In dieser Woche zog sich Pal Dardai (41) absichtlich den Unmut seiner Spieler zu. Als Schiedsrichter gab er beim Trainingsspiel eine fragwürdige Figur ab, kaum ein Foul, das er mal ahndete. Egal wie ruppig die Aktion auch ausfiel, Herthas Trainer ließ das Geschehen fast immer weiterlaufen. Ein zweiter Karriereweg als Unparteiischer wäre mit dieser Linie ausgeschlossen, aber Dardai verfolgte ohnehin andere Ziele. Er wollte, „dass sich ein richtiger Fight entwickelt. Deshalb habe ich viele Freistöße nicht gepfiffen und meine eigene Mannschaft ein bisschen geärgert“, sagt er.
Alles Methode, also. Einen richtigen Fight erwartet Hertha auch am Freitagabend (20.30 Uhr, Eurosport) im Olympiastadion gegen Mainz. „Ich glaube, es wird ein schwieriges Spiel. Der Platz wird nicht gut sein, spielerisch geht da nicht so viel“, sagt Dardai.
Der schlechte Zustand des Rasens im Olympiastadion ist ein Thema. Ein anderes sind Herthas Probleme in dieser Saison gegen vermeintlich schwächere Gegner. Mannschaften also, die in der Tabelle hinter den Berlinern zu finden sind. Mainz 05 ist in der Rückrunde bereits der dritte Kontrahent dieser Kategorie, gegen Stuttgart wurde verloren (0:1) und gegen Bremen mit viel Glück ein Unentschieden (0:0) erkämpft. Das Hinspiel in Mainz endete, wenn auch unglücklich, ebenfalls mit einer Niederlage (0:1).
Die Berliner lieben es, wenn sie selbst kontern können
Weil der jüngste Auftritt beim Spitzenteam aus Leverkusen so erfolgreich verlief (2:0), hat sich der Eindruck verfestigt, Hertha sehe immer dann besonders gut aus, wenn der Gegner als Favorit gilt und man im Idealfall auswärts antreten kann. Die Erinnerungen an den überzeugenden 3:2-Sieg in Leipzig sind ebenfalls noch frisch. Rein faktisch handelt es sich dabei um eine gefühlte Realität. Gegen die ersten Fünf der Tabelle hat Hertha im Schnitt 1,5 Punkte geholt. Gegen alle, die sich hinter den Berlinern befinden, sind es 1,4. Ein marginaler Unterschied also nur.
Unübersehbar ist trotz der Zahlen, dass sich Dardais Spieler deutlich wohler fühlen, wenn sie das Geschehen nicht durch Eigeninitiative bestimmen müssen. Hertha ist immer dann stark, wenn Räume zugelaufen werden können und sich Kontersituationen ergeben. Situationen wie vor dem 1:0 in Leverkusen, als Vladimir Darida den Ball nach außen auf den gestarteten Valentino Lazaro spielte und der schnell abschloss. Auch beim 2:0 durch Salomon Kalou erwischte Hertha den Gegner in einem Moment, als dessen Reihen unsortiert waren. Spieler wie Lazaro, Darida, Mathew Leckie oder Davie Selke sind für diese Art von Fußball Idealbesetzungen, weil sie Hertha deutlich mehr Tempo verleihen, als es noch in der vergangenen Saison der Fall war.
Mainz hat seit fast einem Jahr nicht mehr auswärts gewonnen
Problematisch wird es nur, wenn diese Räume ausbleiben, weil sich der Gegner selbst tief staffelt und Hertha in die Kreativität zwingt. Da fehlt es der jungen Mannschaft oft noch an Lösungen, vor allem, was die Aktionen im letzten Drittel angeht, also in der Gefahrenzone. In Mainz ergab sich so ein chancenarmes Spiel, in dem sich beide meist neutralisierten und das nur durch einen Elfmeter entschieden wurde. Seitdem hat sich vor allem die Situation der Mainzer geändert. Die Mannschaft hat vier von fünf Spielen in der Rückrunde verloren und ist auf den Relegationsplatz gefallen. Der letzte Auswärtssieg liegt fast ein Jahr zurück. Dardai glaubt daher: „Mainz will hier unbedingt gewinnen, also müssen sie auch nach vorn spielen. Wir hoffen daher, im eigenen Stadion Konter fahren zu können.“
Nur dürfte den Gästen angesichts der jüngsten Verunsicherung nicht der Sinn nach geballter Offensive stehen, mit einem torlosen Remis könnte Trainer Sandro Schwarz sicher auch gut leben. Oder hoffen, selbst über Konter zum Erfolg zu kommen. So wie Eintracht Frankfurt im Dezember.
Gegen die vermutlich tief stehenden Mainzer dürften Ballsicherheit und Passgenauigkeit noch größere Faktoren werden. Was die Chancen auf einen Einsatz für Vedad Ibisevic erhöhen könnte. Herthas Kapitän hat seinen Stammplatz mittlerweile an Selke verloren, in den vergangenen sechs Spielen wurde der Bosnier entweder nur eingewechselt oder kam, wie in Leverkusen, gar nicht zum Einsatz. Selke plagte zu Wochenbeginn eine Grippe, am Mittwoch trainierte er aber wieder mit der Mannschaft. Ibisevic, der im Hinspiel mit einer umstrittenen Roten Karte vom Platz flog, könnte trotzdem wieder eine größere Option werden, und sei es nur von der Bank. „Er ist gut drauf und macht Tore“, lobt Dardai. Tore, im Idealfall noch zu einem frühen Zeitpunkt, würden Hertha am Freitag gegen Mainz das Leben sehr erleichtern.





