Kommentar

Endlich wieder große Sportmomente, endlich wieder Gänsehaut

Lange gab es nur noch negative Schlagzeilen aus der Welt des Sports. Gut, dass es endlich wieder Erfolge gibt, meint Dietmar Wenck.

Angelique Kerber feiert in Australien ihren Erfolg

Angelique Kerber feiert in Australien ihren Erfolg

Foto: Julian Smith / dpa

Über Wochen schien es, als würde der deutsche Sport nur noch negative Schlagzeilen hervorbringen. Das klägliche Scheitern der Hamburger Olympia-Bewerbung, bevor es überhaupt zu einer Bewerbung gekommen war. Berichte über dubiose Millionen-Überweisungen vor dem Fußball-Sommermärchen 2006.

Selbst über der Lichtgestalt Beckenbauer breiteten sich plötzlich Schatten aus. Dazu der Doping- und Vertuschungsskandal in der Leichtathletik, Wettbetrug im Tennis – es waren komplizierte Tage für die Anhänger des professionellen Sports. Oft mussten sie sich anhören: In seiner jetzigen Form hat er als Leitbild ausgedient.

In Teilen ist das sogar richtig. Aber trotzdem haben zwei Ereignisse genügt, den Zauber wieder einmal hervorzuheben, der eben auch zum Sport gehört. Der mit dem Finalerfolg gekrönte Siegeszug Angelique Kerbers in Melbourne war mit viel Gänsehaut verbunden, nicht zuletzt deshalb, weil die unterlegene Serena Williams eine großartige, faire Verliererin war.

Kerber ist ein Vorbild

Nur am Rande sei erwähnt, dass Kerbers Triumph für Deutschland ein schönes Beispiel gelungener Integration ist, denn die 28-Jährige ist in Deutschland aufgewachsen, hat aber polnische Wurzeln. Und sie war beim Turnierstart krasse Außenseiterin, hat jedoch im Verlauf der Australian Open einen Matchball abgewehrt, eine Gegnerin bezwungen, der sie zuvor immer unterlegen war, und sich zwei Wochen lang durchgekämpft. Sie ist ein Vorbild. Im Finale bot der Sport, was er zu bieten hat: Spitzenleistung, Spannung, Fairplay, Respekt, Emotion.

Zum Vorbild taugt genauso die junge deutsche Handball-Mannschaft, die sich allen Verletzungen und Rückschlägen zum Trotz an diesem Sonntag in Polen den EM-Titel sichern kann. 8,5 Millionen Menschen sahen in Deutschland am Fernseher beim Halbfinal-Erfolg gegen Norwegen zu; von Spiel zu Spiel sind es mehr geworden.

Es herrscht eine Sportbegeisterung wie sonst nur bei Olympischen Spielen oder großen Fußball-Turnieren. Und der Mann, der das möglich macht, der Kopf dieses Teams, heißt Dagur Sigurdsson und ist Isländer. Bei aller berechtigten Kritik: Der Sport hat viele gute Seiten. Schön, dass sie mal wieder im Vordergrund stehen.