Ex-Herthaner

Valentin Stocker – Von der Tribüne in die Königsklasse

Bei Hertha BSC saß der Schweizer oft draußen. Mit dem FC Basel trifft er nun im Champions-League-Achtelfinale auf Manchester City.

Valentin Stocker (r.) spielt seit Januar wieder für den FC Basel. Bisher lief es durchwachsen

Valentin Stocker (r.) spielt seit Januar wieder für den FC Basel. Bisher lief es durchwachsen

Foto: BEAUTIFUL SPORTS/Gerd Gruendl / imago/Beautiful Sports

Berlin/Basel.  Die Vergangenheit, sagt Valentin Stocker, gebe ihm den Glauben an den Fußball zurück. Ob er irgendwo verloren ging wie ein aus der Tasche gefallener Schlüssel, oder ob ihm dieser Glaube gestohlen wurde, sagt Stocker nicht. Wahrscheinlicher ist Letzteres. In all den Monaten in Berlin, in denen Stocker das Gefühl hatte, keinen Schlüssel mehr zum Kader von Hertha BSC zu besitzen. Im Januar beendete der 28-Jährige das Hoffen und zog zurück in seine Vergangenheit.

Mit dem FC Basel ist Stocker sechs Mal Schweizer Meister geworden, bevor er 2014 zu Hertha wechselte. Nun spielt er wieder da, wo sie ihr Stadion St. Jakob-Park „Joggeli“ nennen und mit dem Namen Stocker die Erwartung verbinden, dass alles wieder so schön wird wie früher. Es ist ein Karriereabstieg für einen Spieler, der dem gemütlichen Basel entwachsen war, aber nicht dauerhaft hineinpassen sollte in Berlin. Zumindest für zwei Partien wird die Heimkehr für Stocker nun zum persönlichen Aufstieg: Am Dienstag empfangen er und der FCB im Achtelfinalhinspiel der Champions League den englischen Tabellenführer Manchester City (20.45 Uhr, Sky).

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Für Stocker ist City derzeit das beste Team der Welt

„Das ist derzeit die beste Mannschaft der Welt“, sagt Stocker der „Aargauer Zeitung“. Das Team von Trainer Pep Guardiola hat in der Premier League 16 Punkte Vorsprung auf Rang zwei, in der Champions League trat keine Elf dominanter auf. City brachte mehr Pässe an den eigenen Mann als jede andere Mannschaft (3996). Guardiola-Fußball. „Bestechend“, findet Stocker. Für ihn selbst ist es ein Sprung von der Tribüne in die Königsklasse – in nur einem Monat.

So schön wie früher ist es allerdings noch nicht wieder in Basel, seit Stocker zurück ist. Zwei Spiele gab es, zweimal stand er in der Startelf. Am Sonnabend gewann das Team von Trainer Raphael Wicky gegen Thun (2:0), davor aber verlor es gegen Lugano (0:1). Die neunte Meisterschaft in Folge ist in Gefahr, weil der ewige Rivale Young Boys Bern schon fünf Punkte Vorsprung hat.

Basel ist das Kaufhaus der Bundesliga

Stocker wurde erst im November am Knie operiert. „Spektakel und etwas Gift“, das hatte sich sein Freund und FCB-Sportchef Marco Streller von ihm erhofft, brauchen noch Zeit. Und vielleicht auch die Anpassung an die neue Rolle: Während Stocker bei Hertha links im offensiven Mittelfeld oder im Zentrum eingesetzt wurde, spielt der Linksfuß in Basel nun über rechts. Dort muss man wieder einmal neue Wege gehen: Im Winter wurden der rechte Flügelspieler Renato Steffen an Wolfsburg und Verteidiger Manuel Akanji an Dortmund (für 21,5 Millionen Euro) abgegeben. Basel ist ohnehin das Kaufhaus der Bundesliga: Schon 28 Spieler zog es von dort nach Deutschland. Manche kamen wieder zurück – wie Stocker jetzt.

In der Champions League ist Basel dennoch nicht zu unterschätzen. In der Gruppenphase schlugen die Schweizer Manchester United 1:0 im „Joggeli“ und stehen zum dritten Mal in ihrer Klubgeschichte im Achtelfinale. 2015 scheiterte man im Jahr 1 n. S., nach Stocker, am FC Porto. 2012 besiegte Basel sogar den FC Bayern – durch ein spätes Tor von Stocker. Weil es im Rückspiel aber auch dieses unangenehme 0:7 gab, wartet Basel noch auf das erste Champions-League-Viertelfinale.

„Selbstvertrauen zieht man nicht nur aus dem Moment. Man kann auch zurückblicken und so den Glauben an sich selbst stärken“, sagt Stocker. Es ist die Devise für Basels kaum zu bewältigende Aufgabe nun gegen Manchester City. Es ist aber auch die Losung für Stockers Rückkehr insgesamt. Es war alles schon einmal gut, es kann also wieder alles gut werden.

Bei Hertha, wo Trainer Pal Dardai und er nicht dieselbe Meinung vom Spieler Stocker hatten, war er irgendwann unglücklich. In Basel will er wieder glücklich werden – und das nicht nur durch den Blick zurück in die Vergangenheit. Valentin Stocker sagt: „Jetzt kommt ein neues Kapitel, es werden neue Geschichten geschrieben.“