Handball

Voller Blessuren in die schwerste Prüfung

Mit dem Topteam aus Dänemark wartet am Mittwoch der unangenehmste Gegner auf die geschwächte deutsche Handball-Nationalmannschaft.

Fabian Wiede von den Füchsen Berlin jubelt bei der Handball-EM. Nach dem Ausfall von zwei weiteren Spielern trägt er noch mehr Verantwortung

Fabian Wiede von den Füchsen Berlin jubelt bei der Handball-EM. Nach dem Ausfall von zwei weiteren Spielern trägt er noch mehr Verantwortung

Foto: Adam Nurkiewicz / Getty Images

Breslau.  Vor Beginn der Handball-Europameisterschaft hatte Bundestrainer Dagur Sigurdsson davon gesprochen, dass so ein Turnier einer Ansammlung von Prüfungen ähnelt. In den vergangenen Tagen hat sich seine Mannschaft dabei nur gute Noten abgeholt. Vier Spiele gewann sie in Serie, zuletzt stand das 30:29 gegen Russland.

Damit stehen die Deutschen gegen Dänemark (Mittwoch, 18.15 Uhr, ARD) vor einem Endspiel für den Halbfinal-Einzug. „Wo wir jetzt stehen, ist großartig“, sagte Sigurdsson. Die junge Auswahl hat sich in einen Lauf gespielt und damit in Deutschland eine Euphorie entfacht. Mehr als sechs Millionen Menschen verfolgten die Partie gegen Russland im Fernsehen. Diese Begeisterung erfuhr nun allerdings einen jähen Dämpfer, denn die Verletzungen, die sich Kapitän Steffen Weinhold und Christian Dissinger in diesem Spiel zugezogen haben, bedeuten für beide das EM-Aus.

„Weinhold hat einen Muskelbündelriss der Adduktoren und muss sechs bis acht Wochen pausieren, bei Dissinger ist die Adduktorenverletzung links nicht ganz so schlimm wie bei Steffen, aber auch für ihn ist die EM beendet“, sagte DHB-Vizepräsident Leistungssport Bob Hanning.

Für Weinhold und Dissinger ist die EM beendet

Sigurdsson steht nun, wie schon so oft in den vergangenen Wochen, vor der Aufgabe zu improvisieren. Der Isländer fand bislang immer Lösungen. Die Ausfälle von Abwehrchef Patrick Wiencek, Rückraumtalent Paul Drux sowie von Kapitän Uwe Gensheimer, Patrick Groetzki und Michael Allendorf hat die Mannschaft kompensiert. Mit Finn Lemke, Steffen Fäth, Dissinger, Rune Dahmke und Tobias Reichmann spielten sich neue Akteure in den Vordergrund. „Das ist jetzt aber eine andere Situation als bei den fünf anderen“, sagte Sigurdsson. „Wir waren in einem guten Rhythmus, und wenn wir ehrlich sind, wirft uns das zurück.“

Im Rückraum wird nun Fabian Wiede mehr Verantwortung übernehmen müssen. „Für mich ist es das erste Mal, dass ich bei der Nationalmannschaft sozusagen in der ersten Sieben stehe“, sagte er. Der 21-Jährige ist diese Rolle von den Füchsen Berlin gewöhnt, vor allem in der Abwehr werden Weinhold und Dissinger aber fehlen.

„Das ist schon eine bittere EM für uns, was die Ausfälle betrifft“, sagt Wiede. Von einem B-Team will er aber nichts hören: „Wir sind immer noch die A-Nationalmannschaft, das kann uns keiner nehmen“, sagte er.

Kühn und Häfner wurden als Ersatz nach Polen geholt

Kurz darauf trafen Julius Kühn (VfL Gummersbach) und Kai Häfner (Hannover Burgdorf) im Hotel ein. „Ich bin bereit“, sagte Häfner, der im rechten Rückraum oder auf der Mittelposition spielen kann. Beide waren beim Lehrgang Anfang Januar in Berlin dabei. „Das ist natürlich ein großer Vorteil, außerdem sind sie frisch, die werden uns helfen“, sagte Erik Schmidt. Auch Weinhold, der trotz Verletzung beim Team bleibt, ist zuversichtlich: „Ich glaube, wenn wir in Abwehr- und Torhüterleistung gefestigt sind, können wir die Dänen packen.“

Zwei Tage hat Dagur Sigurdsson nun Zeit, um die neuen Spieler zu integrieren und den Rest der Kaders mit den Umstellungen vertraut zu machen. „Wie werden jetzt sicher nicht aufgeben, sondern kämpfen bis zum Umfallen. Was man in zwei Tagen machen kann, ist aber sehr begrenzt“, gab er zu. Und: Dänemark hat als einziges Team noch kein Spiel bei dieser EM verloren. „Das wird unsere schwerste Prüfung bis jetzt“, sagte Schmidt.