„Hallo Berlin. Recht herzlichen Dank zur erneuten Wahl zum Trainer des Jahres. Ehrt mich, freut mich. Es war eine Wahnsinnszeit, eigentlich eine geile Zeit. Ganz liebe Grüße aus Zürich und bleibt gesund.“

Die Worte, die Urs Fischer in seiner Videobotschaft anlässlich der Wahl zum Trainer des Jahres in Berlin wählte (vor Bob Hanning/Füchse Berlin und Cedric Enard/Ex-Coach BR Volleys), waren vor allem von einem geprägt: Dankbarkeit. Dafür, dass der Schweizer für seine Arbeit von den Berlinerinnen und Berlinern erneut Anerkennung fand. Dankbarkeit auch dafür, dass die Profis des Fußball-Bundesligisten wiederholt zur Mannschaft des Jahres gekürt wurden (vor den Basketball-Weltmeistern aus Berlin und den BR Volleys).

Vor allem aber ließ Fischer klar erkennen, welche Reise er mit den Köpenickern erlebt hat seit seinem Amtsantritt im Sommer 2018. Erst recht in der vergangenen Saison, in der die Symbiose Fischer/Union das Team auf den vierten Platz der Bundesliga und damit erstmals in der Klubgeschichte in die Champions League gehievt hatte.

Unter Fischer wurden Spieler bei Union Berlin besser

Fischers Idee, ausschließlich von Spiel zu Spiel zu denken, war das Fundament dieses Erfolges. Seine Art, mit den Spielern, aber auch allen Mitarbeitern des Vereins umzugehen, hatte in Richtung höchste europäische Fußballbühne alles zusammengehalten.

Jeder, der mit dem Schweizer zu tun hatte, bekam das Gefühl, wichtig zu sein für das Gesamtkonstrukt. Folglich durfte sich auch jeder als Teil dieses ebenso spektakulären wie unerwarteten Höhenfluges betrachten. Dass trotzdem niemand wirklich abhob, liegt in der Bodenständigkeit begründet, die Fischer Tag für Tag vorgelebt hatte.

Unter ihm wurden Spieler besser, auch in der vergangenen Spielzeit. Kevin Behrens, einst vom SV Sandhausen geholt, schaffte es sogar bis in die deutsche Nationalmannschaft. Nicht zuletzt der Stürmer ist ein Beleg für die gute Arbeit, die Fischer bei Union geleistet hat.

Auch Berlin profitiert von Union-Erfolg

Die Mannschaft zahlte Fischers meist ruhige, in jedem Fall aber konsequente Arbeit in der abgelaufenen Spielzeit mit Leistung zurück. Ganz seinem Gedanken folgend, dass nicht einer allein für den Erfolg verantwortlich ist, hatte Fischer stets sein Trainerteam miteinbezogen, wenn er als Vater des Union-Erfolges bezeichnet wurde.

Ob die Co-Trainer Markus Hoffmann und Sebastian Bönig, Torwarttrainer Michael Gspurning (inzwischen auch Torwartcoach des österreichischen Nationalteams) oder Athletikcoach Martin Krüger: Unter Fischers Leitung formten sie einen Union-Kader, der nicht nur dem Verein selbst enorme Aufmerksamkeit verschaffte.

Mit klangvollen europäischen Fußballnamen wie Ajax Amsterdam, das im Februar in der ersten K.o.-Runde der Europa League in der Alten Försterei zu Gast gewesen ist, oder wie nun in der Königsklasse Real Madrid und die SSC Neapel im ausverkauften Olympiastadion war die Hauptstadt wieder ein Teil des kontinentalen Fußballs. Darüber hinaus brachten die Auftritte der Mannschaft unter Fischer dem Klub viel Respekt und Anerkennung ein.

Bauprojekte von Union Berlin bekommen einen Schub

Nur aufgrund dieser Erfolge ist es Union auch möglich, sein ehrgeiziges Stadionprojekt voranzubringen. Die neue Alte Försterei, die 37.000 Plätze haben soll, das bereits im Bau befindliche neue Trainingsgelände, dazu die infrastrukturellen Maßnahmen inklusive eines Parkhauses, in das eine Konzertbühne integriert werden soll – Fischers Erfolge mit Union wirkten wie ein Katalysator, wenn es darum ging, die Pläne voranzutreiben. Dass die gemeinsame Reise mit einer Trennung Mitte November endete, die nach einer beispiellosen sportlichen Talfahrt wohl unausweichlich gewesen ist, tut dem Erfolg dennoch keinen Abbruch.

„Vielen, vielen Dank, dass ihr uns wieder zur Mannschaft des Jahres gewählt habt. Das macht uns stolz. Speziell in der Saison mit der Qualifikation zur Champions League war es einzigartig und herausragend. Drückt uns die Daumen, dass wir aus der aktuellen Situation wieder herauskommen!“, ließ Union-Kapitän Christopher Trimmel wissen. Insofern ist diese Wahl auch ein letztes Dankeschön der Stadt, die in ähnlicher Art und Weise profitieren durfte, wie es auch der Köpenicker Klub getan hat.