Maik Franz war bis Dienstag noch im Trainingslager. In Andalusien hat er Laufeinheiten absolviert. „Ich komme fit zum Turnier“, kündigt Franz vor dem Traditionsmasters am Sonnabend (ab 12 Uhr, live bei Sport1) in der Max-Schmeling-Halle an. Er wird für Hertha BSC auflaufen, wo er von 2011 bis 2014 unter Vertrag stand.

Seit Anfang des Jahres ist Franz Assistent der Geschäftsführung beim 1. FC Magdeburg, diese Bezeichnung trug früher Michael Preetz auch bei Hertha. Mit dem Drittligisten trat Franz gleich die Reise ins Trainingslager nach Spanien an: „Für mich war es ein sehr guter Einstieg, um alles kennenzulernen.“ Nebenbei fand er Zeit zum Laufen. Franz ist bereit für das Turnier der Altstars in der sicher wieder mit 8000 Fans vollbesetzten Halle. „Ich freue mich riesig, das wird richtiges Fußball-Feeling.“

Bei seinem neuen Job in Magdeburg unterstützt er Geschäftsführer Mario Kallnik im sportlichen Bereich. Es geht gleich richtig los, schließlich ist Transferzeit. Außerdem ist Franz für den Aufbau eines Scouting-Systems verantwortlich, da hat Magdeburg Nachholbedarf.

Fernstudium in Sportmanagement

„Das ist kein PR-Gag“, sagt Kallnik, in den 1990er-Jahren als Spieler beim BFC Dynamo, über den 34-Jährigen. Der Klub will sich nicht mit einem 192-maligen Bundesligaspieler schmücken, der in der Nähe von Magdeburg aufgewachsen ist und dort seine Laufbahn begann. Franz soll Verantwortung übernehmen, Kontakte aus seiner aktiven Zeit nutzen – und es soll ihn selbst weiterbringen. Als Ergänzung zum Fernstudium in Sportmanagement. „Win-win-Situation“ nennt dies der frühere Verteidiger. Von Berlin aus wird er mehrmals pro Woche nach Magdeburg pendeln.

Den Profi Maik Franz gibt es seit fast genau einem Jahr nicht mehr, am 15. Januar 2015 schrieb er bei Facebook: „Mein Knie wird den Anforderungen des Profifußballs nie wieder gewachsen sein. Ab heute bin ich also Sportinvalide.“ Er quälte sich zuvor schon länger mit Verletzungen herum. Auch deswegen kam er bei Hertha in drei Jahren nur auf sieben Erst- und neun Zweitligaeinsätze.

Zuvor hatte er für den VfL Wolfsburg, den Karlsruher SC und Eintracht Frankfurt gespielt. Beim KSC war der Mann mit dem großen Kampfgeist zu „Iron Maik“ geworden. Fans des eigenen Vereins schätzten ihn für seine Spielweise, die an der Grenze des Erlaubten lag. Oder jenseits davon. Sechs Mal flog er in der Bundesliga vom Platz. Als „Arschloch“ und „unfair“ titulierte ihn Mario Gomez nach einem Spiel im Jahr 2008. Franz, abseits des Platzes stets höflich und freundlich, hatte endgültig das Treter-Image weg. „Ich war schon grenzwertig“, sagte er später im Interview mit „11 Freunde“.

Vertragsauflösung vor Gericht

Für sein Spiel brauchte er volle Fitness – hatte sie in der Spätphase der Karriere aber nicht mehr. Hertha legte ihm einen Vereinswechsel nah, Franz blieb. Trainer Jos Luhukay versetzte ihn und Peer Kluge Anfang 2014 zum Training der zweiten Mannschaft. Vor Gericht einigten sich beide Seiten auf eine vorzeitige Vertragsauflösung mit Abfindung. „Das Ende war nicht optimal. Aber das Verhalten von Jos Luhukay fand ich nicht in Ordnung. Dazu stehe ich immer noch“, sagt er heute.

Gut ein halbes Jahr nach dem Ende bei Hertha war ganz Schluss. „Iron Maik“ gab es fortan nur noch im TV bei Sky. Für „Sport am Limit“ ließ er sich unter anderem von den Handballern der Füchse Berlin Bälle aufs Tor werfen: „Dafür muss man geboren sein.“ Eine neue Erfahrung, auch für einen, der nie einen Zweikampf ausgelassen hatte.

Er wurde Vater, machte seinen Trainerschein, heiratete im Herbst und fing das Studium an. Franz spricht heute distanziert über das Profi-Geschäft: „Aus dem Bekanntenkreis brechen nach Ende der Karriere einige weg. Du bist nicht mehr so interessant wie früher.“ Stört ihn das? „Manche mag es überraschen, aber ich brauche die Aufmerksamkeit nicht.“ Fehlen tut ihm etwas anderes: der Moment im Spielertunnel, das Kribbeln kurz vor halb vier, wenn die Fans schon zu hören sind.

Auf Titeljagd mit den Spandauer Kickers

Passt es zeitlich, spielt Franz sonst für die Senioren der Spandauer Kickers. Topspiele haben das Niveau der Berlin-Liga (6. Liga), das macht das Knie mit. Über einen Freund ist er dort hingekommen. In der vergangenen Saison hat das Team Pokal und Meisterschaft geholt. Das Double soll es wieder sein. „Ist doch klar“, sagt Franz. Insgesamt sei er jetzt jedoch viel entspannter auf dem Rasen. Früher immer für Trash Talk zu haben, entgegnet er nun redseligen Gegnern, bitte nicht zu nerven.

Die alte Geschichte mit Hertha ist ausgeräumt. Er hat schon öfter für das Traditionsteam gespielt, jetzt zum ersten Mal in der Halle. Volles Haus, ein Derby gegen den 1. FC Union, das ist nach Franz‘ Geschmack. Seine Fähigkeiten schätzt er realistisch ein: „Eine Zaubermaus bin ich nicht. Dariusz Wosz haben wir ja zum Glück ohnehin bei uns in der Mannschaft. Ich bin der Zuarbeiter, der einen Vorsprung über die Zeit bringt.“ Aber, Achtung: „Ich werde auch das eine oder andere Kabinettstückchen auspacken.“