Zweite Liga

Trainer Jens Keller weckt Unions Potenzial

Der Coach des Berliner Zweitligisten zieht nach dem Trainingslager ein positives Fazit – und setzt auf einen starken Teamgeist.

Foto: Jörg Carstensen / dpa

Villach.  Entspannt sitzt Jens Keller in einem Sessel in der Lobby des Hotels Karawankenhof. Seine Miene spiegelt eine gewisse Zufriedenheit wider. Zufriedenheit darüber, wie seine Mannschaft in den vergangenen zehn Tagen im Trainingslager in Kärnten/Österreich gearbeitet hat. Mit welchem Wort der Trainer des 1. FC Union die Tage von Villach zusammenfassen würde? Keller muss nicht lange überlegen: „Optimal. Wir hatten gute Bedingungen, konnten unser komplettes Programm durchziehen und haben keine Verletzten.“

Insofern darf der Stand der Vorbereitungen auf die am 6. August beim VfL Bochum beginnende Saison als voll im Plan bezeichnet werden. „Ich glaube, dass die Mannschaft sehr viel mitgenommen und auch schon viele Dinge umgesetzt hat, die wir von ihr verlangen“, erklärt Keller, wohl wissend, dass die Profis des Fußball-Zweitligisten längst noch nicht bei einhundert Prozent sind.

Keller freut sich über intakte Mannschaft

Die Spritzigkeit fehle noch, auch das konsequente Einhalten der Abstände auf dem Spielfeld, wenn es darum geht, durch Pressing oder Gegenpressing in Ballbesitz zu kommen. „Wir werden natürlich auch nach der Vorbereitung nicht perfekt sein, das wäre vermessen zu sagen. Aber wir sind auf einem sehr, sehr guten Weg.“

Das Umsetzen der Spielphilosophie des neuen Trainers ist das eine. Angesichts der Tatsache, dass ein Team jedoch mehr ausmacht als jene elf Spieler, die gerade auf dem Platz sind, stand für Keller in Villach nicht zuletzt das intensive Kennenlernen der Seinen auf dem Programm. Auf dem Platz und auch außerhalb.

Diverse Gespräche wurde geführt, die den 45-Jährigen zu einem durch und durch positiven Ergebnis kommen lassen. „Ein neuer Trainer, alle ziehen voll mit – es wäre ja auch schlimm, wenn es nicht so wäre. Ich habe auch das Gefühl, dass die Mannschaft mit sich im Reinen ist“, hat Keller erkannt.

Busk hat im Kampf um die Nummer eins die Nase vorn

Beste Voraussetzungen also, um nach einer turbulenten Spielzeit mit drei Trainern nun in Ruhe einen neuen Anlauf in Richtung Top 20 des deutschen Fußballs zu nehmen. „Wirklich zeigen, ob es eine Mannschaft ist, wird sich aber erst dann, wenn man Plätze vergibt, wenn einer verletzt ist, auf der Bank oder nicht im Kader. Dann wird man sehen, wie stark das Gefüge ist.“

Der Positionskampf ist jedenfalls voll entbrannt. Auf der Torhüterposition zum Beispiel, wo Jakob Busk die Nase leicht vor Daniel Mesenhöler hat. Mag man dem Zugang vom 1. FC Köln fußballerisch Vorteile zugestehen, so besticht der Däne Busk durch seine Präsenz im Strafraum und seine Reaktionsschnelligkeit.

Gleiches lässt sich auch für das Duell auf der linken Abwehrseite sagen, wo Kristian Pedersen, erst vom dänischen Zweitligisten HB Köge gekommen, durch seine Robustheit und das klarere Spiel nach vorn Pluspunkte gegenüber dem Berliner Christopher Lenz (zuvor Borussia Mönchengladbach II) sammeln konnte.

Hosiner überzeugt mit gesundem Selbstbewusstsein

Ob Philipp Hosiner tatsächlich die Lücke schließen kann, die Unions Rekordtorschütze Bobby Wood (17 Treffer) mit seinem Weggang zum Hamburger SV hinterlassen hat, bleibt abzuwarten. Dass er im ersten Testspiel in Villach gegen Udinese Calcio (3:2) selbstbewusst nicht nur den Elfmeter übernahm, sondern ihn auch eiskalt verwandelte, spricht für den Österreicher. Beim 1:3 gegen den FC Watford am Dienstag fehlte der Angreifer wegen muskulärer Beschwerden – eine reine Vorsichtsmaßnahme.

„Die Mannschaft hat ein sehr, sehr gutes Potenzial“, ist sich Keller sicher. Die Abstriche, die der Coach in Sachen Qualität im Vergleich zu seiner Zeit bei Schalke 04 machen muss, spielen – anders als bei Keller-Vorgänger Sascha Lewandowski – keine Rolle.

„Dass da ein Unterschied ist, ist völlig klar, sonst würden sie nicht in der Zweiten Liga spielen. Ich bin mit der Art und Weise, wie die Mannschaft es umsetzt, wie sie zuhört, wie sie es probiert, alles umzusetzen, sehr zufrieden“, sagt Keller: „Dass wir noch bei dem einen oder anderen Spieler im technischen Bereich arbeiten müssen, okay.“

Daube, Korte und Köhler ohne Chance

Der Coach setzt dabei mehr denn je auf den Teamgeist. „Es gibt ja nicht mehr diese Führungspersönlichkeiten, die Effenbergs oder Ballacks. Heutzutage muss eine Mannschaft gemeinsam Verantwortung übernehmen. Das ist auch der Wandel der Zeit, dass man als Team funktionieren muss und nicht einer den großen Zampano spielt.“

Klar ist hingegen, dass es für Dennis Daube, Raffael Korte und Benjamin Köhler zunächst schwer werden wird. Das Trio war wegen Verletzungen und Reha-Maßnahmen in Berlin geblieben. Ihre derzeitigen Chancen bezeichnet Keller als „chancenlos. Wir würden auch irgendetwas falsch machen, wenn wir uns vier, fünf Wochen vorbereiten und dann kommen zwei, drei Spieler, die individuell trainiert haben und gleich auf dem Niveau der Mannschaft sind.“

Was immer wieder deutlich wurde in den Tagen von Villach ist Kellers Zuversicht, dass sein Team um die vorderen Plätze in der Liga mitspielen kann. „Jede Position ist doppelt besetzt. Ich habe keine Angst“, sagt er entspannt und zufrieden.