieder seine Fehler ausbügeln, wenn es mal nicht so läuft. „Der Marathon ist hart, der Marathon ist gemein“, sagt Petros.

Petros trainierte vier Monate in Kenia für den Berlin-Marathon

So sehen viele Leute zum Beispiel nur den Wettkampftag in Berlin, doch hinter einer Fabelzeit wie der von Petros steckt intensives Training. „Ich habe mich noch nie so für einen Marathon vorbereitet. Ich habe vier Monate extra dafür investiert“, sagt der Läufer über sein Trainingslager in Kenia. Dabei schwang immer das Wissen mit, was passiert, wenn Dinge am Tag der Tage in Berlin schiefgehen sollten: „Du verlierst mental. Du verlierst Zeit. Du verlierst die Finanzierung. Du verlierst die Energie. Du verlierst einfach alles.“

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Doch sein erster Marathon-Start in der Hauptstadt wurde zum vollen Erfolg, sein zweiter deutscher Rekord in 2023 nach dem 10-Kilometer-Straßenlauf im Februar (27:32 Minuten in Castellón, Spanien). Petros ist ein bescheidener, aber sehr akribisch arbeitender Athlet – und ruht sich deshalb nicht auf den Erfolgen von 2023 aus.

Im neuen Jahr geht es schon bald wieder nach Kenia, um sich auf das große Higlight 2024 vorzubereiten. „Olympia wird das Wichtigste überhaupt. Der ganze Fokus, der ganze Plan, den ich mit meinem Team organisiert habe, dreht sich nur um Olympia.“ Und auf dem Weg nach Paris ist der goldene Bär für Berlins Sportler des Jahres sicherlich eine gute Motivation.