Kommentar

Prokop verdient eine zweite Chance

Dass Christan Prokop Handball-Bundestrainer bleibt, ist richtig. Doch Coach und Team müssen aus EM-Fehlern lernen, meint Alexandra Gross.

Christian Prokop bleibt Handball-Bundestrainer

Christian Prokop bleibt Handball-Bundestrainer

Foto: Monika Skolimowska / dpa

Was wurde in den vergangenen Wochen geschimpft und gelästert. Christian Prokop hätte viele falsche Entscheidungen vor und während der EM getroffen, er würde die Mannschaft nicht erreichen, zudem sei er ja auch zu unerfahren und viel zu jung. Die selbst ernannten Handball-Experten wussten es ja schon immer, dass das nicht gut gehen würde. In der Tat war der neunte Platz bei den Titelkämpfen in Kroatien eine große Enttäuschung, zu wenig ein Jahr vor der WM im eigenen Land. Dennoch sprach nun der Deutsche Handballbund (DHB) Prokop das Vertrauen aus.

Der Verband hat sich davor gehütet, einen Schnellschuss abzufeuern und damit die populistischen Schreie nach Veränderung zu bedienen. Und er hat nach intensiver Analyse und Gesprächen mit den Verantwortlichen und Spielern eine Entscheidung mit Augenmaß getroffen. Dabei hat der Bundestrainer Fehler eingeräumt und zeigte sich stets gesprächsbereit. Es war ein steiniger Weg, wie der DHB einräumte.

Nun erhält der 39-jährige Prokop mit seinem Konzept eine zweite Chance. Damit leitet auch Bob Hanning weiter die sportlichen Geschicke des mitgliederstärksten Handballverbandes weltweit als Vizepräsident. Der Füchse-Geschäftsführer hätte im Fall eines Prokop-Aus wohl seinen Posten geräumt. Wäre es anders gekommen, wäre der DHB in schwere Turbulenzen geraten. Immerhin will Hanning die DHB-Auswahl 2019 zu einer WM-Medaille und 2020 in Tokio zu Olympia-Gold führen. Das sind hehre Ziele. Aber nur konsequent bei einer Bundesliga, die als beste Liga der Welt gilt.

Der Trainer muss mehr auf die Mannschaft zugehen

Nicht akzeptabel ist, dass einige Spieler im Nachklang der EM damit gedroht haben sollen, bei einer Weiterbeschäftigung Prokops aus der DHB-Auswahl zurückzutreten. Dabei haben einige Akteure bei der EM selbst nicht ihre Topleistung abgerufen, das sollte bei Profisportlern freilich oberste berufliche Pflicht sein. Und es kann nicht sein, dass Spieler entscheiden, wer Trainer bleiben darf und wer nicht. Beide Seiten bekommen jetzt die Chance, sich miteinander weiterzuentwickeln.

Fest steht aber auch: Prokop muss in der Zukunft noch viel stärker auf die Mannschaft zugehen. Und die Spieler müssen im Gegenzug eine größere Bereitschaft zeigen, neue Wege zu gehen. Abgerechnet wird nach der WM 2019 in der Sportwährung: in Erfolgen.