47 Galopprennbahnen gibt es in Deutschland mit sehr unterschiedlichen Programmen in Umfang und Klasse. Die größte ist Iffezheim bei Baden-Baden, die zweitgrößte Hoppegarten vor den Toren Berlins. Für viele gilt sie als schönste auf dem Kontinent. Ihre wechselvolle Geschichte – nicht zuletzt die 40 Jahre Existenz als DDR-Exklave der Turfgeschichte – macht Hoppegarten, am 17. Mai 1868 im Beisein von König Wilhelm I. und Reichskanzler Otto von Bismarck eingeweiht, zum besonderen Kleinod des Rennsports.
Bruch des Brustbeins beendete Karriere des Jockeys
Diesen Reiz hat die Anlage nie verloren. „Hoppegarten ist etwas Spezielles. Das merkt man sofort, wenn man dort hinkommt. Es ergreift von einem Besitz und schafft Gänsehaut“, sagt Jean-Pierre Carvalho. Der 44-jährige Franzose war bis 2009 Jockey, errang für diverse Besitzer und Rennställe insgesamt 844 Siege im Sattel, ehe ein Unfall mit Bruch des Brustbeins die Karriere zu Pferde beendete.
Als Berufsreiter war er bis 1992 in Frankreich aktiv, dann folgten Wien, München und Krefeld als Stationen, wo er nun die Vollblüter des traditionsreichen Gestütes Schlenderhan betreut. Und natürlich ist Carvalho auch beim ersten Renntag der Saison am Ostersonntag in Hoppegarten am Start.
Hier gelang der erste Sieg auf einer deutschen Rennbahn
Carvalho war 2003 und 2004 Zweiter des Deutschen Jockey-Championats, auch als Trainer hat er eine Reihe von Top-Erfolgen auf der Habenseite stehen. In der Nähe Kölns residierend, könnte der lange Weg nach Hoppegarten für Carvalho eher Abschreckung denn Anreiz sein. Ist er aber nicht. Auf die Frage danach antwortet der Franzose lebhaft: „Ich muss nicht nach Hoppegarten, ich will dort hin. Weil es ein Platz fürs Galopperherz ist, weil es Jahr für Jahr besser wird, weil die Leute dort die Pferde lieben.“
Natürlich gebe es noch einige Punkte auf der To-Do-Liste, die abzuarbeiten sind, „aber es sind weniger geworden, seitdem ich zum ersten Mal hier war“. Am 11. Juli 1993 war das, und für Carvalho wurde es ein „Kam, sah und siegte“. Auf Auenstern (Trainer Wilfried Schütz) schaffte der Franzose seinen ersten Sieg auf deutschen Rennbahnen.
Starkes Teilnehmerfeld im Preis des Gestüts Röttgen
Vielleicht ein gutes Omen für diesen Sonntag, wo er zwei Pferde am Start hat und beim ersten deutschen Listenrennen der Saison, dem mit 27.000 Euro dotierten Preis des Gestüts Röttgen, mit der vierjährigen Stute Gouache unter Jockey Filip Minarik als Außenseiter vertreten ist. Minarik ist einer der 13 Reiter aus den Top 20 des Jockey-Championats von 2015, die beim Saison-Auftakt ihre Visitenkarte abgeben. Auch das ist ein Markenzeichen für Hoppegarten – die Besten kommen, weil, so sagt es Jean-Pierre Carvalho, „Dabei-Sein und Gesicht zeigen auf dieser Bahn einfach Pflicht ist“. Um 14 Uhr startet das erste von acht Rennen, schon zwei Stunden zuvor beginnt das Unterhaltungsprogramm.




