Handball-EM

Deutschland im Finale, Norwegen zieht Protest zurück

Die deutsche Handball-Nationalmannschaft steht bei der EM in Polen im Finale. Der norwegische Verband zog seinen Protest am Samstag zurück.

Spieler Tobias Reichmann jubelt

Spieler Tobias Reichmann jubelt

Foto: imago sportfotodienst / imago/Annegret Hilse

Dagur Sigurdsson schlug die Hände über dem Mund zusammen, dann fuhr er sich durch die Haare, so dass diese in alle Richtungen abstanden. Der Bundestrainer der deutschen Handball-Nationalmannschaft rang sichtlich um Fassung. Gerade, als er dabei war, sich ein bisschen zu beruhigen, kam Teammanager Oliver Roggisch auf ihn zugestürmt und drückte ihn, so fest er konnte, an sich.

„Das war nicht so angenehm, der drückt ziemlich heftig“, sagte Sigurdsson. Also umso schöner empfand er den Grund für die Herzlichkeit des 110-Kilo-Kolosses: Die deutschen Handballer stehen im Finale der Europameisterschaft in Polen. Im spannendsten Spiel dieser EM besiegte die deutsche Auswahl Norwegen mit 34:33 (14:13, 27:27, 7:6) nach Verlängerung. Im Endspiel am Sonntag um 17.30 Uhr (ARD live) trifft Deutschland auf Spanien, das sich im zweiten Halbfinale gegen Kroatien mit 33:29 (18:14) durchsetzte.

Norwegen zieht Protest zurück

Norwegen legte am Freitag zunächst Protest gegen die Wertung der Partie eingelegt. Begründung: Deutschland soll in den letzten Spiel-Sekunden einen zusätzlichen Spieler in einem gelben Leibchen aufs Feld geschickt haben, obwohl Torwart Andreas Wolff sein Tor nicht verlassen hatte. Am Samstagvormittag zog der Verband seinen Protest aber wieder zurück.

Die Deutschen feierten ihren Sieg. „Ich hatte schon vor dem Spiel das Gefühl, dass es in die Verlängerung gehen würde und habe das auf meiner Taktiktafel notiert“, sagte Bundestrainer Sigurdsson. „Wir sind unglaublich froh und stolz auf das, was wir erreicht haben.“ Es ist das erste Mal seit 2004, dass eine deutsche Auswahl das Endspiel bestreitet, zudem ist das Team durch die Finalteilnahme schon jetzt für die Weltmeisterschaft 2017 in Frankreich qualifiziert. An derlei Nebensächlichkeiten konnte aber am Freitagabend kein Spieler denken. Es war das Tor von Kai Häfner, fünf Sekunden vor Schluss, das allen im Kopf herumspukte. Das Tor von demjenigen Spieler, der erst als Nachrücker zum Team gestoßen war und nun so wichtig für den Erfolg wurde. „Ich bin froh, das Kai so unglaublich gut gezogen hat“, sagte Steffen Fäth.

Der Rückraumschütze, dem gegen Dänemark allein in der ersten Hälfte bei sechs Versuchen sechs Treffer gelungen waren, kam gegen Norwegen zunächst nicht ins Spiel, ähnlich wie Fabian Wiede, dem gleich der erste Ball durch die Finger flutschte. Zehn Minuten später aber holte Wiede die erste Zeitstrafe gegen Norwegen heraus, genau wie Martin Strobel wenige Sekunden zuvor. Mit zwei Spielern mehr auf dem Feld erspielte sich die deutsche Auswahl einen Vorsprung von vier Toren (9:5/16. Minute).

Fäth scheiterte immer wieder

Norwegens Trainer Christian Berge nahm eine Auszeit, in der Folge deckte sein Team aggressiver und störte die Angreifer früh. Die Deutschen wirkten zum ersten Mal in dieser EM nervös, so als würden die Köpfe plötzlich diverse Möglichkeiten durchspielen. Als Steffen Fäth zum zweiten Mal etwas übereilt aus schlechter Position den Abschluss suchte und an Torhüter Ole Everik scheiterte, gelang Norwegen der Ausgleich (12:12/26.) Nun beorderte Sigurdsson seine Mannschaft zur Besprechung.

Nur schien zunächst nicht zu fruchten, was er sagte. Fäth scheiterte immer wieder, leistete sich zudem technische Fehler, beim Stand von 17:17 in der zweiten Hälfte (36.) hatte er bei sechs Versuchen einen Treffer erzielt. „Unsere Chancenverwertung war nicht gut heute, aber das ist jetzt auch scheißegal“, sagte Rune Dahmke mit einem erleichterten Lachen. Ohne seinen Treffer in der 60. Minute wäre es nicht in die Verlängerung gegangen. „Es war nicht einfach, weil die Norweger unheimlich gut gedeckt haben“, sagt Fäth.

Nowitzki und Götze outen sich als Handball-Fans

Das Spiel war dermaßen knapp, dass einige Spieler danach gar nicht recht in Euphorie verfallen konnten. „Ich zittere immer noch, alles ist total angespannt“, sagte Finn Lemke, der beim Reden die ganze Zeit vor und zurücklaufen musste. „Ich glaube nicht, dass es Druck war, aber man hat schon gemerkt, dass die Spieler ein bisschen nachgedacht haben“, sagte Sigurdsson. Umso wichtiger war es, dass Häfner (5) und Tobias Reichmann die Nerven behielten. Reichmann traf zehn Mal, sieben Mal von der Sieben-Meter-Linie und wies dabei eine Quote von hundert Prozent vor. „Wir können uns immer aufeinander verlassen“, sagte Fäth.

Andere Sportler gratulierten. „Fiiiinaaaale“ twitterte Basketball-Star Dirk Nowitzki aus Dallas. Fußball-Weltmeister Mario Götze twitterte: „Platt!!!!!!! ... Glückwunsch!“

Mit dem Einzug ins Finale stehen auch die Feierlichkeiten in Berlin fest. Am Montag wird es ab 16 Uhr in der Max-Schmeling-Halle einen Empfang für die deutsche Mannschaft geben.