Pokal-Halbfinale

„Das Finalticket liegt vor unserer Nase“

Per Skjelbred über die Chancen von Hertha, im Halbfinale des DFB-Pokals gegen Borussia Dortmund Geschichte zu schreiben.

Berlin.  Für Hertha BSC ist es das Spiel des Jahres: Im Halb­finale des DFB-Pokals empfangen die Berliner heute Borussia Dortmund (20.30 Uhr, ARD). Das Olympiastadion ist mit 76.233 Fans ausverkauft. Die Morgenpost sprach mit Mittelfeldspieler Per Skjelbred (28), dem Mentalitätsmonster der Blau-Weißen, über den Status als Außenseiter und über die Chancen, dass Hertha erstmals das Pokal-Endspiel im eigenen Stadion erreicht.

Berliner Morgenpost: Als Pal Dardai im vergangenen Sommer das Saisonziel Pokalfinale ausgegeben hat, mussten viele Hertha-Fans schmunzeln. Was haben Sie als Spieler gedacht?

Per Skjelbred: Der Tenor war: Puh, das könnte schwierig werden. Wir waren letzte Saison nur haarscharf der 2. Liga entgangen. Aber ich habe auch gemerkt, dass in der Vorbereitung ein neues Selbstvertrauen entstanden ist. Wir haben hart gearbeitet. Pal will immer, dass wir Fußball spielen, egal gegen welchen Gegner.

Wie wichtig ist das konkrete Projekt Pokal-Finale für die Mannschaft?

Am Anfang einer Saison liegt das Endspiel in weiter Ferne. Das wichtigere Ziel war für uns immer das nächste Training, das nächste Spiel. Wir ­wollten kontinuierlich ein bisschen besser werden, Schritt für Schritt.

Beim Saisonstart, dem 2:0 im Pokal in Bielefeld, war von Verbesserungen nicht viel zu sehen.

Da haben wir uns schon gefragt, ob wir so stark sind. Aber: Das Ergebnis, dazu der positive Start in der Bundesliga in Augsburg, waren gute Zeichen.

Inzwischen haben Sie die Antwort ­geliefert. Hertha steht im Halbfinale.

Wir sind froh, dass wir so weit gekommen sind. Bis zum Finale ist es nur noch ein Spiel. Jetzt müssen wir alles geben und brauchen ein wenig Glück von oben – am besten auch von unten, links und rechts (lacht). Wenn wir einen guten Tag haben, sind die ­Möglichkeiten groß.

Hertha kann Geschichte schreiben.

Absolut, für solche Spiele wird man Profi – für mich ist das gefühlt ein Champions-League-Abend. Ausverkauftes Stadion, Flutlicht und am Ende eine Entscheidung: alles oder nichts.

Erhält die Mannschaft beim Finaleinzug eine Sonderprämie?

Keine Ahnung. Ich bin Fußballer, kein Ökonom, das ist mir wurscht. Wir spielen mit Herz, das bringt tausend Mal mehr als jede Prämie.

Sind die Ansprachen von Trainer Pal Dardai vor einem Pokalspiel emotionaler als in der Liga?

Bei jedem von uns verändert sich ­etwas – nicht nur beim Trainer. K.o.-Spiele verschaffen dir ein anderes Gefühl. Du weißt: weiter oder tschüss. Jetzt liegt da sogar ein Finalticket, ­direkt vor unsere Nase.

An welchem Punkt der Saison haben Sie gemerkt, dass die Mannschaft eine ­Gewinnermentalität besitzt?

In Nürnberg (2:0 im Pokal-Achtelfinale, d. Red.). Die hatten in der 2. Liga einen überragenden Lauf, aber gegen uns keine Chance. Damals habe ich gedacht: Wenn wir so weitermachen, können wir etwas Großes schaffen.

Haben die Pokal-Erfolge in der Liga ­geholfen?

Die haben uns Selbstvertrauen gegeben. Wir haben gemerkt, dass unser Plan auch unter Druck aufgeht, dass unser Pressing und unsere Verteidigung funktionieren. Aber: Davon können wir uns jetzt nichts mehr kaufen. Gegen Dortmund ist es ein neues Spiel.

Sie haben im Pokal vier Mal als Favorit gegen Zweitligisten gespielt. Jetzt sind Sie Außenseiter.

Dieses Spiel hat eine so große Bedeutung – da spielt es keine Rolle, wer Favorit ist. Das Finale in Deutschland zu erreichen, ist für jeden Spieler ein riesiges Ziel. Wenn wir alt sind, könnten wir sagen: Hey, ich stand in einer der besten Ligen der Welt im Endspiel. Die Leute werden sagen: Respekt, Junge, nicht schlecht für einen Typen aus einem kleinen Dorf in Norwegen.

Wie sehr hilft der Heimvorteil?

Schwer zu sagen. Dortmund kommt sicher mit vielen Fans, die Stimmung kann in beide Richtungen kippen. Aber Das Olympiastadion ist unser Zuhause und gibt uns einen kleinen Vorteil. Dortmund hat viel Qualität. Wir müssen noch mehr investieren als sonst.

Der BVB hat sich den Titel „bester Tabellenzweiter aller Zeiten“ verdient.

Aber sie sind Menschen. Manchmal macht einem die Psyche einen Strich durch die Rechnung.

In Norwegen waren Sie mit Rosenborg Trondheim vier Mal Meister, sind im Pokal aber stets gescheitert.

Ich stand mehrfach im Halbfinale, aber da ist irgendwas mit der Mannschaft passiert. Vielleicht hat uns jemand Drogen eingeflößt (lacht). Wir haben jedes Mal verloren, selbst wenn es der schlechteste Gegner der Liga war. Verrückt, als hätte da ein Geist gespielt.

Ist das Pokal-Halbfinale mit Hertha das wichtigste Spiel Ihrer Karriere?

Das ist für jeden Spieler eines der größten Highlights. So viele Norweger standen noch nicht im deutschen Pokalfinale, ich erinnere mich nur an Rune Bratseth mit Werder Bremen. Rune Jarstein und ich würden die nächsten sein. Allein das ist historisch!

Herr Skjelbred, gelingt Hertha die ­Sensation gegen Dortmund?

Wir sind die Underdogs. Keiner traut uns zu, dass wir das Spiel gewinnen. Aber anders gefragt: Wer hat uns schon zugetraut, dass wir kurz vor Ende der Saison auf Rang vier stehen?