Handball

Deutschland im EM-Halbfinale: Eine Rasselbande zum Verlieben

Sieg gegen Dänemark: Das deutsche Handball-Team ist sensationell ins Halbfinale der Europameisterschaft eingezogen.

Nach der Schluss-Sirene lassen die deutschen Handballer ihrer Freude freien Lauf, der Sieg gegen Dänemark bringt sie ins EM-Halbfinale am Freitag

Nach der Schluss-Sirene lassen die deutschen Handballer ihrer Freude freien Lauf, der Sieg gegen Dänemark bringt sie ins EM-Halbfinale am Freitag

Foto: PetterArvidson / WITTERS

Breslau. Es war ja fast ein bisschen frech, was Kai Häfner da in der Breslauer Jahrhunderthalle machte. Gerade einmal zwei Trainingseinheiten hatte der 26-jährige Linkshänder mit der Handball-Nationalmannschaft in Polen absolviert, schon trug er mit drei Toren und einer starken Abwehrleistung dazu bei, dass Deutschland 25:23 (12:13) gegen Dänemark gewann. „Ich kann das gerade gar nicht glauben“, sagte Häfner, der am Montag angereist war, um den verletzten Kapitän Steffen Weinhold zu ersetzen. Bei seinem ersten Turnier mit der Nationalmannschaft steht er nun am Freitag (18.30 Uhr, ZDF) im Halbfinale in Krakau gegen Norwegen, außerdem trifft Spanien auf Kroatien. Für Deutschland ist es das erste EM-Halbfinale seit 2008.

„Man kann schon sagen, dass das eine Sensation ist“, sagte Dagur Sigurdsson, als er gefragt wurde. Von sich aus hätte er das so nicht formuliert. Wie gewohnt, wirkte der Bundestrainer nach der Partie wie ein Außenstehender, der die ganzen Emotionen an sich abprallen lässt. Wenige Minuten zuvor sah das noch ganz anders aus. Da stand der Isländer vor Wut tobend an der Seitenlinie, denn einige seiner Spieler waren sich nach dem 25:23 durch Fabian Wiede bereits jubelnd in die Arme gefallen. „Da war der Trainer etwas unentspannt, aber es waren ja schließlich nur noch zehn Sekunden zu spielen“, sagte Torhüter Carsten Lichtlein.

Als auch die vorüber waren, gab es im deutschen Team kein Halten mehr. Die Assistenztrainer Alexander Haase und Axel Kromer hielten sich an den Händen und hüpften wie kleine Kinder im Kreis, während Torhüter Andreas Wolff sich wie von Sinnen auf seiner Brust herum trommelte.

Eindrucksvolle Rückkehr nach der verpassten EM 2014

Der Rest der Mannschaft hatte sich in einer großen Traube zusammengefunden, die ausgelassen durch die Halle hopste. Die Mannschaft, die sieben Ausfälle zu beklagen hatte, zwei davon im laufenden Turnier, hatte tatsächlich den EM-Zweiten von 2014 besiegt. Was die jungen Handballer in Polen präsentieren ist eine eindrucksvolle Rückkehr des deutschen Handballs nach der verpassten EM 2014.

Wie in den vorangegangenen Partien starteten die Spieler mutig in die Partie gegen die favorisierten Dänen. Auf der rechten Seite wirbelte zunächst Fabian Wiede für Steffen Weinhold. Und er wurde den Dänen mit zwei Toren direkt so gefährlich, dass sie den 21-jährigen Linkshänder der Füchse Berlin in Sonderbewachung nahmen. In der Abwehr starteten die Deutschen zunächst etwas defensiv, stellten dann aber um, und bekamen vor allem Dänemarks Topscorer Mikkel Hansen besser in den Griff.

Vorne aber passierten immer wieder kleine Fehler, zudem hielt Schlussmann Niklas Landin überragend. „Ahhhh...ich dreh gleich durch! Wir sind so nah dran, ein paar kleine Fehler weniger, und wir sind im Halbfinale!“ schrieb der verletzte Kapitän Uwe Gensheimer via Twitter. Ähnlich erging es auch den Verletzten in der Halle. Weinhold und Christian Dissinger sprangen immer wieder auf der Tribüne hin und her, und für DHB-Vizepräsident Bob Hanning wurde es irgendwann zu spannend, da versteckte er sich kurz hinter Weinholds Rücken.

In die zweite Hälfte startete die deutsche Mannschaft mit einer 4:2 Abwehr und nahm nun vermehrt Hansen und Michael Dagmaard aus dem Spiel. Im Gegenzug erzielte Steffen Fäth, mit sechs Treffern bester deutscher Werfer, die 16:15-Führung (35.).

Fast zehn Minuten kein Treffer für das deutsche Team

Dann aber gelang der deutschen Mannschaft fast zehn Minuten kein Treffer mehr. Dank einer starken Abwehr kassierten sie in dieser Phase aber auch nur drei Gegentreffer, profitierten dabei allerdings davon, dass die Dänen einige Chancen in Überzahl liegen ließen, zum Beispiel beim Versuch, das leere Tor zu treffen (16:18/42.). Häfner stellte den Anschluss wieder her.

„Wir wussten, wenn wir dranbleiben, kommen die Dänen unter Druck“, sagte Linksaußen Rune Dahme. Und so war es dann auch. In der 59. Minute scheiterte ausgerechnet der ansonsten überragende Anders Eggert am Pfosten. Der Berliner Wiede hingegen traf im Gegenstoß das Tor. „Alle meinten, wir haben keine Chance, da ist natürlich auch ein Ansporn zu zeigen, dass das nicht so ist.“

Jetzt wollen die Spieler mehr: „Wir haben eine Weltklassemannschaft geschlagen, warum sollten wir nicht noch eine Weltklassemannschaft schlagen“, sagte Erik Schmidt.