Über eine halbe Stunde nach Spielende feierten die Fans des SC Magdeburg noch immer in der Max-Schmeling-Halle. Sie herzten sich, johlten und hüpften, während die Spieler und Fans der Füchse Berlin mit hängenden Köpfen flüchteten. 29:30 (16:17) verloren die Berliner das dramatische Pokal-Viertelfinale und haben damit das Final Four in Hamburg und ihr erstes Saisonziel verpasst. „Magdeburg war heute die bessere Mannschaft“, sagte Füchse-Trainer Velimir Petkovic.
„Das ist einfach unglaublich“, freute sich Bennet Wiegert. Der Trainer des SCM hatte die vergangenen Partien gegen die Füchse noch in bester Erinnerung: Mehrmals hatte seine Mannschaft auch hohe Führungen nicht über die Zeit retten konnte. Das war auch der Grund, warum Wiegert zwei Sekunden vor Spielende, als er bei eigenem Ballbesitz 30:29 führte, noch eine Auszeit anberaumte, was ihm Pfiffe unter den 8.878 Zuschauern und Kopfschütteln seitens der Füchsespieler einbrachte. „Das sollte keinesfalls respektlos sein“, verteidigte sich Wiegert. „Ich weiß einfach, was in den letzten Sekunden im Handball passieren kann und wollte auf Nummer sicher gehen.“
Auch 16 Paraden von Torwart Heinevetter reichen nicht
In der ersten Hälfte hatten die Füchse bereits eine 10:5-Führung seitens der Gäste aufgeholt. Beide Mannschaften hatten wie von Rückraumspieler Fabian Wiede prognostiziert, Probleme im Positionsangriff. Dem SCM aber gelang es immer wieder, ihren Rechtsaußen Robert Weber einsetzen, der mit 14 Toren (davon sechs Sieben-Meter) der beste Werfer der Partie war. Die Füchse hingehen blieben oft ideenlos in der gegnerischen Abwehr hängen. „Wir haben einfach schon wieder keine Lösungen gefunden“, sagte Wiede mit Tränen in den Augen. Auch 16 Paraden von Füchse-Schlussmann Silvio Heinevetter reichten da nicht aus. „Wenn der Gegner eine gute Deckung stellt, fehlt uns derjenige, der den Angriff organisiert oder selbst Verantwortung übernimmt“, sagte Petkovic.
Die neue Unberechenbarkeit der Füchse, mit der sie den SC Magdeburg überraschen wollte, wurde ihnen schließlich zum Verhängnis. Insgesamt zwölf technische Fehler der Berliner trugen dazu bei, dass die Magdeburger ihren ersten Sieg in der Max-Schmeling-Halle seit 2009 feiern konnten. Bereits 2015 wurden sie den Füchsen im Pokal zum Verhängnis, damals allerdings erst im Halbfinale. Dort trifft Magdeburg nun am 5. Mai auf die Rhein-Neckar-Löwen. Der Berliner Diskus-Olympiasieger Robert Harting loste außerdem die HSG Wetzlar und den TSV Hannover-Burgdorf für das zweite Halbfinale zusammen.
Das interessierte die Magdeburger an diesem Abend aber nicht so sehr. „Es gibt gerade nichts Schöneres, als hier im Pokal mit einem Tor zu gewinnen“, sagte SCM-Schlussmann Dario Quenstedt. Für die Füchse Berlin geht es nun darum, sich möglichst schnell zu regenerieren. Bereits am kommenden Sonntag empfangen sie in der Bundesliga den VfL Gummersbach (12.30 Uhr, Schmeling-Halle) und auch im Europapokal warten noch einige Herausforderungen.




