Handball

Selbst Manuel Neuer schwärmt von den Handball-Helden

Seitdem erstmals seit 2008 wieder ein Halbfinaleinzug möglich ist, herrscht in Deutschland große Euphorie um die Handballer.

Manuel Neuer ist bekennender Handball-Fan. Hier sitzt er in einer Loge des mittlerweile insolventen HSV Handball. Das Bild stammt aus dem Jahre 2010

Manuel Neuer ist bekennender Handball-Fan. Hier sitzt er in einer Loge des mittlerweile insolventen HSV Handball. Das Bild stammt aus dem Jahre 2010

Foto: Fishing4 / picture-alliance / Fishing4

Breslau.  Erstmals seit 2008 ist bei einem großen Turnier wieder ein Halbfinale möglich, und schon ist die mit inzwischen 16 EM-Debütanten gespickte deutsche Handball-Nationalmannschaft in aller Munde.

Vor dem „Endspiel ums Halbfinale“ gegen Dänemark am Mittwoch (18.15 Uhr, ARD) steigt die Euphorie mit der TV-Quote (zuletzt über sechs Millionen), neben den Fans daheim fiebern selbst die Topstars anderer Sportarten inzwischen begeistert mit.

„Ich drücke den Handballern ganz fest die Daumen“, sagte Tennis-Ass Angelique Kerber bei den Australian Open in Melbourne. Hockey-Olympiasieger Moritz Fürste, der in Indien gerade an der Hockey India League teilnimmt, steht sogar nachts auf und schaut die deutschen EM-Spiele „mit Kopfhörer und mit Tapestreifen überm Mund, um nicht zu schreien“. „Weltklasse Männer! Geile Truppe, mega Fight“, twitterte Fürste zuletzt nach dem Krimi gegen Russland (30:29).

Bei Sieg mit drei Toren Vorsprung muss keiner mehr rechnen

Und auch Fußball-Weltmeister Manuel Neuer verfolgt die EM daheim in München: „Ich freue mich, dass wir im Handball wie im Fußball traditionell gute Torhüter haben. Andreas Wolff und Carsten Lichtlein machen das sehr gut“, sagte Neuer über seine Torhüterkollegen.

Senkrechtstarter Wolff sei „ein ganz anderer Typ als etwa Silvio Heinevetter, der durch seine unruhige Art die Gegner aus dem Konzept bringen wollte“, so Neuer: „Wolff hingegen steht sehr lange, antizipiert sehr gut und zwingt den Gegner zur ersten Aktion.“

Wolff freut sich über die Anerkennung. „Das geht runter wie Öl“, sagte Wolff: „Das gibt uns ein zusätzliches positives Gefühl. Und je mehr wir davon mitnehmen, desto leichter wird es.“ Das große Verletzungspech wird dabei einfach ausgeblendet.

Die für Kapitän Steffen Weinhold und Christian Dissinger Nachnominierten Kai Häfner (Gummersbach) und Julius Kühn (Hannover), durch die der Altersschnitt des jüngsten aller EM-Teams noch einmal von 24,9 auf 24,6 Jahre sinkt, haben Dienstag erstmals mittrainiert.

„Es könnte ein Vorteil für uns sein, dass wir ein bisschen länger Pause haben als die Dänen“, sagte Bundestrainer Dagur Sigurdsson dazu.

„Die Team-Chemie stimmt einfach nur“

Nach dem 28:28 der Dänen gegen Schweden am Dienstagabend ergibt sich nun folgende Konstellation: Wenn Deutschland egal wie hoch gewinnt, sind sie weiter, und Dänemark ist raus. Wenn Spanien gegen Russland verliert, reicht Deutschland ein Unentschieden, dann ist Spanien draußen. Wenn Deutschland Unentschieden spielt und Spanien auch, ist Spanien wegen des direkten Vergleichs weiter und Deutschland draußen. Gleiches gilt, wenn beide verlieren.

Doch Selbstvertrauen und unbändiger Siegeswille lässt „Shooter“ Kühn (O-Ton Sigurdsson) an das Wunder glauben. Nur wenige Stunden im Kreise der Mannschaft hat Kühn gebraucht, um die neue deutsche Handball-Philosophie mit Haut und Haar zu verinnerlichen.

„Der Zusammenhalt hier ist überragend, die Team-Chemie stimmt einfach nur“, erzählte Kühn: „Dänemark ist zwar ein unglaublich großer Brocken, aber in einem Do-or-Die-Spiel kann alles passieren. Wir werden alles geben, dann wird schon etwas Positives herausspringen.“