Nach der größten deutschen Tennis-Sensation seit Boris Beckers Wimbledonsieg 1985 ließ sich Angelique Kerber auf den Rücken fallen - dann flossen Freudentränen. Die Kielerin gewann am Samstag im Finale der Australian Open nach einer Weltklasse-Leistung gegen Titelverteidigerin Serena Williams mit 6:4, 3:6, 6:4 und sorgte damit für den ersten Grand-Slam-Titel einer deutschen Spielerin seit dem Triumph von Steffi Graf bei den French Open 1999.

Kerber verteidigte damit zugleich Grafs Grand-Slam-Rekord von 22 Titeln. Williams bleibt nach ihrer erst fünften Niederlage in einem Finale der vier Major-Events bei 21 Erfolgen stehen.

Empfohlener externer Inhalt

An dieser Stelle befindet sich ein externer Inhalt von X, der von unserer Redaktion empfohlen wird. Er ergänzt den Artikel und kann mit einem Klick angezeigt und wieder ausgeblendet werden.
Externer Inhalt
Ich bin damit einverstanden, dass mir dieser externe Inhalt angezeigt wird. Es können dabei personenbezogene Daten an den Anbieter des Inhalts und Drittdienste übermittelt werden. Mehr dazu in unserer Datenschutzerklärung.

Als die Partie begann, schien ihre Nervosität wie verflogen. Zwar machte sie beim ersten Aufschlagspiel der Amerikanerin keinen Punkt, doch dann brachte sie ihr Service ebenfalls durch. Damit hatte die Kielerin sofort ein kleines Ausrufezeichen gesetzt. Doch es kam noch besser. Kerber spielte weiter mutig drauf los und nahm der großen Favoritin das Service zum 2:1 ab. Ein Raunen ging durch das Stadion. Sollte hier die große Überraschung in der Luft liegen?

Serena Williams verschläft den ersten Satz

Kerber hatte Williams auf jeden Fall früh die Laune verdorben. Die Amerikanerin zeigte sich sichtlich verärgert und steigerte sich nun. Zum 3:3 nahm sie Kerber das Service ab, weil deren zweiter Aufschlag einfach zu harmlos war. Nun schien alles wieder in der Reihe zu sein.

Aber Kerber wich nicht zurück. Sie schaffte prompt das nächste Break, weil sie deutlich mehr Bälle zurückbrachte als alle anderen bisherigen Williams-Gegnerinnen im Turnier zusammen. Williams wirkte verdutzt und leitete sich einen leichten Fehler nach dem anderen. 23 waren es bis zum Ende des ersten Satzes, den sich Kerber nach 39 Minuten unter dem großen Jubel der Zuschauer sicherte.

Angelique Kerber gewinnt Australian Open

Der Moment nach dem entscheidenden Ballwechsel im dritten Satz
Der Moment nach dem entscheidenden Ballwechsel im dritten Satz© Getty Images | Graham Denholm
Angelique Kerber kann ihren Triumph noch kaum fassen
Angelique Kerber kann ihren Triumph noch kaum fassen© Getty Images | Michael Dodge
Ihr Sieg hat die Kielerin im wahrsten Sinne des Wortes umgehauen
Ihr Sieg hat die Kielerin im wahrsten Sinne des Wortes umgehauen© Getty Images | Michael Dodge
Fair gratuliert Serena Williams der Gegnerin zum Sieg
Fair gratuliert Serena Williams der Gegnerin zum Sieg© REUTERS | ISSEI KATO
Unfassbar! Kaum jemand hätte Kerber den Sieg in Australien zugetraut
Unfassbar! Kaum jemand hätte Kerber den Sieg in Australien zugetraut© Getty Images | Cameron Spencer
Zum ersten Mal überhaupt gewann die Weltranglistensechste einen Grand-Slam-Titel
Zum ersten Mal überhaupt gewann die Weltranglistensechste einen Grand-Slam-Titel© Getty Images | Graham Denholm
Den Ball und den Titel hatte Angelique Kerber auch im Finale immer im Blick
Den Ball und den Titel hatte Angelique Kerber auch im Finale immer im Blick© imago/BPI | imago sportfotodienst
Die Deutsche kämpfte um jeden Ball, spielte tolle Returns
Die Deutsche kämpfte um jeden Ball, spielte tolle Returns© imago/BPI | imago sportfotodienst
Der Titel ist der verdiente Lohn für eine herausragende Leistung während des gesamten Turniers
Der Titel ist der verdiente Lohn für eine herausragende Leistung während des gesamten Turniers© REUTERS | ISSEI KATO
"Das waren die besten zwei Wochen meines Lebens", sagte Kerber nach dem Sieg
"Das waren die besten zwei Wochen meines Lebens", sagte Kerber nach dem Sieg© REUTERS | ISSEI KATO

Im zweiten Durchgang hob Williams ihr Niveau dann aber deutlich an. Zugleich unterliefen Kerber ein paar Fehler mehr, die die dreimalige Grand-Slam-Turnier-Siegerin des vergangenen Jahres zu nutzen wusste. Zum 3:1 gelang ihr das Break, nach insgesamt 72 Minuten schaffte Williams den Satz-Ausgleich. Vor allem deshalb, weil die Amerikanerin ihre Anzahl an leichten Fehlern von 23 auf fünf zurückschraubte.

Spektakuläre Ballwechsel

Doch wer gedacht hatte, nun würde Williams problemlos durch den dritten Satz spazieren, der sah sich getäuscht. Kerber zeigte keine Nerven, spielte weiter mutig und kämpfte um jeden Ball. Der Lohn war ein frühes Break zum 2:0, auch weil Kerber zwei spektakuläre Ballwechsel mit großem Kampfgeist für sich entschied. Allerdings konnte Kerber ihren Vorsprung danach nicht halten und gab sofort selbst ihr Service ab.

Aber auch von diesem Rückschlag ließ sich die Schleswig-Holsteinerin nicht unterkriegen. Zum 4:2 schaffte sie das nächste Break und führte die Nummer eins der Welt dabei mit traumhaften Stoppbällen phasenweise vor. Beim Stand von 5:3 schlug Kerber zum Matchgewinn auf, muste aber wieder ein Break hinnehmen. Doch Kerber machte einfach weiter und wurde nach 2:08 Stunden schließlich belohnt.

dpa