Wenn alles normal läuft, dann läuft Petri Vehanen. Direkt nach jedem Heimspiel rennt er durch die Mercedes-Benz Arena, um nach einem anstrengenden Auftritt im Tor des EHC Eisbären die Beine richtig zu bewegen. Wenn es einen guten Grund gibt, wartet er damit auch mal. Am Sonntag stellte er sich in kurzen Shorts und T-Shirt neben der Eisfläche vor eine finnische Zuschauergruppe und beantwortete ein paar Fragen.

Viel zu sagen hat Vehanen nur selten, er ist ein ruhiger Zeitgenosse, eben ein nordisches Naturell. Doch unter Gleichsprachigen fällt das Reden meist leichter, der Finne Vehanen nahm sich Zeit für seine Landsleute. Nach einem 5:1 gibt es auch einiges zu erzählen. Mit 2:1 Siegen liegen die Eisbären in der Viertelfinalserie gegen die Kölner Haie nun vorn, zwei Siege benötigen sie noch, um das Halbfinale der Deutschen Eishockey Liga (DEL) zu erreichen.

Rivalität der Heimatländer

Drei Treffer kassierte Vehanen in den drei Partien erst. „Er ist das ganze Jahr schon in berauschender Form“, sagt EHC-Stürmer Florian Busch. Genau diese Basis braucht es, um im Play-off bestehen zu können. Sowohl die Berliner als auch die Kölner verfügen auf der Torhüterposition über mehr als durchschnittliche Kräfte. Die Eisbären können mit Vehanen (38) auf einen äußerst erfahrenen Mann mit großer Vita setzen. Die Haie wurden zu Saisonbeginn bestaunt für den Transfer von Gustaf Wesslau (31). Jetzt ergibt sich ein interessantes Duell, eines zwischen zwei Goalies, deren Heimatländer in größter Eishockeyrivalität stehen. Wesslau ist Schwede.

Beides sind Länder, die immer wieder herausragende Torleute hervorbringen, mehr als andere. In einem Stellvertreterduell sehen sich Vehanen und Wesslau jetzt nicht. „Ich habe sie im Weltmeisterschaftsfinale geschlagen“, sagt Vehanen. Das reicht ihm, er hatte seinen großen Sieg über Schweden. 2011 war das, mit 6:1 schlugen die Finnen den Nachbarn. Vehanen hatte den besten Gegentorschnitt und die beste Fangquote des Turniers. „Ich erziele meine besten Leistungen, wenn ich mich um mich selbst kümmere“, sagt er. Wesslau teilt diesen Standpunkt. Er braucht keine Show, er mag keine großen Ansagen.

Wie ein Quarterback

Wenn es in die entscheidende Phase der Saison geht, ist öfter zu hören, dass die Darbietungen der Torhüter zu mehr als der Hälfte über Sieg und Niederlage entscheiden. Demnach befinden sich Torhüter stets unter einem enormen Druck, sie werden von außen immer im Vergleich betrachtet. „Das ist schon eine wichtige Position, wie der Quarterback im American Football“, sagt Vehanen. Doch er relativiert auch. „Natürlich haben verschiedene Faktoren einen Effekt. Jeder muss sich vertrauen. Gute Aktionen der Vorderleute geben dem Torwart Sicherheit und umgedreht“, so der Finne. Dieses Zusammenspiel funktioniert bei den Eisbären sehr gut.

Seit Saisonbeginn hält der Finne sein Niveau sehr hoch. Mit 47 Einsätzen in der Hauptrunde spielte er am zweithäufigsten in der DEL. Hinter ihm auf Rang drei folgte Wesslau mit 45 Partien. Mit 29 Siegen feierte Petri Vehanen die meisten Erfolge in den Punktspielen, auf Platz zwei: Gustaf Wesslau mit 24 Siegen.

Beide erfüllen also die Erwartungen, die auf ihnen ruhen. Sie tun das jedoch auf unterschiedliche Weise. „Er ist ein anderer Torwart als ich“, sagt Vehanen, der 2010 Meister in Russland war. Er selbst macht viel mit Reflexen, bleibt ansonsten ruhig zwischen den Pfosten. Und er hält viele Schüsse fest.

Wesslau deckt viel Netz ab

Wesslau ist ein großgewachsener Torhüter, der mit seinem Körpermaß von 1,93 Meter schon viel Fläche abdeckt. Auf seiner vorher einzigen Auslandsstation in der nordamerikanischen AHL hat ihm das allerdings nur zu 31 Spielen verholfen. Für die schwedische Auswahl stand er allerdings auch schon auf dem Eis, jedoch nicht bei Weltmeisterschaften. In seiner Heimatliga wurde er 2013 als Torhüter des Jahres ausgezeichnet. Der Schwede agiert strategisch, „er bleibt seinem Butterfly treu“, wie Busch es sagt, geht also mit breiten Beinen oft nach unten.

Anders als Vehanen lässt Wesslau viele Pucks abprallen. Wenn die Abwehr darauf eingestellt ist, muss das wie bei den Haien kein großes Problem sein. „Sie schützen ihr Tor sehr gut. Es ist schwer, in dieses kleine Viereck hineinzukommen, ohne den Preis zu bezahlen“, erzählt EHC-Stürmer Marcel Noebels. Besonders im ersten Spiel hatten die Berliner kaum eine Chance, an Abpraller zu kommen. Mittlerweile gelingt ihnen das jedoch immer besser. Was auch daran liegt, dass die Kölner es nicht mehr schaffen, unter dem stärker gewordenen Druck der Eisbären, ihr Viereck vor Wesslau zu halten.

Vehanen liegt vorn

Deshalb musste der Schwede in der Serie bereits sechs Gegentore hinnehmen, also doppelt so viele wie Vehanen. Der Finne liegt im Duell der Nordlichter also vorn. „Er ist eine super Stütze für uns“, sagt Busch. Gerade am Dienstag beim vierten Spiel in Köln (19.30 uhr) wird nun eine besondere Torhüterleistung erforderlich sein, denn sollten die Berliner den dritten Sieg einfahren, stünde Köln in der „Best of Seven“-Serie mit dem Rücken zur Wand.

Obwohl Vehanen weiß, dass im Play-off der Einsatz der Profis noch stärker ist als in der Hauptrunde, versucht er, „alles genauso wie immer zu machen“. Höchstens wenn eine Besuchergruppe aus Finnland vorbeischaut, können sich die Abläufe ändern. Aber nur nach dem Spiel.